Neumarkter hängen an ihren Bäumen: Stadtplatzgestaltung geht in die entscheidende Runde

So sieht sie aus, die Minimallösung,die dem Stadtrat bei der Sondersitzung vorgestellt worden ist. Neben den bereits geplanten Arealen, wo Baumgruppen zum Verweilen einladen, hat die Planerin Christina Lehner lediglich drei weitere Standorte für Baumpflanzungen vorgestellt – vor der Stadtapotheke (1), am Gasthof „Zur Post“ (2) und vor Simseks Dönerladen (3). Den Stadträten war das zu wenig, sie forderten eine Überplanung, die am Mittwoch im Bauausschuss vorgestellt werden soll.
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So sieht sie aus, die Minimallösung,die dem Stadtrat bei der Sondersitzung vorgestellt worden ist. Neben den bereits geplanten Arealen, wo Baumgruppen zum Verweilen einladen, hat die Planerin Christina Lehner lediglich drei weitere Standorte für Baumpflanzungen vorgestellt – vor der Stadtapotheke (1), am Gasthof „Zur Post“ (2) und vor Simseks Dönerladen (3). Den Stadträten war das zu wenig, sie forderten eine Überplanung, die am Mittwoch im Bauausschuss vorgestellt werden soll.

Welche weiteren Standorte sind denkbar? Gespräch mit Terrassenbetreibern soll Klarheit bringen, bevor der Bau- und Umweltausschuss in seiner Sitzung am Mittwoch, 4. Dezember, entscheidet. Doch was sagen die Neumarkter selbst dazu?

Neumarkt-St. Veit – Links ein Baum, rechts ein Baum, in der Mitte Zwischenraum: In der Tat bleibt nicht mehr allzu viel Grün übrig, wenn die Stadtplatzsanierung nach den bisherigen Plänen umgesetzt werden sollte. Schon in der Sondersitzung des Neumarkt-St. Veiter Stadtrates vor zwei Wochenhatten Mandatsträger unterschiedlicher Fraktionen ihren Unmut darüber geäußert, dass zu viele Bäume einem Kahlschlag zum Opfer fallen würden.

In der Beschlussfassung war dann vereinbart worden, dass die Planerin Christina Lehner Nachbesserungen vornehmen sollte. Konkret bedeutet das: Standorte finden, wo die Pflanzung weitere Bäume möglich wäre. Nächsten Mittwoch, 4. Dezember, erörtert nun der Bau- und Umweltausschuss der Stadt Neumarkt-St. Veit die Modifizierungen.

Im Dialog mit den Terrassenbesitzern

Grundlage für diese Überarbeitung der Planungen werden auch die Gespräche mit Anliegern sein, etwa mit den Besitzern von Gastterrassen auf dem Neumarkt-St. Veiter Stadtplatz. In Vertretung des Bürgermeister Erwin Baumgartner hatte sich dessen Stellvertreter Michael Asbeck und Natascha Engelmann aus dem Bauamt in den vergangenen Tagen auf den Weg gemacht, um Lösungsmöglichkeiten vor Ort zu erörtern.

Wie dazu Asbeck erklärt, gehe es konkret um die Terrassen vor dem Vitusstüberl, vor dem Gasthof „Zur Post“, vor der Eisdiele von Fabrizio Chinarello und vor Simseks Dönerladen, wo möglicherweise noch Bäume gepflanzt werden könnten. „Völlig ergebnisoffene Gespräche“, fügt der zweite Bürgermeister hinzu.

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Nicht nur bei diesen Gesprächen spiele es eine Rolle, inwieweit Bäume erhalten werden können. Es mache nach Ansicht Asbecks keinen Sinn, kleine, offenbar erkrankte Linden, die Asbeck auch als „Verreckerlinge“ bezeichnet, zu erhalten. „Die sind nix, und werden auch nix mehr!“ Das müsse man dann auch eingestehen. Der groß gewachsene Baum am Gasthof „Zur Post“, könne möglicherweise erhalten bleiben.

Nicht nur bei den Bäumen – auch bei der Diskussion um das Leitsystem für sehbehinderte Menschen war man sich bei der Sondersitzung nicht einig geworden. Planerin Lehner selbst war es, die vorgeschlagen hatte, eine Entscheidung diesbezüglich zurückzustellen, solange keine Einschätzung der Fachgremien vorliege.

Kompromiss beim Leitsystem gefunden?

Auf der Musterfläche vor dem ehemaligen Neumarkter Rathaus waren zwei Varianten angelegt worden. Eine Leitlinie, die durch einen Oberflächenunterschied zwischen ebenem Material (Platten) und rauem Material (Segmentbogen) tastbar ist. Und eine Leitlinie, die durch Rillensteine aus Natursteinmaterial tastbar ist.

In Gesprächen mit den Betroffenen hatte sich dann herausgestellt, dass man sich Rillensteine auf der gesamten Länge des Stadtplatzes eigentlich sparen könne. Der Oberflächenunterschied alleine würde reichen, damit die Leitlinie spürbar ist, hieß es dazu in der Sondersitzung Mitte November.

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Im Gesamtbild hatten sich die Betroffenen eine höhere Kontrastwirkung gewünscht, wobei der Bayerische Blinden- und Sehbehindertenbund dieser Kontrastwirkung eine weniger hohe Bedeutung beigemessen hatte. Und das Landesamt für Denkmalpflege hatte sich hinsichtlich des Leitsystems für eine gestalterisch möglichst verträgliche Einbindung in den Stadtboden ausgesprochen.

Viele Meinungen, für die eine Kompromisslösung gefunden werden sollte. Die Entscheidung für das taktile System wird nun ebenfalls im Bauausschuss fallen. Was ebenfalls mit der Stadtplatzneugestaltung zu tun hat und zu erörtern ist: Die Vorstellung der Elektroplanung und das rgebnis der hydrodynamischen Nachberechnung des Kanalsystem Stadtplatz.

Eine neue Brücke für Hofthambach

Thema der Sitzung sind auch Baupläne – unter anderem der Neubau eines Regenrückhaltebeckens in der Weiherstraße. Und auch der Antrag auf Vorbescheid zum Neubau von zehn Wohneinheiten und Carports an der Von-Taxis-Straße steht erneut auf der Tagesordnung. Der Ausschuss will einen Billigungs- und Auslegungsbeschluss zur Außenbereichssatzung „Rott“fällen und einen Aufstellungsbeschluss zum Bebauungs- und Grünordnungsplan „Adlsteiner Straße“.

Für die neue Brücke in Hofthambach wird die Entwurfsplanung vorgestellt, ein Maßnahmenbeschluss ist zum Bau eines Mobilfunkmastens nötig und auch zur Sanierung der kleinen Sporthalle. Die Sitzung beginnt um 18.30 Uhr.

Ihr Rat für den Bauausschuss? Die OVB-Heimatzeitung hat die Neumarkter vor Ort befragt:

Stephan Liebl, 39, Geschäftsmann: „Also grün muss es sein. Viel Grün. Das ist so wichtig für das Mikroklima hier am Stadtplatz. Jeder Baum wirft Schatten. Schatten kühlt und bringt somit Zirkulation in nur aufsteigende Luft im Sommer. Die kaputten Bäume gehören auf jeden Fall weg. Gut sind halt Bäume mit großen Kronen, die viel Schatten spenden.“

Fanny Baumgartner, 81, Geschäftsfrau: „Wenn wir im Sommer Besuch kriegen, und die sehen von hier oben den Stadtplatz, dann findet jeder dieses Bild wunderschön. Ende der 70-er wurden diese Bäume gepflanzt, jetzt, wo sie zusammengewachsen sind, sollen sie raus. Wenn neu bepflanzt wird, dann wieder der Straße entlang und nicht in Blöcken oder Gruppen.“

Ralph Pfaffenhuber, 51, Augenoptikermeister: „Da ich nur Mieter am Stadtplatz bin, sage ich, dass mir jede Begrünung recht ist. Sie sollte natürlich nicht ausufern, aber Schattenspender sind in diesem Raum sehr notwendig. Zweckmäßig wäre es auch, wenn in ihrem Schatten Ruhebänke zu Rast einladen. Da ist es egal, ob sie in Gruppen stehen oder an der Straße entlang.“

Rüdiger Kraft, 57, Rentner: „Eigentlich ist der Baumbestand, so wie er jetzt ist, doch sehr gut. Bisher waren fast alle Bäume grün, man bräuchte sie nur zu pflegen. So, wie sie an der Straße angeordnet sind, schaut es doch gut aus. Und es hat meiner Meinung auch keinen Allee-Charakter, denn es ist ein Wechsel zwischen Lampen und Bäumen.“

Elisabeth Schulz, 70, Hausfrau: „Also mir ist ganz wichtig, dass endlich angefangen wird. Die reden schon so lange. Der jetzige Baumbestand hat mir sehr gefallen. Warum tut man diese Bäume überhaupt raus? Wenn die Blätter am Baum sind, dann sind doch alle Bäume noch schön. Das Ambiente hier mit den Lampen und Bäumen ist doch wirklich schön!

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