WELTTAG DES BUCHES

Neumarkter Buchprofis geben Lese-Tipps: Die Ostwind-Reihe ist sehr gefragt – und Alpenkrimis

Bei Kindern hoch im Kurs: Die Ostwind-Reihe. Alle vorhandenen Bände wechseln regelmäßig den Leser. Man muss sich auf eine Warteliste setzen lassen, um die Bücher zu lesen, sagt Christa Schober (Bildmitte).
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Bei Kindern hoch im Kurs: Die Ostwind-Reihe. Alle vorhandenen Bände wechseln regelmäßig den Leser. Man muss sich auf eine Warteliste setzen lassen, um die Bücher zu lesen, sagt Christa Schober (Bildmitte).
  • Josef Enzinger
    vonJosef Enzinger
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Das Lesen hat auch in der Corona-Pandemie nicht an Zugkraft verloren: 17000 Medien stehen im Herzoglichen Kasten von Neumarkt-St Veit zur Verfügung. 2020 gab es corona-bedingt nur 38000 Ausleihungen.

Neumarkt-St. Veit – „Kingsbridge“ ist  ein über 1000 Seiten dicker Roman von Ken Follett, auf den sich Rosa Bichlmaier schon lange gefreut hat. Jetzt endlich liegt er im Briefkasten. Die Verwaltungsangestellte in der Verwaltungsgemeinschaft Rohrbach liest mit Begeisterung Mittelalterromane. Fortsetzungsromane von Ken Follett stehen ganz oben auf ihrer persönlichen Bestsellerliste, sagt die 63-Jährige anlässlich des Welttag des Buches, der alljährlich am 23. April begangen wird.

1000 Seiten in knapp einer Woche

„Wenn ich Zeit habe, dann brauche ich für 1000 Seiten eine knappe Woche“, verrät die Niedertaufkirchenerin, die schon als Kind Karl-May-Romane verschlungen hat. Aktuell sei sie jedoch froh, wenn sie abends 40 bis 50 Seiten schafft. Homeschooling fordert auch sie – als Großmutter blickt sie ihren Enkeln über die Schulter.

Wenn sie sich einem Buch widmet, dann soll es griffig sein, kein E-Book-Reader, auf dem sich zahlreiche Werke digital abspeichern lassen. „Ich möchte das echte Buch in den Händen halten“, sagt Bichlmaier.

Auswahl von 17 000 Medien in Neumarkt

Ein echtes Buch in den Händen zu halten – dafür bietet die Stadtbücherei von Neumarkt-St. Veit ein breites Spektrum an. Über 17 000 Medien stehen im Herzoglichen Kasten zur Verfügung. Glücklich sind die Büchereidamen darüber, dass sie mittlerweile trotz der hohen Corona-Inzidenzwerte wieder öffnen dürfen. „Und die Leser nehmen das dankbar an“, freut sich Bücherei-Ikone Irmi Eigl, die seit 40 Jahren die Versorgung der Neumarkter mit Lesestoff koordiniert.

Im Keller des Pfarrheims hat alles begonnen

Angefangen hat sie damals mit 4000 Büchern, im Keller des Pfarrheimes. In den späten 80er-Jahren folgte dann der Umzug in den frisch sanierten Herzoglichen Kasten, wo sich auf mehreren Etagen ganz andere Möglichkeiten ergeben haben. Sie verhehlt nicht: Die coronabedingten Schließungen im vergangenen Jahr hätten sich spürbar auf die Ausleihen ausgewirkt. 2019 waren 46 500 Buchungen zu verzeichnen gewesen, im vergangenen Jahr seien es lediglich 38 000 gewesen, berichtet die 74-Jährige.

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Alpenkrimis stehen hoch im Kurs

Es lässt sich ablesen, wo die Schwerpunkte in der Gunst der Leserschaft liegen: „Es sind die Alpenkrimis“, sagt Eigl, erwähnt im gleichen Atemzug den Roman „Böse Häuser“ von Nicola Förg, der gerade hoch im Kurs steht. Warum ausgerechnet Alpenkrimis? „Es liegt wohl daran, dass diese Geschichten greifbarer sind, weil sie in unserer Gegend verortet sind“, erklärt Eigl. Sie beruft sich dabei auch auf Erfahrungswerte aus den Kluftinger- und Eberhofer-Romanen.

Immer noch mit der Bücherei eng verbunden

Eigl befindet sich zwar seit fast zehn Jahren im Ruhestand. Doch ihre enge Verbindung zur Stadtbücherei hat sie nie abreißen lassen. Aktuell hat sie 60 neu eingetroffene Bücher eingebunden. Sie erzählt in diesem Zusammenhang, dass man natürlich auch wissenschaftlichen Lesestoff aufgenommen habe, der speziell das Thema Corona aufgreift. Die Nachfrage hielte sich aber in Grenzen. „Die Leute wollen Ablenkung, leichte Kost.“

Agentenromane sind es bei Kindern

Dass es auch die Kinder und Jugendlichen nicht unbedingt mit der Wissenschaft haben, kann Büchereimitarbeiterin Christa Schober bestätigen. Ein Bildband über den Wissenschaft Alexander von Humboldts, kindgerecht aufbereitet, fristet sein Dasein auf dem Regal-Boden. „Das wird nicht nachgefragt“, sagt Schober. Voll im Trend liegen aber nach wie vor Agentenromane. Die Alex-Rider-Reihe von Anthony Horowitz zum Beispiel, „Agent Impossible“ von Andrew Lane. Oder „Spy – Highspeed London“ von Arno Strobel seien derzeit begehrt.

Muss im September nicht umgeschrieben werden: „Die andere Biographie“ über Markus Söder bleibt im aktuellen Bestand im Herzoglichen Kasten.

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Pferderomane ziehen immer

Jüngere Leseratten und Pferdefreunde haben ihren Fokus auf die Ostwind-Reihe gerichtet. Alle vorhandenen Bände wechseln regelmäßig den Leser. Man muss sich auf eine Warteliste setzen lassen, um die Bücher aus der Feder von Carola Wimmer lesen zu dürfen.

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Irmi Eigl seit 40 Jahren im Büchereiteam

Mädchen ab dem Teenager-Alter seien von Vampir-Geschichten rund um das ungleiche Liebespaar Bella und Edward angetan. „Percy Jackson“ – eine Fantasy-Buchreihe des US-amerikanischen Autors Rick Riordan, die griechische Heldensagen auf die Neuzeit überträgt – begeistern Mädchen wie Jungs.

Lesen, Lesen Lesen – um auch weiterhin Buchempfehlungen zu geben

Ein simples System, das Irmi Eigl eingeführt hat: Auf der letzten Seite jedes Buches kann der Leser eine Beurteilung abgeben.

Auch Eigl liest fleißig – man will schließlich mit Buchempfehlungen den Lesern zur Seite stehen. Aktuell ist es „Mist – die versteht mich ja“, eine Erzählung einer Nigerianerin, die in Buxtehude aufgewachsen ist. Thematisch werden darin auch Diskriminierung und Rassismus aufgegriffen. „Ein Thema, das an Aktualität nie verliert.“

Lesekreis beschäftigt sich mit aktuellem Thema

Ebenso aktuell: Die Rechte des Menschen. Seit Jahrzehnten gibt es in Neumarkt-St. Veit einen Lesekreis, den die ehemalige Büchereileiterin Imri Eigl mitgegründet hat. Regelmäßig tauscht sich ein fester Personenkreis aus, und das schon seit mehr als 20 Jahren. Seit 1998 liest man Romane, die in der Regel auch in den Bestsellerlisten auftauchen, um dann darüber zu diskutieren. Wegen der Corona-Pandemie finden die Treffen zwar nicht statt.

Interesse an Ferdinand von Schirach

Gelesen wird trotzdem. Aktuell ist es ein Buch von Ferdinand von Schirach mit dem Titel „Jeder Mensch“ (32 Seiten). Es beschäftigt sich mit neuen Menschenrechten. Es geht um Globalisierung, Digitalisierung, künstliche Intelligenz und Klimawandel. Es Und geht um Gefahren, denen die Menschheit ausgesetzt ist, die aber vor 200 Jahren zur Zeit der Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte in Frankreich noch nicht vorstellbar waren.

Bücherei hat weiterhin geöffnet – aber eingeschränkt

Die Bücherei in Neumarkt-St. Veit hat auch in Corona-Zeiten geöffnet, wenn auch eingeschränkt. Dienstags kommt man von 12 bis 14 Uhr in die Bücherei, Mittwoch bis Freitag von 14 bis 16 Uhr und samstags von 9 bis 10 Uhr.

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