Startschwierigkeiten

Neumarkter Fußball-Pioniere: Vor 100 Jahren noch auf Dauersuche nach einem Fußballplatz

Die Jugendmannschaft Neumarkt um 1937, stehend von links: Michael Eichner, Sepp Gebhard, Hans Seifried, Georg Kobler, Heiner Schmidt, Andreas Ißmaier, Rudi Nagl und Toni Schmidl. Sitzend von links: Franz Gruber, Toni Bertler und Toni Niedermeier.
+
Die Jugendmannschaft Neumarkt um 1937, stehend von links: Michael Eichner, Sepp Gebhard, Hans Seifried, Georg Kobler, Heiner Schmidt, Andreas Ißmaier, Rudi Nagl und Toni Schmidl. Sitzend von links: Franz Gruber, Toni Bertler und Toni Niedermeier.

Seit Oktober 1920 rollte auch in Neumarkt an der Rott das Runde, das ins Eckige muss. Wenn nur das Problem mit den fehlenden Trainingsplätzen nicht gewesen wäre.

Von Walter Jani

Neumarkt-St. Veit – Seit dem 17. Oktober 1920 rollt in Neumarkt an der Rott das runde Leder. Innerhalb des Turnvereins hatten die Fußballer eine eigene Abteilung mit eigener Kassenführung gegründet. Gespielt wurde durch die gesamte Winterzeit auf einem provisorischen Platz an der heutigen Einmayrstraße.

Anbaufähige Strecken waren wichtiger

Die Suche nach einem geeigneten Fußballplatz für die Neumarkter Kicker wird über viele Jahre zum Dauerthema und bedroht sogar den Fortbestand der Abteilung. Verschiedene Wiesen an der Hörberinger Straße stehen immer nur für ein paar Wochen zur Verfügung. Redakteur Hermann Döring schreibt dazu im Neumarkter Anzeiger am 24. August 1921: „Wo bleibt das Fußballspiel?“

Tag für Tag wurde mit dem runden Leder „geübt“

Er berichtet zunächst von einer regelrechten Begeisterung: „Tag für Tag übten die jungen Leute Fußball und es wäre des guten fast etwas zu viel geworden, denn die Bälle flogen oft über Berg und Zaun, an Plätze, wo sie nicht übermäßig gern gesehen wurden. Jetzt ist es auf einmal still; über allen Wipfeln ist Ruh!“ Die Platzfrage habe den Sport zum Stillstand gebracht. Die Verhältnisse hätten es nicht geduldet, „dass anbaufähige Strecken der Kultur für solche Zwecke entzogen werden. Man muss sich mit der Zukunft trösten.“

Mehr zu diesem Thema:

1988 tritt eine Rathausmannschaft zum sportlichen Vergleich an

Aufkeimende Inflation stellt auch die Fußballer vor Probleme

Dieser Aufruf verhallte nicht ungehört. Mit dem Schlossbrauereibesitzer Otto Hertrich von St. Veit meldete sich ein Gönner dieses Sports und stellte ab dem Spätsommer 1921 eine Wiese hinter der Reißl’schen Dampfsäge (heute Hörberingerstraße 30) als Spielplatz zur Verfügung. Zur Jahreswende 1921/22 blickten die Neumarkter Fußballer noch optimistisch in die Zukunft, aber die aufkeimende Inflation und der damit verbundene wirtschaftliche Niedergang innerhalb Deutschlands zeichnet sich bereits ab. Man hatte andere Sorgen als Fußballspielen.

Hoffnung keimt auf – bis zur Inflation

Der gesamte Verein gerät in den folgenden Jahren in Schwierigkeiten und war knapp vor der Auflösung. Erst im Laufe des Jahres 1930 bahnt sich für den Turnverein in Bezug auf eine eigene Turnhalle und eines eigenen Sportplatzes eine wesentliche Verbesserung an. Der ehemalige Fruhmannkeller an der heutigen Einmayrstraße 9 wird mithilfe der Gemeinde zu einer Turnhalle umgestaltet, die bis 1962 genutzt wurde. Nach deren Eröffnungsfeier am 21. September 1930 kommen auch die Verhandlungen über einen festen Vereinssportplatz an der Mitte der 20er Jahre neu gebauten Birkenstraße voran.

Gutsbesitzerwitwe als Gönnerin der Fußballer

Die St. Veiter Gutsbesitzerwitwe Maria Hertrich hat 1930 dem Turnverein ein beträchtliches Wiesengrundstück kostenlos überlassen. Die Hoffnung, nach zehn Jahren endlich einen festen Fußballplatz zu erhalten, nehmen die Neumarkter Fußballbegeisterten zum Anlass und gründen zum 12. Oktober 1930 erneut eine Fußballabteilung innerhalb des Turnvereins. Auch Redakteur Döring ist begeistert und schreibt am 16. September 1931 im Neumarkter Anzeiger: „An der neuen Birkenstraße wird gegenwärtig in den Wiesen nahe der Ortschaft Bubing ein Netz von Drainierungsvorrichtungen angelegt.“

Lesen Sie dazu auch:

Wie die neue Fußballanlage in Neumarkt-St. Veit auch dem TSV hilft

Turn- und Sportplatz auf einem Terrain von zweieinhalb Tagwerk

Die Marktgemeinde hatte dort laut Döring unter der Leitung des Bürgermeister ein Terrain von zweieinhalb Tagwerk zusammengefasst, um einen neuen, geräumigen Turn- und Sportplatz einzurichten, nachdem sich der zu diesen Zwecken bisher benützte Platz bei dem vormaligen Fruhmannkeller sich als zu klein und unzulänglich erwiesen hatte.

„Rottflüßchen“ wurde reguliert

Infolge der Schenkung eines beträchtlichen Teiles ihrer Rottwiesen seitens der Witwe des Schlossgutsbesitzers Hertrich, ferner durch Tausch anderer Gründe unter Bürgermeister Peter Hans mit gemeindegrundeigenen Plätzen, hatte sich die Möglichkeit ergeben, an dem Platze ein so umfangreiches Terrain für Sportzwecke nutzbar zu machen, schreibt Döring.

Plötzlich hatten die Fußballer einen idealen Standort

„Das Rottflüßchen ist durch die Regulierung in seinem Bett erheblich gesenkt worden, damit auch das Grundwasser des Geländes abläuft. Die Wiese wird, wie erwähnt, weiters durch die Drainage trocken, und somit ergibt sich für die Sportplätze ein derart idealer Standpunkt, wie man ihn sich schöner nicht zu denken vermag“, würdigt Döring die Platzwahl. Am Sonntag, 11. Oktober 1931 wurde der neue Sportplatz an der Birkenstraße eingeweiht.

Kommentare