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Zum Kriegsende vor 76 Jahren

Neumarkterin Anna Mayerhofer erfuhr Jahrzehnte später, dass ihre Hilfe im Krieg erfolgreich war

Anna Mayerhofer mit ihrem Mann Ludwig, der sich 1941 auf kurzem Heimaturlaub mit Gattin Anna fotografieren ließ. 1944 ister bei Minsk gefallen.Mayerhofer
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Anna Mayerhofer mit ihrem Mann Ludwig, der sich 1941 auf kurzem Heimaturlaub mit Gattin Anna fotografieren ließ. 1944 ister bei Minsk gefallen.
  • Karlheinz Jaensch
    vonKarlheinz Jaensch
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Es gibt viele Geschichten über das Kriegsende in deutschen Städten und Dörfern. Von einer solchen Geschichte, deren guter Ausgang 60 Jahre später bekannt wurde, erzählt die Neumarkterin Monika Mayerhofer heute, anlässlich des Jahrestages des offiziellen Kriegsendes.

Neumarkt-St. Veit – Monika Mayerhofer wohnt mit ihrer Familie in einem Haus in der Elsenbacher Straße. An einem Tag im Mai 2005, erinnert sie sich, läutete es an der Haustür. „A oid’s Weiberl is do unten g’stand’n“, beginnt sie ihre Erzählung.

Rückkehr nach Neumarkt mit 80

Die Frau habe nur gesagt: „Das ist das Haus, das muss das Haus sein!“ Dabei habe sie um sich geblickt, schien Monika Mayerhofer zunächst gar nicht zu bemerken. Mayerhofer hielt die Frau für verwirrt und sagte ein einfaches und freundliches „Grüß Gott!“ Die fremde Frau schreckte auf und fragte plötzlich: „Wohnt hier die Familie Mayerhofer?“ Die Neumarkterin nickte zustimmend.

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Die Frau, etwa 80 Jahre alt, blickte sich suchend um. Im neuen Eingangsbereich blieb sie stehen, ihr Gesicht hellte sich auf und sie sagte: „Das ist die Haustüre.“ Dabei blieb sie stehen, und umfuhr mit den Armen einen nicht mehr vorhandenen Türstock. „Wohnt hier noch der kleine Bub Kurti?“, fragte sie dann. Wieder nickte Monika Mayerhofer, stellte aber fest, dass der kleine Kurti aus den 1940er-Jahren mittlerweile ihr Mann und über 60 Jahre alt sei.

„Grüß Gott, Frau Anni Mayerhofer!“

Beide betraten das Haus und gingen ins Wohnzimmer, wo die Schwiegermutter von Monika Mayerhofer saß. Die fremde Frau sagte ganz fest: „Grüß Gott, Frau Anni Mayerhofer!“ Und die Schwiegermutter fragte erstaunt, wer die fremde Frau denn sei. „Und woher kennen Sie meinen Namen und Vornamen?“ Die Antwort: „Ich habe hier doch gewohnt. Ich bin die Irene.“

Schwiegermutter stutzte erst und weinte dann – vor Freude

Da fiel es der Schwiegermutter wie Schuppen von den Augen. Stumm stemmte sich aus dem Sessel und fiel der fremden Frau um den Hals. Die beiden drückten sich. Sie lachten und weinten gleichzeitig.

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„Staunend und stumm stand ich da und tat erst mal nichts“, erinnert sich Monika Mayerhofer. Ganz allmählich lichtete sich dann das Geheimnis, erzählt Mayerhofer heute.

Mit 17 Jahren zum Reichsarbeitsdienst eingezogen

Das 1936 erbaute Haus der Familie Ludwig und Anna Mayerhofer war für viele Jahre das erste Haus, das nördlich der Bahnstrecke in Neumarkt gebaut wurde.

Die Frau gab sich als Irene Schäuble, Apothekertochter aus Berlin zu erkennen. Sie war mit ihrer Freundin 1944, im Alter von 17 Jahren, zum Reichsarbeitsdienst eingezogen worden. Ende April 1945 wurden rund 20 solcher Mädchen und etliche Soldaten per Bahn von Passau in Richtung Westen verlegt.

Elsenbacher Unterführung bot Schutz vor Bombenangriffen

Der Bahnhof im Neumarkt an der Rott war jedoch kurz vorher bombardiert worden und konnte nicht befahren werden. Also hatte der Zug vor der Überführung angehalten. Vor den Angriffen der Jagdbomber retteten sich die Zuginsassen in die Elsenbacher Unterführung. Zunächst wohnten alle im Zug.

Soldaten im Speicher aufgenommen

Zwei der Soldaten seien zum einzigen Haus gegangen, das damals schon nördlich der Bahnlinie stand und erbaten Quartier. Die junge Frau Mayerhofer mit ihrem einjährigen Sohn Kurti stellte den beiden Mädchen Irene und Hilde ein Zimmer mit Bett und Couch im Erdgeschoss zur Verfügung, die Soldaten fanden am Speicher Quartier. So verbrachten sie die wenigen Tage bis zum Kriegsende. Die Mädchen halfen beim Einkaufen und im Haushalt.

Der Krieg lässt die Menschen auch nach 60 Jahren nicht kalt. Monika Mayerhofer erinnert sich an einen Vorfall, der sich 2005 direkt vor ihrer Haustür zugetragen hat.

Mit dem Kinderwagen zu Fuß nach Hause

Dann wurden alle gefangenen Soldaten am Stadtplatz entwaffnet und in Lager eingewiesen, die Mädchen erhielten Passierscheine zum Heimatort, blieben aber bis 15. Mai, weil sie sich für den Fußmarsch nach Berlin aus ihren Wolldecken Rucksäcke nähten. Und Anna Mayerhofer, die ihnen die Nähmaschine dazu zur Verfügung gestellt hatte, besorgte ihnen noch von den Schwiegereltern einen alten Kinderwagen, in dem Kurtis Vater Ludwig schon gelegen hatte. Dieser war im Juni 1944 bei Minsk gefallen.

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Tatsächlich hat es die Frau, das weiß Monika Mayerhofer noch, mit dem Kinderwagen zu Fuß bis in ihre Heimat geschafft. Der Kontakt sei nach dem Besuch vor 16 Jahren abgerissen, aber die Erinnerungen bleiben lebendig. Dafür sorgt ein Büchlein, das Irene Schäuble bei ihrem Besuch in Neumarkt der Familie überlassen hat und in welchem sie ihre Erinnerungen im Zweiten Weltkrieg niedergeschrieben hatte.

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