Neumarkt-St. Veiter Einrichtungen bündeln ihre Kräfte in Pflege und Betreuung

Neumarkt-St. Veits Pflegedienste und Tagespflegeeinrichtungen schließen sich zu einem Netzwerk zusammen: Sprecherin Sylvia Wegner erklärt die Vorteile dieser Kooperation.

Neumarkt-St. Veit – „Konkurrenzkämpfe im Pflegesektor sind Käse, denn es ist genug Arbeit da!“, sagt eine, die es wissen muss. Seit 16 Jahren betreibt Sylvia Wegner in Neumarkt-St. Veit selbst einen Pflegedienst. Im September 2018 ist dieser ebenso diesem Netzwerk beigetreten, das Tagespflegeeinrichtungen sowie Alten- und Pflegedienste zukünftig in sich vereint und im Großraum von Neumarkt-St. Veit – bis Egglkofen und Bodenkirchen, aber auch in Einzelfällen bis Mühldorf und Waldkraiburg – tätig ist.

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Netzwerk will Synergien nutzen

Die Idee, die dahinter steckt: Synergieeffekte nutzen, um den Bürgern ein breites Spektrum an Versorgung und Hilfe im Falle einer Pflegebedürftigkeit anzubieten. In diesem Netzwerk, dem neben Wegner auch die örtlichen Pflegedienste Angerer & Bielich, Somitas, das Pflegeheim Stift St. Veit sowie die Tagespflegeeinrichtungen Somitas und die Tagespflege „Vivissimo“ (ehemals Herbstsonne) in Rott angeschlossen haben, gehe es auch darum, die Kräfte zu bündeln. Diese Kräfte will man auch besser, nach den aktuellen Gegebenheiten vor Ort, koordinieren, erzählt Wegner als Sprecherin dieses Netzwerkes. „Das betrifft nicht nur die kurzfristige Absprache unter den Netzwerkmitgliedern, wenn an einer Stelle Engpässe bei der Versorgung von Patienten auftreten“, erzählt Wegner.

„Auch Fahrdienste lassen sich in dieser Kooperation gut koordinieren.“ Sie spricht von den Fahrten der Pflegedienste zur Tagespflege, wo Senioren während des Tages ihre Freizeit verbringen, um danach auch wieder zurück in ihr Zuhause gebracht zu werden, „wo dann wiederum die Pflegedienste ihre Arbeit fortsetzen“.

Schwerpunkt liegt auf Fortbildung vor Ort

Der Schwerpunkt schlechthin ist ein gemeinsames Fortbildungsprogramm vor Ort, das die Einrichtungen zusammen entwickelt haben. „Vorher war es so, dass die Mitarbeiter dafür Schulungen in anderen Orten zu besuchen hatten. Jetzt holen wir uns die Referenten nach Neumarkt-St. Veit!“ Der Vorteil: Lange Fahrten fallen jetzt weg.

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Die Mitarbeiter, Wegner spricht von 80 bis 100 im Pflegebereich, könnten auf kurzem Wege geschult und ausgebildet werden. Und sie erhalten dabei Unterstützung von einer anderen Pflegeeinrichtung in der Stadt, dem Ehrko-Wohnheim. Das nimmt zwar als geschlossene Einrichtungen selbst keine Pflegeleistungen des Netzwerkes in Anspruch. Doch Ehrko stellt für die Fortbildungen seine Räume zur Verfügung.

Fünf bis sechs eigene Schulungen pro Jahr

Das Konzept geht auf: Fünf bis sechs solcher Schulungen pro Jahr seien mittlerweile geplant, drei waren es schon in diesem Jahr, im Oktober und November folgen zwei weitere. „Fortbildungen, die uns auch von der Arbeitsgemeinschaft Pflegekassen vorgeschrieben werden, damit wir unsere Zulassungen zu behalten.“ Wichtige Seminare auch deswegen, um dem aufkeimenden Fachkräftemangel mit Weiterbildung entgegen zu treten, schließlich soll diese Kompetenz auch entsprechend gerecht entlohnt werden. „Denn eines ist inzwischen auch klar: Die Patienten, die zu Hause versorgt werden wollen, werden immer mehr. Noch gibt es keinen Notstand von Pflegekräften. Aber der wird sicher noch kommen!“

Auch auf Spezialisierung kommt es an

Wenn Wegner über das Netzwerken spricht, dann mittlerweile, nach einem Jahr Erfahrung, auch von Spezialisierung. Pflegedienste könnten sich so die Expertenstandards aufteilen. Demenz als Betätigungsfeld unterscheidet sich von Patienten, die etwa nach einem Sturz zu versorgen sind. Wichtig sei der Austausch von Informationen, aber auch die Kooperation bei bürokratischen Anliegen.

Die Gefahr, dass die einzelnen Unternehmen zu einem großen Ganzen fusionieren könnten, sieht Wegner nicht. Man ziehe an einem Strang, um den Patienten bestmöglich zu versorgen. „Dabei wollen wir eigenständig bleiben. Für Konkurrenz-Denken ist hier ohnehin kein Platz!“ Wieso? „Weil es Menschen geht“, begründet Wegner.

Der empathievolle und wertschätzende Umgang mit Patienten – für Wegner macht das 80 Prozent der Tätigkeit eines Pflegers aus. „Dann ist man als Angehöriger auch eher zur Zuzahlung bereit. Denn eines ist leider auch klar: Auch eine Pflegeversicherung bleibt immer Teilkasko!“

Vorstellung am Mantelsonntag

Nach Einschätzung Wegners ist das Thema Pflege noch nicht bei allen Leuten angekommen. „Man will sich nicht mit diesem Thema beschäftigen. Es ist tabu. Bis man selbst davon betroffen ist!“ Öffentlichkeitsarbeit sei deswegen um so wichtiger. Etwa am Neumarkt-St. Veiter Mantelsonntag, 20. Oktober, wenn sich Vertreter der am Netzwerk beteiligten Dienste und Einrichtungen im Neumarkter Pfarrheim treffen, um ab 13 Uhr bei Kaffee und Kuchen das Spektrum ihrer Dienste der Öffentlichkeit vorzustellen.

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