Legendäre Wirtin des Steigerbräu

Neumarkt-St.Veit: Das Trager-Reserl wird 80 Jahre alt

Ein Neumarkter Original: Reserl Trager feiert am Donnerstag ihren 80. Geburtstag.
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Ein Neumarkter Original: Reserl Trager feiert am Donnerstag ihren 80. Geburtstag.
  • Karlheinz Jaensch
    vonKarlheinz Jaensch
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Eine Gastwirtin mit großem Herz: Die Neumarkterin war schon als Kind eine Wirtin mit Leib und Seele. In ihrem Wirtshaus wurde auch Politik gemacht, die Donislabende im Fasching gelten als legendär

Neumarkt-St. Veit – „Die Arbeit im elterlichen Gasthausbetrieb war für mich schon von kleinsten Kindesbeinen an selbstverständlich“, erzählt die Tragerwirtin von der Steigerbräu-Gaststätte am Stadtplatz 29 in Neumarkt-St Veit. Sie hat eigentlich ihr ganzes Leben als Wirtin verbracht. In ihrem altbairischen Lokal hat sie den Stil bis zuletzt erhalten. Vor fünf Jahren, quasi mit ihrem 75. Geburtstag, schloss sie ihr Wirtshaus. Jetzt wird das „Trager Reserl“ 80 Jahre alt. Und sie schwelgt wehmütig in Erinnerungen.

Der Schweinbraten war weitum bekannt

Ihr knuspriger Schweinebraten war weitum bekannt. Mit deftigen Brotzeiten und köstlichen Sonntagsbraten lockte sie Gäste von weit herin die Rottstadt. Wer von den Städtern nicht wenigstens einem ihrer Stammtische angehörte, war eigentlich gar kein echter Neumarkter. Da wurde auch Politik gemacht, als das alte Rathaus noch ihr Nachbar war. Aber man konnte sicher sein: Das „Reserl“ selbst war zwar neugierig, aber wohltuend verschwiegen war sie auch.

Aus Roßbacher Bauernfamilien stammten ihre Eltern. Vater Sebastian Trager und Gattin Theresia, geborene Schiller, übernahmen 1938 den Gasthof „Schandlbräu“ am Stadtplatz. Die junge Mutter starb nach der Kaiserschnittgeburt im Neumarkter Krankenhaus. Die kleine Resi lebte deswegen zuerst bei der Schiller-Oma in Albing. Als 1941 der Vater durch Heirat in Zenta Starzner in Massing wieder eine Frau gefunden hatte, kam das Kind zurück nach Neumarkt, wo sie den Kindergarten und später die Schule besuchte. Da eine Landwirtschaft zum Anwesen gehörte, wurde schon dem Schulkind der Wirtshausbetrieb sehr vertraut.

In renommierten Häusern weitergebildet

Es machte ihr schlichtweg Freude, erzählt die 80-Jährige heute, und den Gästen habe ihre offene fröhliche Art gefallen. Gerne hätte sie sich extern weitergebildet. „Ich besuchte die kaufmännische und später auch die hauswirtschaftliche Berufsschule in Mühldorf, aber der Wunsch nach einer externen Ausbildung oder Lehre wurde nicht erfüllt. Erst später konnte ich durch Praktika in renommierten Häusern mein Können in der bayrischen Küche erweitern und festigen“, fasst sie ihre Lehrzeiten zusammen.

Beste Noten bei der Gesellenprüfung

Als sie 19 war, verstarb ihr Vater. Zuerst führte noch die Mutter die Gaststätte. Nach der Heirat mit dem Metzger Günter Kaltenberger übernahm Reserl das Bauernwirtshaus und entwickelte es zu einem bekannten Speisegastronomie-Betrieb. „Nun hatte ich die Gelegenheit zur Fortbildung. Vor der Industrie- und Handelskammer Passau schloss ich die Gesellenprüfung mit besten Noten ab“, erinnert sich die Wirtin stolz.

Zur Schließung des Gasthauses vor fünf Jahren verfasste Gastautor Walter Jani eine Glosse: Vom Gast- zum Bankhaus

„Die Gäste waren meine Familie.“

Der Tragerwirt war einst beliebter Treffpunkt von Stammtischen, sangesfreudigen Menschen und Liebhaber solider bayerischer Küche. Vor fünf Jahren schloss die Traditionsgaststätte. Jetzt beherbergt das Gebäude eine Bank.

Mit Leib und Seele war sie Wirtin. „Die Gäste waren meine Familie.“ Und das spürten diese auch. Leider blieb ihre Ehe kinderlos, und sie scheiterte nach zwei Jahrzehnten. „1982 fand ich in Hans Schütz einen treuen Begleiter“ und eine tatkräftige Hilfe im Gasthaus.

Von Anfang an war die Trager-Resi eine feste Institution im Neumarkt-St. Veiter Fasching. Sie war Faschingsprinzessin, Gardetrainerin und -betreuerin, Zeugwartin, Vorstandsmitglied der Rottalia und mit dem Gruber Franz jahrzehntelang die Stimmungskanone am Faschingsdienstag. Beim Donislbetrieb platzte ihr Lokal zuweilen aus alten Nähten: Denn ihre Leberknödelsuppe oder Weißwürste gehörten zu jedem, der noch damals häufigen Faschingsbälle in der Stadt und Region. Ihre Freude am Singen und an der Musik lebte sie in der Liedertafel aus.

Patenschaften in armen Ländern

Selbst kinderlos geblieben übernahm sie zahlreiche Patenschaften in armen Ländern. Zu zweien ihrer „Kinder“ aus Ecuador wurde die Bindung durch Besuche besonders intensiv. Als ihre Gaststätte am 31. Juli 2015 geschlossen wurde, da litt die halbe Stadt mit der Tragerwirtin mit.

Nun ist das Trager-Reserl“ 80 Jahre alt – manchmal mit schmerzenden Knien und Herzklopfen.

Auch Corona nimmt ihr nicht die Lebensfreude

„Aber ich habe einmalige Erinnerungen an das Leben als Wirtin im Dienst an meinen Gästen und der Bevölkerung meines Heimatortes.“ Corona mag ihr aktuell zwar die Freude an einer großen Geburtstagsfeier mit ihren vielen Freunden verderben. Nicht nehmen lassen will sie sich aber ihren Humor und die Lebensfreude.

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