Fluss fließt langsamer

Nutztier oder Plage? Der Biber verändert das Erscheinungsbild an der Rott bei Neumarkt-St. Veit

Der Biber fühlt sich wohl im Landkreis Mühldorf. Die Biberbeauftragten des Landkreises sprechen von bis zu 800 Tieren, die sich an den fließenden Gewässern finden lassen.
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Der Biber fühlt sich wohl im Landkreis Mühldorf. Die Biberbeauftragten des Landkreises sprechen von bis zu 800 Tieren, die sich an den fließenden Gewässern finden lassen.

Für die einen ist er ein bewundernswertes Wildtier, für die anderen eine Plage. Am Thema Biber scheiden sich die Geister. An der Rott bei Neumarkt-St. Veit hinterlassen die Nager deutliche Spuren, verändern sogar die Fließgeschwindigkeit des Flusses. Und in Schönberg hat der Biber sogar sein eigenes Reich bekommen.

Von Josef Enzinger und Karlheinz Jaensch

Neumarkt-St. Veit – Mit Hilfe des Bund Naturschutz ist in den Sechzigern des letzten Jahrhunderts die erfolgreichste Wiedereinbürgerung eines Wildtieres in Bayern gelungen. Er war nämlich ursprünglich ein Ureinwohner. Heute sorgt der dieser Nager für mehr Artenvielfalt und Hochwasserschutz im Freistaat, wie es beim Bund heißt. Seit etwa zehn Jahren fühlt sich das Tier auch in der Neumarkt-St. Veiter Rott heimisch. Und das deutlich sichtbar.

Baumstämme, die Sanduhren gleichen

Allenthalben können die Spaziergänger an den Uferdämmen frischabgenagte oder gar gefällte Bäume feststellen. Dieses emsige Tier fällt nächtens riesige Stämme, deren Durchmesser man in Dezimetern angeben kann. Eine fortgeschrittene Nagestelle erinnert optisch an eine Sanduhr.

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An der Rott haben sich Kaskaden gebildet

In Kaskaden fallen inzwischen die Wasser der sonst so ruhigen Rott oberhalb des Badsteges immer wieder in ihr Flussbett zurück. Neumarkt-St. Veits Biber waren in diesem Sommer fleißige Baumeister. Über einen halben Meter hoch und über die gesamte Breite der Rott ist mittlerweile das obere Bauwerk wohl fast fertig. Flussabwärts haben andere Biber ebenfalls ihr Werk begonnen. Oberhalb des ersten Dammes bildete sich bereits ein größerer Stausee. Um den Grünbestand auch für die Bevölkerung an den Rottdämmen zu erhalten, hat das Flussbauamt inzwischen die dickeren Stämme inzwischen mit einem Drahtgitter ummantelt.

Biber schafft auch Lebensraum für andere Tiere

Doch so schlecht der Ruf des Bibers auch zu sein scheint, die Untere Naturschutzbehörde im Landratsamt in Mühldorf nimmt Europas größtes Nagetier in Schutz, spricht dessen Nutzen für die Natur an. „Biber schaffen durch ihre Bauaktivitäten nicht nur Lebensraum für sich, sondern auch eine Reihe anderer, zumeist ebenfalls gefährdeter Tiere“, heißt es dazu von der Pressestelle des Landratsamtes auf Nachfrage.

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Wichtiger Beitrag zum lokalen Wasserhaushalt

Sie würden außerdem einen wichtigen Beitrag zum lokalen Wasserhaushalt leisten, bestätigt auch der Biberbeauftragte des Landkreises Philipp Wagner. „Die Fließgeschwindigkeit von Gewässern wird verlangsamt, Sedimente setzen sich ab, der Grundwasserspiegel wird angehoben, was gerade im Hinblick auf die immer trockener werdenden Sommer der vergangenen Jahre einen nicht zu vernachlässigenden Punkt darstellt“, erklärt Wagner.

Ein Biotop mitten in der Stadt: Der Biber fühlt sich an der Rott in Neumarkt-St. Veit sichtlich wohl, die Dämme stauen das Flüsschen mittlerweile auf.

Die Naturprofitiert vom Biber

Selbst bei Hochwassern trügen Biberdämme dazu bei, dieses zeitlich abzumildern. „Von einem Miteinander des Menschen und des Bibers in unserer Kulturlandschaft kann also durchaus auch der Mensch profitieren. Die Natur tut es auf jeden Fall“, ist sich Wagner sicher.

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Biber in Schönberg lässt sich nicht unterkriegen

Das kann Schönbergs Bürgermeister Alfred Lantenhammer nur bestätigen. Lange Zeit hatte man in seiner Gemeinde versucht, dem Treiben des Bibers ein Ende zu setzen. Immer wieder hatte das Nagetier in einem Waldstück bei Groislmühl Bäume gefällt, Dämme gebaut und den Elsenbach aufgestaut. Die Gemeinde habe die Dämme immer wieder beseitigen lassen. Doch ohne Erfolg. Der emsige Biber fällte weiter. „Und 14 Tage später stand der neue Damm!“, so Lantenhammer.

14 Tage später stand der neue Damm!

Schönbergs Bürgermeister Alfred Lantenhammer

Eigenes Biotop für Biber in Schönberg

Deswegen habe man sich vor mehr als zwei Jahren dafür entschieden, den Biber schalten und walten zu lassen. Die Gemeinde hat das rund 10 000 Quadratmeter große Areal aufgekauft und es als ökologische Ausgleichsfläche ausgewiesen. „Dort kann sich der Biber nun austoben“, so Lantenhammer.

Genug Rententionsfläche bei Hochwasser

Es sei mittlerweile ein Biotop entstanden mit großem ökologischen Wert, das habe auch der Biberbeauftragte des Landkreises bestätigt. Denn nicht nur der Biber hat nun ein Refugium, wo ihm niemand mehr in die Quere käme. Moorpflanzen könnten sich nun ungehindert ausbreiten, die Fließgeschwindigkeit des Elsenbach habe sich verringert, Sedimente lagern sich ab. Und kommt es zu längeren Regenfällen oder Hochwassersituationen stünden nun genügend Retentionsflächen zur Verfügung.

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