Vom Carrera-Bahn-Fahrer zum Forscher

Neumarkter Simon Hartel erhält Kulturpreis für Forschungsprojekt zur Oberflächenvermessung

„Gedankenblitz“ heißt die Bronzestatue des Schwandorfer Bildhauers Peter Mayer, die Simon Hertel am Donnerstag offiziell überreicht bekommt.  Es war allerdings kein bloßer Gedankenblitz, den der Neumarkter hatte, um in den Genuss der Auszeichnung zu kommen. Er darf seine Arbeit fortführen, will auf dem Gebiet der 3-D-Messtechnik promovieren.
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„Gedankenblitz“ heißt die Bronzestatue des Schwandorfer Bildhauers Peter Mayer, die Simon Hertel am Donnerstag offiziell überreicht bekommt. Es war allerdings kein bloßer Gedankenblitz, den der Neumarkter hatte, um in den Genuss der Auszeichnung zu kommen. Er darf seine Arbeit fortführen, will auf dem Gebiet der 3-D-Messtechnik promovieren.
  • Josef Enzinger
    vonJosef Enzinger
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Auszeichnung für Hochschulabsolventen aus Neumarkt-St. Veit: Vom Carrera-Bahn-Fahrer zum Forscher – und jetzt will der 24-Jährige Simon Hartel promovieren.

Neumarkt-St. Veit – Für seine Masterarbeit in Elektrotechnik erhält der aus Neumarkt stammende Simon Hartel, Absolvent der Hochschule Landshut, am heutigen Donnerstag den Kulturpreis Bayern der Bayernwerk AG. Neben Simon Hartel erhalten 32 weitere Absolventen bayerischer Hochschulen und Universitäten den Preis in der Sparte Wissenschaft.

Oberflächenvermessung vereinfacht

Simon Hartel hat seine Masterarbeit in Elektrotechnik bei Professor Christian Faber in Kooperation mit Micro-Epsilon, einer Firma für Messtechnik in Ortenburg, geschrieben. Darin beschäftigt er sich mit einem hochpräzisen Verfahren zur Vermessung und Fehlerkontrolle spiegelnder Oberflächen. „Phasenmessende Deflektometrie nennt sich das“, nennt der Neumarkter den Zungenbrecher beim Namen.

Verfahren kommt bei der Kontrolle von Gleitsichtgläsern zur Anwendung

Dieses Verfahren hat er weiterentwickelt, um den Anwendungsprozess zu beschleunigen. Zur Anwendung kommt das Verfahren etwa bei der Kontrolle von Gleitsichtgläsern für Brillen, Kfz-Karosserieteilen und Smartphone-Displays. „Bei diesem Verfahren dürfen sich die Objekte während der Vermessung durch mehrere Kameras nicht bewegen“, erklärt Hartel. Um die Prüfung durchzuführen, während die Gegenstände auf einem Fließband zum nächsten Produktionsschritt fahren, hat Simon Hartel eine kontextbetrachtende Methode zur Auflösung von Mehrdeutigkeiten entwickelt. Sie ermöglicht es, die Prüfung mit einer Kamera und einer Aufnahme durchzuführen und macht den Produktionsprozess damit effizienter.

Interesse an Elektrotechnik vom Opa abgeschaut

Ein Tüftler – das war der Neumarkter schon immer. Dabei kommt das Interesse an Elektronik beziehungsweise Elektrotechnik nicht von ungefähr. „Man kann durchaus sagen, dass ich das Interesse an der Elektrotechnik in die Wiege gelegt bekommen habe“, verrät der 24-jährige. Schon der Opa, Rudolf Schwabl, hegte eine Begeisterung für die Elektronik, arbeitete als Techniker für Prüfgeräte.

Zum Ausgleich greift Simon Hartel zum Saxofon

Mit ihm teilt Hartel das Interesse für Carrera-Bahnen, ein Hobby, das der Neumarkter sogar professionell in einem Verein betreibt. In einem Regensburger Verein betreibt er sogenannte Slot-Rennen. „Doch momentan sind die Vereinshäuser geschlossen. Wegen Corona.“ Ein anderer Ausgleich zur Wissenschaft ist das Saxofonspiel. Hartel musiziert mit seinem Bariton-Sax in einem Ensemble, gelernt hat er das Spiel beim Neumarkter Musiklehrer Johannes Schmidt.

Das Gymnasium in Mühldorf mit 1,5 abgeschlossen

Hartel hatte das Ruperti-Gymnasium absolviert, mit der Note Eins (1,5 im Abiturzeugnis) abgeschlossen und sich anschließend an der Hochschule in Landshut eingeschrieben, um Elektrotechnik zu studieren. Dem Bachelor folgte der Masterstudiengang. Er belegte den Studiengang optische Messtechnik und arbeitete in Zusammenarbeit mit der Firma Micro-Epsilon am Forschungsprojekt, für das er jetzt ausgezeichnet wird. „Ich war total überrascht über die Auszeichnung, obwohl Professor Faber es natürlich mitgeteilt hat, dass er die Arbeit anmelden würde.“ Ausgezeichnet – das passt übrigens nicht nur zur Forschungsarbeit von Simon Hartel. Der Neumarkter hat mit einer glatten Eins auch die beste Abschlussarbeit in seinem Jahrgang geschrieben.

Mit Hartel werden 32 weitere Universitäts- und Hochschulabgänger geehrt

Mit Hartel kommen heute Abend weitere 32 Akademiker aus dem wissenschaftlichen Bereich in den Genuss dieser Ehrung. „In diesen schwierigen Zeiten merken wir besonders, wie wertvoll, unverzichtbar und unterstützenswert Kultur und Wissenschaft in all ihren Facetten sind. Der Kulturpreis Bayern ist ein Dank an die Menschen, die unsere Gesellschaft mit ihrer Arbeit in Kunst, Kultur und Wissenschaft so reich beschenken“, erklärt Reimund Gotzel, Vorstandsvorsitzender der Bayernwerk AG. Seit mehr als 60 Jahren setzt sich das Bayernwerk für kulturelles und wissenschaftliches Engagement ein und würdigt es mit dem Kulturpreis Bayern. Alle Preisträger erhalten die von dem Schwandorfer Bildhauer Peter Mayer geformte Bronzestatue „Gedankenblitz“ und ein Preisgeld in Höhe von 2000 Euro.

Der Neumarkter will jetzt promovieren

Der Geldsegen freut den Neumarkter natürlich. Doch noch besser ist: Der 24-Jährige darf weiter forschen. Die Firma Micro-Epsilon hat den Neumarkter gleich übernommen, in enger Kooperation mit der Hochschule in Landshut ist er an einem neuen Forschungsprojekt beteiligt, in welchem er promovieren darf. Das macht er wegen der Corona-Pandemie aktuell im Homeoffice. Im Keller hat er sich dafür ein Büro eingerichtet. Worum es genau geht, darf der Akademiker nicht verraten. Nur soviel: „Es bewegt sich auf dem Gebiet der optischen 3-D-Messtechnik!“

Die Preisverleihung am Donnerstag. 12. November, um 19 Uhr findet erstmals in einem digitalen Format statt. Aus einem Studio wird diese per Livestream übertragen unter live dazu.

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