Nicht reden, sondern tanzen: Nonverbale Kommunikation an der Neumarkter Mittelschule

Vormachen, Nachmachen: Üben war das Unterrichtsprinzip.
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Vormachen, Nachmachen: Üben war das Unterrichtsprinzip.

Wie kann man Gefühle ausdrücken ohne diese mit Sprache zu kommunizieren? Alan Brooks, Dozent der Professur für Kunstpädagogik und Kunstdidaktik an der Universität Eichstätt-Ingolstadt, vermittelt der Klasse 8b wie das funktioniert.

von Karlheinz Jaensch

Neumarkt-St. Veit – Der Engländer Alan Brooks ist Dozent der Professur für Kunstpädagogik und Kunstdidaktik an der Universität Eichstätt-Ingolstadt. Seit September 2008 leitet er das Projekt „Schultanz in Bayern“ des Bayerischen Kultusministeriums. Rektorin Angela Wimmer ermöglichte es, auf Anregung der erfahrenen Kunst und Sportlehrerin Monika Wottke, dass 17 Mädchen und Knaben aus der Klasse 8 b ihrer Herzog-Heinrich-Mittelschule in Neumarkt-St. Veit am Projekt mit Alan Brooks teilnehmen durften. Eine Woche lang wurde vier Stunden täglich freudvoll in der alten Turnhalle trainiert.

Kinder lernen, ihre Stärken zu erkennen

„Ich will, dass die Jugendlichen erstens ihren Körper besser kennenlernen, ihn beherrschen und benützen, und sich auch körperlich – ohne Worte – ausdrücken können“, so erklärt der professionelle Tänzer seine Aufwärmphasen vor den tänzerischen Übungen. Die Gruppe macht alles ordentlich mit, die Begeisterung und vor allem der Schwung ihres Vorturners Alan reißt sie mit.

Stärken erkennen und mit Bewegung ausdrücken

„So lernen sie ihre Stärken erkennen, spüren, wer sie wirklich sind und können sich später leichter auch mit ihren Bewegungen und dem ganzen Körper ausdrücken“, erklärt Brooks. Dazu unterrichtet er die Jugendlichen in klassischen und zeitgenössischen Tanzformen.

Bevor der Tanzpädagoge mit dem Aufwärmen und dem Einstudieren seiner selbst entwickelten Choreographien beginnt, sammelt er die Gruppe immer in einem Gespräch, wobei er auf die Bedeutung von Konzentration und Disziplin hinweist. Die Kinder verstehen das – und beides zu halten fällt ihnen bei den Bewegungen leichter als beim Stillsitzen im Unterricht.

Jeder Teilnehmer muss sich am Ende einen Soloteil einfallen lassen

Im Laufe der Woche lehrt Alan Brooks seinen Schülern bei der Choreographie verstärkt ihre Gefühle in Bewegungen umzusetzen. Jeder Schüler hatte die Aufgabe, sich einen Soloteil auszudenken, der bei der Tanzpräsentation am Freitag im Duo, in Vierer- oder Fünfergruppen einfließen soll. Die Tanzpartner sollten dabei respektiert und deren Darstellungen toleriert werden. Dabei zeigen sie: mit der Haltung der Arme, des Kopfes, der Art des Blickes und Vielem mehr kann ich anderen mein Wohlwollen oder Missfallen. Freude oder Trauer mitteilen.

Sich der Grenzen der Leistungsfähigkeit bewusst werden

Die Schüler sollen sich durch das Projekt ihrer eigenen Leistungsfähigkeit, sowie deren Grenzen bewusst werden und so für ihre Persönlichkeit profitieren. „Junge Leuten sollen respektiert und nicht nur beurteilt werden, das ist mein Traum“, sagt Alan Brooks selbst. „Das ist es, was mich antreibt. Meine Tanzworkshops sollen helfen an sich selbst zu glauben. Wenn die Schüler am Ende der Woche mit dem Gefühlt nach Hause gehen: Ich bin ich und das ist gut so“, dann habe ich etwas erreicht. Bevorzugt unterrichtet er Mittel-, Real- und Förderschulen, betont er.

Skepsis wich der Begeisterung

„Zuerst waren meine Schüler skeptisch,“, erklärt Klassenlehrerin Alexandra Ruß. „Aber schon im Laufe des Tages wuchs die Freude an der tänzerischen Bewegung. Die Kinder haben viel gelernt – auch fürs Leben.“

So haben es die Schüler miterlebt

Und wie sehen es die Kinder? Lisa Darowski, 13, aus Neumarkt-St. Veit: „Wir Mädchen waren alle sehr gespannt auf diesen Kurs. Ich mag ja Musik und Tanz schon immer gerne. Schon bei den Aufwärmphasen mussten wir uns immer konzentrieren und diszipliniert mitmachen. Da spürt man schnell was einem leicht oder schwer fällt. Alan Brooks machte alles vor und riss uns so mit. Bei den Tänzen lernten wir unsere Gefühle auszudrücken. Vor dem Vortanzen hatte ich keine Angst, denn ich habe schon Auftritte in der Öffentlichkeit gehabt.“

Sina Pinna, 14 Neumarkt-St. Veit: „Weil ich Sport und Musik gerne habe, bin ich mit viel Neugier in den Kurs gegangen. Zuerst war ich skeptisch. Aber der Herr Brooks hat mich überzeugt. Eigentlich überzeugte er alle, denn er hat uns mit seinem Vor- und Mitmachen mitgerissen. Ich habe meinen Körper noch besser kennengelernt, etwa wie man sich in Zeitlupe bewegt und doch den Rhythmus hält. Und er hat uns alles genau erklärt, auch wie man ohne Worte Anderen etwas mitteilen kann.“

Tobias Moser, 13 Neumarkt-St. Veit: „Zuerst war ich gar nicht begeistert. Mei, ich spiel ja nur Fußball am Bolzplatz und jetzt sollte ich vor den Eltern tanzen! Aber dann hab ich doch eine Menge erfahren. Das Sportliche war nicht zu schwer, aber es war interessant. Rhythmische Bewegen allein oder in Gruppen sind ganz schön spannend. Wir haben gelernt, wie man ohne zu sprechen anderen zeigen kann, dass man sie mag oder nicht. Dass man helfen will und so.“

Immer im Kreis erklärte Alan Brooks seinen nächsten Unterrichtsschritt.
In kleineren Gruppen führten die Schüler ihre eigenen Choreographien vor
Im Gruppentanz zeigten sich die Schüler bald sehr diszipliniert
Tobias Moser, 13 Neumarkt-St. Veit: „Rhythmische Bewegen allein oder in Gruppen sind ganz schön spannend.“
Sina Pinna, 14 Neumarkt-St. Veit: „Ich habe meinen Körper noch besser kennengelernt, etwa wie man sich in Zeitlupe bewegt und doch den Rhythmus hält.“
Lisa Darowski, 13 Neumarkt-St. Veit: „Bei den Tänzen lernten wir unsere Gefühle auszudrücken.“

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