Die Neumarkt-St. Veiter Bürger sollen sich einmischen: Große oder kleine Maßnahme?

Sie wollen ein repräsentatives Umfrageergebnis:Eva und Christian Guse fragen die Bevölkerung, ob sie eine kleine oder eine großen Maßnahme der Stadtplatzgestaltung wünschen. Bis Ende Dezember können Bürger in Neumarkter Geschäften abstimmen. Jaensch

Und wieder stellt sich die Frage nach Durchfahrbarkeit, Bäume, Zebrastreifen: Christian und Eva Guse wollen mit einer Umfrage zur Stadtplatzsanierung viele Bürgermeinungen einholen. Die Listen liegen bis Ende Dezember in den Neumarkt-St. Veiter Geschäften auf.

Neumarkt-St. Veit – der Maßnahmenbeschluss ist gefällt – der Startschuss für die Stadtplatzsanierung? Von wegen. Christian und Eva Guse, Beschäftigte in der Johannes-Apotheke auf dem Neumarkter Stadtplatz, geben sich mit dem Urteil des Stadtrates nicht zufrieden. „Eine häufige Meinung, die wir von Menschen hören, ist, dass doch eh schon alles entschieden und die Meinung der Bürger nicht gefragt ist. Und das wollen wir ändern!“, begründet Christian Guse die Umfrage, die er mit seiner Frau Eva nun gestartet hat.

Bürger muss nur ankreuzen

Konkret geht es um die Frage, ob die Neumarkt-St. Veiter Bürger im Zuge der Stadtplatzsanierung eine große oder kleine Maßnahme befürworten würden. Folgende Argumente stellt Guse auf dem großflächigen Aushang im Schaufenster seines Schwagers Ulrich Geltingers gegenüber: Bei der „kleinen Maßnahme“ sollte in Sachen Gehwegbreite bis auf kleinere Anpassungen alles wie bisher erhalten bleiben. Rote Klinker aus regionaler Herstellung sollten für die Pflasterung bei der kleinen Lösung zum Zuge kommen: „Nur der Gehbereich, nicht der ganze Johannesplatz“, heißt es dazu. An den Parkplätzen sollte die Durchfahrbarkeit erhalten bleiben. Straßenbegleitend würde der Erhalt gesunder Bäume beziehungsweise Ersatzpflanzungen, wenn nötig, befürwortet. Grundsätzlich würde die kleine Lösung den Erhalt des Grundcharakters des Stadtplatzes bevorzugen – ohne Brunnenversetzung, aber mit dem Erhalt des Zebrastreifens. Es gebe „wahrscheinlich“ Zuschüsse.

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Dem stellt Guse die „große Maßnahme“ gegenüber mit einem sieben Meter breiten Gehweg, großflächigen Granitplatten in gelbgrau, auch über den kompletten Johannesplatz. Bei den Parkplätzen – angelegt im Fischgrät-Muster – würde die Durchfahrbarkeit wegfallen. Die Bäume in „Ruheoasen“ wären bei der Großlösung nicht straßenbegleitend und auch die Erhaltung gesunder Bäume proklamierte Guse als „nicht gesichert“. Die große Lösung beinhalte die Versetzung des unteren Brunnens, außerdem neue Leuchtanlagen, insgesamt seien die Kosten deutlich höher. Die Zuschüsse relativierte er, zumal auch der Mehraufwand deutlich höher sei.

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Was will Guse mit dieser Umfrage bezwecken, nachdem die Stadt schon seit vielen Monaten das Thema diskutiert und in den offenen Dialog mit den Bürgern getreten ist? „Uns interessiert, wie die Menschen wirklich denken!“, erklärt Guse. Öffentliche Versammlungen hätten zwar stattgefunden, aber daran hätte nur ein Teil der Bevölkerung teilgenommen. Die Umfrage der Stadt bezeichnet Guse als „nicht neutral“. So sei die Möglichkeit zum Erhalt der bisherigen roten Klinkerpflastersteine erst gar nicht abgefragt worden.

Für Guse ist dies aber ein entscheidender Punkt. „Sonst wäre die Forderung danach bei 58 Rückläufen dieser Umfragezettel nicht 30 Mal geäußert worden, obwohl Klinker explizit gar nicht aufgeführt waren!“ In puncto Neutralität hätte er sich ein anderes Vorgehen der Stadt gewünscht, etwa nach dem Beispiel aus Haag. Dort hätte die Bürgermeisterin die gestalterische Aufwertung der Hauptstraße an ein externes, unabhängig Büro vergeben, um den Vorwurf der Befangenheit von Anfang an klar zu entkräften.

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Und auch wenn die Planungen mit dem Maßnahmenbeschluss schon weit gediehen seien: In Simbach bei Landau sei die Planung für eine Marktkernsanierung so gut wie abgeschlossen gewesen – erst dann habe sich eine Bürgerinitiative eingeschaltet.

Umfrage läuft bis Ende Dezember

Man könne nach Ansicht Guses nicht davon ausgehen, dass die Bevölkerung automatisch zufrieden sei, wenn sie sich nicht explizit zur Stadtplatzgestaltung äußere. Ihm gehe es auch nicht darum, Entscheidungen des Stadtrates generell infrage zu stellen. „Ich finde nur, dass man der Bevölkerung Zeit geben sollte, sich zu entscheiden. Deswegen wollen wir zu diesem Thema mit den zwei Lösungsvorschlägen den Leuten bis Ende Dezember Zeit geben, sich zu äußern.“

Er ist fest davon überzeugt, dass dann ein repräsentatives Ergebnis herauskommen kann, zumal die Befragten auch noch ankreuzen können, ob sie aus Neumarkt oder aus dem Umland stammen. Sollten die Neumarkter dem großen Maßnahmenpaket mehrheitlich ablehnend gegenüberstehen, käme die Überlegung einer Bürgerinitiative ins Spiel. „Und selbst wenn der Rücklauf ausbleiben sollte, dann können wir uns nicht vorwerfen, dass wir es nicht versucht hätten!“ Das wäre dann eine demokratische Entscheidung. Und diese würde man dann auch so akzeptieren.

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