Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.


Unwetter mit Folgen

Nicht zu unterschätzen: Die Brandgefahr nach einem Blitzschlag in ein Wohnhaus

  • Josef Enzinger
    VonJosef Enzinger
    schließen

Vom Blitz getroffen: Die Feuerwehr sucht in Niederbergkirchen mit der Wärmebildkamera nach Glutnestern, um Nachfolgeschäden zu verhindern

Niederbergkirchen – Ein greller Blitz, gefolgt von einem explosionsartigen Knall, eine berstende Dämmung und angekokelte Steckdosen: Bei dem Unwetter vor zwei Wochen entlud sich eine Gewitterzelle über der Gemeinde Niederbergkirchen, ein Blitz schlug in eine Doppelhaushälfte ein und verursachte Schäden auch in der Nachbarschaft. Feuerwehrkommandant Martin Eberl und der Feuerwehrvorsitzende Markus Eberl erklären, warum es selbst bei solchen Ereignissen wichtig ist, die Feuerwehr zu rufen.

Überwachungskamera hat Einschlag dokumentiert

Eine Überwachungskamera an der Doppelhaushälfte hatte die Szenerie festgehalten, als vor zwei Wochen der Blitz in das Wohnhaus eingeschlagen war und Teile von Außendämmung und Putz quer durch den Garten schleuderte. Bilder zeigen schadhafte Stellen nicht nur am Kamin, sondern auch an der Dachrinne und am Betonsockel des Hauses, den die Blitz-Energie zum Platzen gebracht hat.

Mit der Wärmebildkamera auf der Suche nach Glutnestern: Kommandant Martin Eberl (rechts) und Feuerwehrchef Markus Eberl halten nach einem Blitzschlag eine Hausbegehung für wichtig, um Brände schon im Keim zu ersticken.

Über die Sat-Anlage ins Hausnetz

„Der Blitz hat im Kamin eingeschlagen und ist über die Sat-Anlage und die Überwachungskamera ins heimische Stromnetz gefahren“, fasst der Elektroinstallateur Johann Schmid aus Niedertaufkirchen zusammen. Zehn Steckdosen und zehn Schalter habe es zerlegt, alles in allem trotzdem noch ein überschaubarer Schaden bei den Installationen im Haus. Er schätzt in Höhe von etwa 1500 Euro – wobei die Elektrogeräte da noch nicht mitgerechnet seien.

Elektriker mit eigener Erfahrung eines Blitzschlages

Er selbst hatte vor zwei Jahren einen Blitzschlag zu beklagen gehabt, erklärt Schmid. In nächster Nähe zur Kirche habe der Blitz den Weg des geringsten Widerstands gesucht – und der war bei Schmid das Dach, dort wo er sich aufgehalten hatte. Er selbst sei auf dem Dachboden nur etwas zur Seite geworfen worden, doch der Schaden am Haus habe sich auf 20 000 Euro summiert.

Bis zu sechs Häuser betroffen

„In Niederbergkirchen waren es fünf bis sechs Häuser, die durch den Blitzschlag in Mitleidenschaft gezogen wurden“, weiß der Niederbergkirchener Feuerwehr-Kommandant Martin Eberl. Im Keller des betroffenen Hauses seien durch die Wucht des Einschlags Metalldübel aus der Decke gedrückt worden.

Auch interessant: Mühldorfs Mittelschulhalle abgesoffen – Immenser Wasserschaden nach Sturm vom Dienstag

In einem Haushalt in der Siedlung sei die Heizung beschädigt worden, Anwohner erzählen, dass bei einem Weiteren die Smartsteuerung gelitten habe. Dass der Blitz nicht am höchsten Punkt, dem nahe gelegenen Silo des Raiffeisenlagerhauses eingeschlagen habe, wundert sich Eberl.

An der anderen Hälfte des Hauses brachte der Blitz die Wärmedämmung zum Bersten.

Wärmebildkamera blickt hinter die Verkleidung

Gleichzeitig ist er froh, dass keine Personen verletzt wurden – und dass dennoch die Feuerwehr gerufen wurde, auch wenn es nicht gebrannt hat. „Nach so einem Blitzeinschlag können sich Glutnester im Haus bilden. Da ist es wichtig und richtig, das Ganze mit der Wärmebildkamera abzugehen“, sagt Vorsitzender Markus Eberl.

Dachpappe war geschmolzen

Genau das habe die Feuerwehr gemacht. Neuralgische Punkte am Dach, wo der Blitz die Dachpappe schmelzen ließ, seien von der Feuerwehr begutachtet worden. Man sei vermeintlichem Brandgeruch nachgegangen, „wie man es von einem Kabelbrand her kennt.“ Aber auch unsichtbare Stellen entlang der Stromleitungen in der Mauer oder hinter Verkleidungen habe die Feuerwehr unter die Lupe genommen.

Versteckte Herde hinter Verkleidungen

Die Wärmebildkamera, die die Feuerwehr erst vor drei Jahren angeschafft hat, leiste hier wertvolle Dienste. Kommandant Eberl pflichtet ihm bei, erinnert sich an einen Einsatz an einem brennenden Haus in Oberbergkirchen, wo Wasserknappheit geherrscht habe.

Auch bei Wassermangel hilft die Wärmebildkamera

„Da mussten wir mit dem Löschwasser haushalten. Wir haben deswegen punktuell gelöscht, nachdem wir vorher die vermeintlichen Glutnester mithilfe der Wärmebildkamera lokalisiert hatten. Ein Übergreifen der Flammen auf weitere Gebäude haben wir damit verhindert!“

Feuerwehr-Vorsitzender: Nachsorge ist wichtig!

Gebrannt hat es nicht in Niederbergkirchen. Die Anlieger hätten sich nach der Inspektion durch die Feuerwehr fast entschuldigt, weil die Durchsicht nichts ergeben habe. Vorsitzender Eberl betont dennoch, wie wichtig es ist, diese Nachsorge anzufordern: „Damit ein Brand schon im Keim erstickt wird und somit auch Feuerwehreinsatzkräfte gar nicht erst einer Gefahr ausgesetzt werden müssen!“

Nach Unwetter im Landkreis Mühldorf: Feuerwehren fühlen sich manchmal ausgenutzt

Kreisbrandrat Harald Lechertshuber bemängelt mit Blick auf die beiden Unwetterereignisse die Einstellung in der Gesellschaft. „Dieses Mal hatten wir deutlich mehr Wasser. Es waren insgesamt mehr vollgelaufene Keller“, berichtet Lechertshuber gegenüber innsalzach24.de. Natürlich seien die vielen Einsätze kräftezehrend.

Lesen Sie dazu auch: Wer kommt für Unwetterschäden auf?

„Viele sind von der Arbeit heim und waren bis spät in die Nacht im Einsatz. Und am nächsten Tag wird wieder der normale Beruf ausgeübt“, erklärt der Kreisbrandrat. Die Einsatzbereitschaft bei den Ehrenamtlichen sei noch nicht im Keller. Wenn sich solche Unwettern jedoch wiederholen, könnte sich das ändern, befürchtet der Kreisbrandrat.

An dieser Stelle der Doppelhaushälfte hat der Blitz im Kamin eingeschlagen.

Feuerwehr ist nicht die Putzfrau

Und das hat einen Grund: „Wir fühlen uns manchmal ausgenutzt. Wenn in einem Keller vier Zentimeter Wasser stehen, ist das ehrlicherweise nicht unsere Aufgabe. Putzfrau sollten wir nicht spielen müssen“, ärgert sich Lechertshuber über die Erwartungshaltung, die mancher Bürger gegenüber der Feuerwehr hat.

Lesen Sie dazu auch: Die Unwetter in Deutschland bleiben präsent

„Wenn eine ältere Dame von einem kleinen Schaden betroffen ist, machen wir das natürlich gern. Aber eine junge Familie kann auch selbst eine Schaufel in die Hand nehmen und aktiv werden“, sagt Lechertshuber.

Einsätze nach Unwetterereignissen folgen einer gewissen Priorisierung

Die Niederbergkirchener Feuerwehrleute Markus Eberl und Martin Eberl haben ähnliche Erfahrung, sprechen in diesem Zusammenhang aber eher die Ungeduld von Bürgern an. Sie verweisen darauf, dass bei Unwetterereignissen, wie sie nun schon zweimal den Landkreis getroffen hätten, nach Priorisierung vorgegangen werde.

Überflutungen von Unterführungen etwa oder umgestürzte Bäume, die die Fahrbahn behindern, hätten bei der Alarmierung eine größere Brisanz als vollgelaufene Keller oder Blitzeinschläge.

Bis jetzt liegt die Leitstelle mit ihrer Einschätzung richtig

„Die Prioritäten werden von der Leitstelle in Traunstein gesetzt“, erklärt Vorsitzender Eberl, der betont, dass selbst bei den aktuellen Stresssituationen die Feuerwehr schnell am Einsatzort gewesen sei.

Bis zur Meldung des Blitzschlages und zur Alarmierung sei zwar eine Stunde vergangen, „aber es war auch keine Gefahr in Verzug, wie dann auch die Überprüfung ergeben hat!“

Rubriklistenbild: © Enzinger

Mehr zum Thema

Kommentare