Aus dem Bau- und Umweltausschuss

Neumarkt-St.Veit: Umnutzung des Hörberinger Bahnhofs ist schwierig - „gibt kein Wasser über WLAN“

Das Foto von 1957 zeugt noch von besseren Zeiten der alten Gemeinde Hörbering, die bis 1972 eigenständig war. Am Bahnsteig warteten wichtige Gemeindebürger auf den Zug. Von links: Gemeindekassier Theres Binderberger, Bürgermeister Franz-Xaver Winterer, Gemeindeschreiber Georg Egglseder, Pfarrer Johann Popfinger, Hedwig Lang und das Stationsvorstands-Ehepaar Franziska und Josef Klinger.
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Das Foto von 1957 zeugt noch von besseren Zeiten der alten Gemeinde Hörbering, die bis 1972 eigenständig war. Am Bahnsteig warteten wichtige Gemeindebürger auf den Zug. Von links: Gemeindekassier Theres Binderberger, Bürgermeister Franz-Xaver Winterer, Gemeindeschreiber Georg Egglseder, Pfarrer Johann Popfinger, Hedwig Lang und das Stationsvorstands-Ehepaar Franziska und Josef Klinger.
  • Josef Enzinger
    vonJosef Enzinger
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Um es künftig als Wohnhaus zu nutzen, müsste auch der Flächennutzungsplan geändert werden. So entschied der Neumarkter Bau- und Umweltausschuss.

Und von Walter Jani

Neumarkt-St. Veit – Jede Menge Kopfzerbrechen bereitete der Neumarkter Stadtverwaltung ein Antrag auf Nutzungsänderung des Bahnhofes in Hörbering. „Wir haben versucht, das genau zu prüfen. Ich denke aber, dass der Antragsteller den falschen Weg eingeschlagen hat“, eröffnete Bürgermeister Erwin Baumgartner (UWG) die Diskussion zu diesem Tagesordnungspunkt in der Sitzung des Neumarkter Bauausschusses.

Einvernehmen nicht möglich, weil die rechtlichen Grundlagen fehlen

Denn: Das ganze Gebiet ist Eisenbahngelände, „es müsste erst einmal der Flächennutzungsplan geändert werden, um die Nutzungsänderung auf eine rechtliche Basis zu stellen“, erklärte Baumgartner. Immissionsschutz, Sicherheit am Gleis – das spiele alles eine Rolle. Vorher könne man nicht das Einvernehmen erteilen, auch weil die Erschließung nicht gesichert sei. Baumgartner warnte vor einem positiven Beschluss: „Wir senden da sonst ein völlig falsches Signal aus!“

Weder Wasser noch Kanal vorhanden

Das nächste Problem: Das Gebäude ist nicht erschlossen. Es besteht weder ein Anschluss an die öffentliche Wasserversorgung noch an der städtischen Abwasserentsorgung. Ein Brunnen sei zwar vorhanden, der aber entspreche nicht den derzeitigen Anforderungen. Für das Abwasser sei eventuell eine Kleinkläranlage möglich. „Eine Wasserleitung hinzubringen ist da bei Weitem schwieriger. Wir können das Wasser ja nicht über WLAN schicken“, so Baumgartner. Die Anschlüsse an die öffentliche Wasserver- und Abwasserentsorgung hätte der Bauherr selbst zu tragen. Baumgartner schlug vor, mit einem Verfahren zur Flächennutzungsplanänderung das Vorhaben auf eine solide Basis zu stellen. Auch könne man die Anfrage an das Landratsamt zur Bewertung weiterleiten.

Bahnhof soll versteigert werden

Auf Nachfrage von Monika Eisenreich (UWG) erklärte Baumgartner, dass das Gebäude Eigentum der Bahn sei. Seines Wissens soll das Gebäude derzeit im Rahmen eines Bieterverfahrens, wie es die Deutsche Bahn bei vielen ihrer mittlerweile ungenutzten Objekte praktiziert, an den Mann gebracht werden. Was ihn dabei irritiere: „Die Bahn hätte vorher eruieren müssen, ob eine Nutzung als Wohnhaus überhaupt möglich ist.“

Hobmeier würde Wiederbelebung gefallen

Stadtrat Wolfgang Hobmeier (CSU) stellte sich grundsätzlich hinter die Wiederbelebung des Backsteingebäudes: „Es wäre doch erstrebenswert, so etwas zu erhalten!“ Das signalisierte auch ein Hörberinger, dem das benachbarte Grundstück gehört und der in der Sitzung anwesend war. Nachdem ihm das Rederecht erteilt worden war, bekundete er sein Interesse, das Gebäude auszubauen. Die nötige Erschließung könne er über seinen Hof in der Nachbarschaft gewährleistet. Er könne sich durchaus vorstellen, das Gebäude als Austragshaus zu nutzen.

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Nicht von Wortmeldung beeinflussen lassen

Baumgartner betonte anschließend, dass der Ausschuss in der Sache zu entscheiden habe, die Ankündigung eines Nachbarn, das Gebäude zu sanieren, dürfe im Beschluss keine Rolle spielen. Mit 0:7 wurde der Antrag auf Vorbescheid dann auch abgelehnt.

Steht seit Jahren leer, die Natur wuchert ungestört. Jetzt soll dem Bahnhofsgebäude in Hörbering aber neues Leben eingehaucht werden.

Die Geschichte der „königlichen Bahnstation“ Hörbering

Im Zuge der Baues der Eisenbahnstrecke Pocking nach Neumarkt an der Rott in den Jahren 1878/79 erhielt die Gemeinde Hörbering eine Haltestelle mit einem dazugehörigen Bahnsteig. Die Haltestelle Hörbering verfügte über einen Warteraum für Fahrgäste und war mit einem Beamten besetzt, bei dem man auch die Fahrkarten erwerben konnte.

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1895 wurde die Güterbeförderung genehmigt

Hörbering kämpfte zu Beginn der 1890er Jahre auch um die Zulassung einer Güterbeförderung, die 1895 auch genehmigt wurde. Die Haltestation Hörbering wurde mit einem Anschluss- beziehungsweise Ladegleis versehen, in dem ein Stationswagen abgestellt und nach der Beladung einem Zug beigestellt werden konnte. Fünf Jahre später wird die Haltestelle zur königlichen Bahnstation 4. Klasse befördert und mit einem Stationsmeister besetzt.

Ab 1912 sogar ein weiblicher Betriebsleiter

Ab dem 1. August 1912 wird die Station sogar mit einem weiblichen Betriebsleiter besetzt, sie sollte nicht die Einzige bleiben. Insgesamt wurden bis 1965 sieben verschiedene Personen als Stationsleiter in Hörbering eingesetzt, die letzte war Christl Martin. Ab diesem Jahr wird der Bahnhof nicht mehr besetzt, Fahrtenkarten mussten im Zug gelöst werden. Die frei gewordene Wohnung für das Bahnpersonal im ersten Stock wird ab 1966 privat vermietet.

Bis 1981 hielten die Züge in Hörbering

Bis 1981 hielten planmäßig nur noch wenige Züge in Hörbering. Das bevorstehende Ende der Station beschrieb am 26. September 1980 der Redakteur Hermann Weilhammer im Neumarkter Anzeiger: „Durchfahrt ohne Halt – Haltestelle Hörbering wird aufgelassen. Die Deutsche Bundesbahn beabsichtigt den Bahnhof Hörbering ab dem Fahrplanwechsel im Mai 1981 als Haltepunkt aufzulassen.“

Auflassung aus wirtschaftlichen Gründen

Für die Auflassung wurden wirtschaftliche Gründe angeführt. So seien in Hörbering während eines längeren Erfassungszeitraumes an den Wochentagen durchschnittlich acht zusteigende Fahrgäste, an den Samstagen zwei und an Sonntagen gar nur ein Fahrgast gezählt worden, berichtete Weilhammer. Nach dem Betriebsende des Bahnhofs Hörbering wird der Bahnsteig zurückgebaut, das Gebäude vermietet. Seit einigen Jahren steht es leer.

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