Nach sechs Monaten Bauzeit

Neue Brücke über altem Gleis: Hofthambacher sind überglücklich über die neue Lösung

100 Tonnen Belastung und viel breiter: Die Hofthambacher atmen auf, dass sie nun keinelangen Umleitungen mehr fahren müssen
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100 Tonnen Belastung und viel breiter: Die Hofthambacher atmen auf, dass sie nun keinelangen Umleitungen mehr fahren müssen
  • Josef Enzinger
    vonJosef Enzinger
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In nur sechs Monaten wurde im Neumarkter Gemeindeteil nicht nur die alte Brücke abgerissen, sondern auch eine neue errichtet. Das ist der Grund, warum sich jetzt vor allem die Landwirte freuen

Hofthambach – Ein halbes Jahr Bauzeit und fast auf den Tag genau termingerecht fertig geworden: Der Neumarkt-St. Veiter Ortsteil Hofthambach hat eine neue Brücke, jetzt wurde das Bauwerk für den Verkehr freigegeben. Symbolisch tat dies Bürgermeister Erwin Baumgartner, indem er als Erster über die Brücke fuhr.

Kein Problem mehr für den Häcksler

Auf eine große Einweihungsfeier oder auf ein besonderes Eröffnungsprozedere hat die Stadt Neumarkt-St. Veit wegen der Corona-Pandemie verzichtet. Die Anwohner ließen es sich dennoch nicht nehmen, dafür zu danken, dass vor allem dem landwirtschaftlichen Schwerverkehr nun eine bei Weitem belastbare Brücke zur Verfügung steht. „Thambach sagt Danke!“, heißt es auf einem Banner, das die Anwohner Josef Haslbeck, Hermann Nützl und Hermann Huber aufgestellt hatten, um auf diese Weise ihre Freude über den Neubau zum Ausdruck zu bringen.

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Alte Brücke wurde bereits 1897 errichtet

„Über die alte Brücke konnte weder ein Häcksler noch ein Mähdrescher fahren, auch wegen der Ausladung. Das ist jetzt uneingeschränkt möglich“, berichtet der Thambacher Landwirt Josef Haslbeck. Hintergrund: Die bisherige Brücke, die 1897 errichtet worden ist, war nicht sehr breit, musste zuletzt aufgrund ihres Alters sogar auf zwölf Tonnen beschränkt werden. „Und so ein Häcksler kann es schon mal auf 16 Tonnen bringen“, zu schwer also, nach Angaben von Josef Haslbeck.

Anekdote zur Tonnagebeschränkung

Zur Tonnagebeschränkung auf der maroden Brücke in Hofthambach gibt es eine Anekdote, an die sich Landwirt Josef Haslbeck schmunzelnd erinnert. Er erzählt von einem Gardefestival, das im Fasching im Gasthaus Zens stattgefunden hatte. Busse aus allen Himmelsrichtungen strömten zum Wirtshaus im Landkreisnorden. Ein Chauffeur muss dann wohl arge Bedenken gehabt haben, als er sich der maroden Brücke mit seinem voll besetzten Bus genähert hatte. Zu groß war seine Sorge, dass die Brücke Bus und wertvolle Fracht tatsächlich trägt. Also ließ er alle Gardemädchen aussteigen, um mit seinem Leergewicht die damals schon marode Brücke nicht über Gebühr zu beanspruchen. Die Mädchen überquerten die Brücke zu Fuß. Ob sie nach erfolgreicher Überquerung wieder in den Bus gestiegen sind oder die letzten 200 Meter zum Wirtshaus dann gleich zu Fuß zurückgelegt haben, ist nicht überliefert.

Neue Brücke hält einer Belastung von 100 Tonnen stand

Aber das sind Probleme von gestern: Die neue Brücke hält nun aber einer Belastung von 100 Tonnen stand. „Nachdem die Situation für den Verkehr, insbesondere den landwirtschaftlichen Verkehr, immer prekärer wurde und nicht mal unser Ruf nach klaren Prognosen über die Zukunft der Bahnstrecke vom Verkehrsministerium erfüllt wurde, haben wir uns zum Neubau entschlossen“, fasst Baumgartner die Vorüberlegungen zum Neubau zusammen.

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Enger Zeitplan, aber engagierte Firmen

Noch bei der Wintersonnwendfeier, kurz vor dem letzten Weihnachtsfest, hätten sich nach Angaben Baumgartners die Hofthambacher skeptisch gezeigt, ob die Stadt eine geeignete Baufirma finden würde, um den doch sehr strammen Zeitplan einhalten zu können. „Aber es ist alles gut gegangen. Wir haben ein hervorragendes Planungsbüro gefunden, die Baufirma war ausgesprochen fleißig und das Wetter hat auch noch mitgespielt“, sagt Baumgartner zu den Bemühungen in den vergangenen Monaten.

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Der Spatenstich war am 25. Mai

Nach dem Spatenstich am 25. Mai waren im Juni die Baumaschinen angerollt, haben die marode Überführung über dem verwaisten Bahngleis abgerissen und in nur sechsmonatiger Bauzeit ein Brückenbauwerk errichtet, das nicht nur breiter, sondern auch belastbarer ist.

„Allen Beteiligten ein herzliches Vergelt’s Gott, insbesondere unserer Bauabteilung im Rathaus, und hier federführend der Abteilungsleiterin Natascha Engelmann, für diese bravouröse Leistung“, würdigt Baumgartner die Arbeit im Rathaus.

„Thambach sagt Danke!“ Nach sechsmonatiger Bauzeit wurde die Brücke jetzt offiziell freigegeben. Bürgermeister Baumgartner überquerte als Erster das Bauwerk.

Anwohner haben viel Geduld mitgebracht

Gleichzeitig spricht er den Hofthambachern Dank für deren Geduld aus. Schließlich hätten sie ein halbes Jahr lang eine Umleitung in Kauf zu nehmen. „Denn die Straße nutzen nicht nur die Landwirte. Für uns ist das auch eine Verbindungsstraße nach Gangkofen, die auch von Autofahrern genutzt wird“, erklärt Landwirt Josef Haslbeck.

809 000 Euro für die neue Brücke

„Der Verkehr kann jetzt sicher und gefahrlos das verwaiste Bahngleis überqueren“, so Baumgartner, der sich dabei aber eine Bemerkung nicht verkneifen kann: „Es fährt kein Zug, auch nicht nach Nirgendwo! Und trotzdem kostet uns das sehr viel Geld.“ Die Auftragssumme für das Bauwerk, das über die seit Oktober 2017 still gelegte Bahnlinie führt, beziffert er auf rund 809 000 Euro, gefördert wird die Maßnahme mit 495 000 Euro.

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