Niedertaufkirchen ächzt unter der Verkehrsbelastung – Gemeinderat fordert neue Verkehrszählung

Viele Wege führen in der Nord-Süd-Achse zur A94 – dem über Niedertaufkirchen wurde am Kreisverkehr sogar ein großes Schild gewidmet. Die Niedertaufkirchener sind nicht glücklich darüber.
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Viele Wege führen in der Nord-Süd-Achse zur A94 – dem über Niedertaufkirchen wurde am Kreisverkehr sogar ein großes Schild gewidmet. Die Niedertaufkirchener sind nicht glücklich darüber.

Der Verkehr in Niedertaufkirchen hat nach Ansicht vieler Bürger stark zugenommen und wird langsam unerträglich. Als Grund nennen viele die Autobahn, zu der Lastwagen und Autos durchs Dorf fahren. Sie machen aber auch das Landratsamt dafür mitverantwortlich.

Niedertaufkirchen – „Wenn sich zwei Lastwagen begegnen, wird es eng“, Gemeinderatsmitglied Markus Schlagbauer ist das Eck auf der Kreisstraße Mü 36, zwischen Kindergarten und dem ehemaligen Connection-Verlagshaus in Niedertaufkirchen, schon lange ein Dorn im Auge. Die Stelle sei unübersichtlich, Gehwege fehlten gänzlich, der Verkehr habe nach Ansicht Schlagbauers außerdem zugenommen, seit die A 94 lückenlos bis München befahrbar ist. Er nimmt das Landratsamt nun in die Pflicht – und ist längst nicht der Erste, der die Verkehrsproblematik im Ort anspricht.

Unterschriften schon 2015 gesammelt

Dass sich der Verkehr von Nord nach Süd und andersrum durch Niedertaufkirchen schlängelt, ist nichts Neues, hat schon früher engagierte Bürger Niedertaufkirchens auf den Plan gerufen, die sich für eine Form der Verkehrsberuhigung eingesetzt hatten. Um den Schwerlastverkehr durch den Ort einzudämmen waren im September 2014 sogar Unterschriften gesammelt worden. 384 Unterzeichner hinterließen aber nur wenig Eindruck. Weder Landratsamt, noch Polizei sahen damals rechtliche Möglichkeiten, den Verkehrsstrom zu mildern.

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Denn, so die Erklärung damals: Grundsätzlich gilt für die Kreisstraße Mü 36, dass sie für alle Verkehrsarten freigegeben ist. Nicht nur Anwohner hatten sich eingesetzt, auch Bürgermeister Sebastian Winkler setzte sich für dass Maßnahmen zur Verkehrsberuhigung ein.

Viel oder wenig? 92 Lastwagen am Tag

Doch bei damals täglich 1685 Fahrzeugen, die von den Behörden bei einer Verkehrszählung registriert und für eine Kreisstraße als „durchschnittlich“ bewertet wurden waren es lediglich 92 Fahrzeuge, die dem Lkw-Verkehr zuzuordnen waren. „Die Zeiten haben sich aber mittlerweile geändert“, fordert Schlagbauer eine erneute Erhebung. Seiner Ansicht nach hätten nicht nur der Bau der Logistikzentren von Netto und Hermes in Erharting zu einem erhöhten Verkehrsaufkommen geführt, wovon auch die Durchfahrt von Niedertaufkirchen betroffen sei. Auch die Öffnung der A 94, die seit Oktober 2019 durchgängig bis München befahrbar ist, habe zu einem erhöhten Verkehrsaufkommen geführt, ist Schlagbauer überzeugt.

Bürgermeister für Verkehrszählung

Und auch Bürgermeister Sebastian Winkler findet, dass eine Verkehrszählung interessante Daten liefern könnte. Denn mit Fertigstellung des Kreisverkehrs in Haunertsholzen und der Freigabe der A 94 sei im Gegensatz zu früher nun auch eine überdimensionale Beschilderung erfolgt, die zu Lasten der Gemeinde gehe. „Das Schild in Haunertsholzen leitet den Verkehr, der aus Niederbayern kommt und zur A 94 will, durch Niedertaufkirchen.“ Man könne diesen Verkehr durchaus auch auf einem weiter östlichen Korridor herumführen, findet Winkler, „etwa über Johannesbuchbach und westlich von Pleiskirchen“. Dann wäre der Verkehr zumindest aus der Ortschaft heraus, erklärt Winkler seinen Alternativvorschlag, der den Schwerverkehr in Richtung Töging lenken würde und dann auf die Auffahrt zur A 94 in Töging. Denn auch für Winkler ist klar: „Das Verkehrsaufkommen hat wesentlich zugenommen“, dies registriere er täglich, wenn er von seinem Hof aus Weiperding rüber auf die Kreisstraße blickt.

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Winkler war vor fünf Jahren schon aktiv geworden, hat auf den Verkehr hingewiesen und auch Nachbesserungen gefordert. Die Aussage damals, die auch heute noch gilt: Die Kreisstraße ist mit öffentlichen Mitteln gebaut, sie müsse auch dem öffentlichen Verkehr uneingeschränkt zur Verfügung stehen. „Da gibt es keine Handhabe“, weiß Winkler, selbst wenn man fordern würde, dass der Nordzulauf über Neumarkt-St. Veit auf die Bundesstraße gelenkt werden soll.

Kein Vertrauen in neue Verkehrssysteme

Letztlich seien nach Ansicht Winklers ohnehin die intelligenten Verkehrssysteme für den Verkehrsfluss verantwortlich. „Der Verkehrsteilnehmer will doch immer die kürzeste Verbindung nutzen. Nicht eine Hinweistafel, sondern das Navi steuert mittlerweile den Verkehrsstrom!“

Landratsamt führt neue Verkehrszählung durch

Kritik an der Beschilderung, die Autos zur Autobahn durch Niedertaufkirchen führt, weist das Landratsamt zurück. „Durch den Umbau der Kreuzung Haunertsholzen in einen Kreisverkehr mit entsprechender Beschilderung erfolgte keine Änderung der Verkehrsführung“, heißt es auf Anfrage. Eine Umleitung über Engfurt, wie von manchen gefordert, sei nicht möglich, „da bei Umleitungen vor allem des Schwerverkehrs die Problematik entsteht, dass der Verkehr nur auf andere Wohngebiete oder Ortschaften verlagert wird.“ In diesem Fall müsse die Umleitung über Straßen des Landkreises Altötting erfolgen, „die mit Schwerverkehr mehr belastet sind als unsere Kreisstraße“. Die Möglichkeit, den Verkehr durch Verbote einzudämmen, sieht das Landratsamt nicht: „Kreisstraßen sind grundsätzlich dem überörtlichen Verkehr gewidmet und für alle Verkehrsarten freigegeben sind.“

Daten sollen Ende des Monats vorliegen

Die letzte Verkehrszählung fand vor über fünf Jahren statt, neuere Zahlen gibt es derzeit nicht. „Die Verkehrsbehörde des Landkreises führt jedoch aktuell eine Verkehrszählung am Ortseingang Niedertaufkirchen durch“, heißt es dazu. „Konkrete Daten werden Ende August verfügbar sein, sodass die Entwicklung des Verkehrsaufkommens im Vergleich zu 2015 ersichtlich wird.

85 Prozent waren langsamer als 43 Kilometer in der Stunde

Neuere Zahlen gibt es laut Landratsamt nur für die Tempo-30-Zone vor dem Kindergarten. Dort zählten die Mitarbeiter Ende 2018 den Verkehr. Laut Landratsamt waren 1772 Fahrzeugen am Tag unterwegs, davon waren 96 Lastwagen. 85 Prozent der Fahrzeugführer fuhren langsamer als 43,2 Kilometer in der Stunde.

Ob Tempo 30 möglich ist, ist offen

Ob die Regelung vor dem Kindergarten wie von Anwohner gefordert ausgeweitet werden kann, ist laut Landratsamt offen. Weder die Schule noch der Kindergarten hätten einen direkten Zugang zur Hauptstraße und auch ausreichend Parkplätze abseits der Hauptstraße, so dass eine Tempolimit vor der Schule nicht verhängt werden könne. „Ob eine Tempo-30-Anordnung aus anderen Gemeinden möglich ist, kann erst nach Beurteilung der aktuell laufenden Verkehrszählung geprüft werden.“

Sind Logistikunternehmen und A94 schuld?: Ihm rollt jedenfalls zuviel Verkehr durch die Ortschaft. Deswegen fordert Niedertaufkirchens Gemeinderat Markus Schlagbauer eine Verkehrszählung.

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