Neumarkt-St. Veit trauert um Alois Holzner: Er galt als ein Seelsorger durch und durch

Am 9. Juli 2014 feierte Alois Holzner (Bildmitte) sein 50. Priesterjubiläum in Sankt Veit.Hofstätter/Enzinger
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Am 9. Juli 2014 feierte Alois Holzner (Bildmitte) sein 50. Priesterjubiläum in Sankt Veit.Hofstätter/Enzinger
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Freund, Zuhörer, Macher, Ehrenbürger: Weggefährten erinnern sich an einen Mann, der sich quer durch alle Bevölkerungsschichten großer Beleibtheit erfreute. Stimmen zum Tode des ehemaligen Stadtpfarrers von Neumarkt-St. Veit, der im Alter von 83 Jahren verstorben ist

Neumarkt-St. Veit – Große Trauer herrscht im Pfarrverband von Neumarkt-St. Veit über den von Alois Holzner, der im Alter von 83 Jahren verstorben ist. „Mit Alois Holzner verliert Neumarkt-St. Veit eine der größten Persönlichkeiten unserer Geschichte. Ich kenne keinen Bürger unserer Zeit, der so beliebt und bekannt war wie er“, trauert auch Neumarkts Bürgermeister Erwin Baumgartner um den Seelsorger, der von 1973 bis 2008 das Leben in der Rottstadt geprägt hatte.

Neumarkt-St. Veits Ehrenbürger seit 2004

Sein Wirken in und für die Stadt Neumarkt wurde mit der Ernennung zum Ehrenbürger im Jahre 2004 gewürdigt. „Ich persönlich habe ihn als Seelsorger sehr geschätzt, habe seine einfühlenden Worte und Predigten genossen und ihn um seine Ruhe und Menschlichkeit oftmals beneidet. Alleine seine Anwesenheit hat so manche schwere Stunde etwas leichter erscheinen lassen.“ Baumgartner spricht von einem Freund, dessen Rat und Meinung er gerne erfragt habe. „Ich werde ihn sehr vermissen!“

Werner Kitschke: „Wir hätten keinen besseren Pfarrer haben können!“

Als einen „sehr einfühlsamen Menschen, der auf jeden Menschen zugegangen ist“, beschreibt ihn der Pfarrgemeinderatsvorsitzende von St. Veit, Werner Kitschke: „Er war ein Seelsorger durch und durch. Wir hätten keinen besseren Pfarrer haben können!“ Kitschke schätzte nicht nur die menschliche Art Holzners, unter dessen Führung auch der Pfarrverband von Neumarkt-St. Veit gegründet wurde. Der gebürtige Pittenharter hatte sich zeitlebens für Sanierungsmaßnahmen an den Gotteshäusern in seinem Pfarrverband eingesetzt. „Er hat ein gut bestelltes Feld hinterlassen“, würdigt Kitschke Holzners Einsatz.

Zu den besten Zeiten 120 Ministranten

Ein Einsatz, der den Gläubigen jeglichen Alters gegolten hat. CSU-Stadtrat Michael Kulhanek, der Alois Holzner schon als Ministrant erlebt hat, hebt hervor, wie wichtig dem Monsignore die Kinder und Jugendlichen im Pfarrverband gewesen seien. „Sobald er beim Gottesdienst ein Kind erblickt hat, hat er den Inhalt seiner Predigt mit einer Geschichte kindgerecht aufbereitet!“ Er erinnere sich daran, dass man sonntags schon eine Dreiviertelstunde früher in der Kirche gesessen habe, um bei der Verteilung von Fürbitten oder bei kirchlichen Rollenspielen berücksichtigt zu werden. Als ehemaliger Oberministrant erinnert sich Kulhanek daran, dass die Schar der Ministranten zu den besten Zeiten aus 120 Personen bestanden habe.

Der langjährige Kirchenpfleger Lorenz Wastlhuber sagt: „Er war ein richtiger Baufuchs!“

35 Jahre lang hat Lorenz Wastlhuber als Kirchenpfleger an der Seite von Alois Holzner gearbeitet. Er beschreibt ihn nicht nur als sehr tüchtigen, gewissenhaften und fürsorglichen Pfarrer. „Er war ein richtiger Baufuchs!“ Aufgrund seiner guten Kontakte zum Erzbistum und auch zu staatlichen Behörden habe es Holzner immer erreicht, auch das Beste für die Gotteshäuser herauszuholen. Die immer offene und ehrliche Zusammenarbeit habe Wastlhuber geschätzt. Er sei bis zuletzt mit Holzner freundschaftlich verbunden gewesen, regelmäßig habe man telefonischen Kontakt gehabt. Seelsorger eines Formats von Alois Holzner seien selten geworden.

Ehrenbürger Rudi Berghammer: „Für viele war er auch ein Freund!“

„Er war nicht nur ein Pfarrer und Seelsorger, sondern für viele auch ein Freund“, trauert auch Altbürgermeister Rudi Berghammer um den geschätzten Mitbürger. Die Zusammenarbeit mit dem stets aufgeschlossenen Priester „hätte besser nicht sein können“, betont Berghammer, der mit Pfarrer Holzner nicht nur das gleiche Geburtsjahr teilt. Neben Holzner ist auch Berghammer Träger der Ehrenbürgerwürde von Neumarkt-St. Veit.

Anke Sänger, evangelische Pfarrerein: „Ein scharfer Geist, der immer sehr volksnah war!“

„Charmant, hintersinnig und witzig“, so beschreibt die evangelische Pfarrerin Anke Sänger den Verstorbenen. „Ein scharfer Geist, der immer sehr volksnah war und immer den Leuten zugewandt“. Sie sei von der Zugewandtheit Holzners beeindruckt gewesen, „wie gut er die Leute gekannt hat“. Holzner habe viel für die Ökumene getan, betont Sänger. Sie erinnert an einige gemeinsame Feiern, an gemeinsame Trauungen und im Besonderen an die Schulgottesdiensten. Diese beschreibt Sänger als sehr prägnant, „weil es Holzner verstanden hatte, biblische Botschaften kindgerecht runterzubrechen. So, dass man aus den Gottesdiensten viel mit nach Hause nehmen konnte!“

Lesen sie zum Leben und Wirken von Pfarrer Alois Holzner auch:Pfarrer in Reichweite

Ein Monsignore, der als solcher aber nie angesprochen werden wollte

Geboren wurde Alois Holzner am 17. Mai 1937 in Niederham, Gemeinde Pittenhart. Aufgewachsen ist er im landwirtschaftlichen Anwesen. Nach dem Besuch der Volksschule in Pittenhart war er vom 1. September 1949 bis Juni 1958 im Studienseminar in Traunstein und besuchte das dortige Gymnasium bis zum Abitur.

Am 29. Juni 1964 wurde er im Freisinger Dom zum Priester geweiht

Nach dem Eintritt ins Priesterseminar Freising erfolgte das Studium der Philosophie und Theologie auf der Hochschule in Freising. Am 29. Juni 1964 wurde er im Freisinger Dom von Kardinal Julius Döpfner zum Priester geweiht. Seine Primiz feierte er in seiner Heimatpfarrei Pittenhart am 12. Juli 1964. Vom 1. September 1964 bis Ende Juli 1972 war er Kaplan in der Stadtpfarrei St. Nikolaus in Bad Reichenhall und anschließend bis zum 1. Dezember 1973 Kaplan in der Stadtpfarrei St. Nikolaus in Rosenheim. Eben zu diesem Termin erfolgte seine Ernennung zum Pfarrer der Stadtpfarrei Neumarkt-St. Veit. Mit der Gründung des Pfarrverbandes Neumarkt-St. Veit 1988 war er zugleich Pfarradministrator und seit 1999 sogar Leiter.

Von 1979 bis 1987 Dekan für das Dekanat Mühldorf und Mitbegründer der Caritas Sozialstation

Zugleich war er für drei Perioden von 1979 bis 1987 Dekan für das Dekanat Mühldorf und Mitbegründer der Caritas Sozialstation Mühldorf mit ambulantem Pflegedienst und der Aktion Essen auf Rädern sowie geborenes Mitglied beim Hospizverein Mühldorf.

Zu den großen Ereignissen auf Dekanatsebene zählte die jährlichen Dekanatswallfahrten mit der Bundesbahn mit jeweils circa 500 Teilnehmern zu Zielen wie Ottobeuren, Bamberg, Donauwörth, Innsbruck, Eichstätt und Würzburg. Ihm waren die Kontakte zur heranwachsenden Generation, zum Kindergarten, zur Schule, zu den kirchlichen Gruppen, wie Landjugend und Kolping, den Ministranten und Ortsvereinen wichtig.

Seit 1987 war Alois Holzner Monsignore, die Urkunde wurde von Papst Johannes Paull II. ausgestellt

Auch auf die regelmäßigen Besuche der Kranken in den umliegenden Krankenhäusern legte er großen Wert . Mit Urkunde vom 6. Oktober 1987 wurde ihm von Papst Paul II der Titel Monsignore verliehen – mit dem er aber nie angesprochen werden wollte, wie es aus seinem engsten Familienkreis heißt. Mit 1. September 2008 ging er in den Ruhestand. Seinen Alterswohnsitz fand er im Pfarrverband Kirchanschöring, wo er zur Seelsorgsmithilfe angewiesen wurde. Seine ehemalige langjährige Pfarrei und Heimat hat er aber nie vergessen. Am 9. Juli 2014 feierte er sein 50. Priesterjubiläum in St. Veit.

Gedenkgottesdienste werden wegen Corona auf die Gotteshäuser in den Pfarreien verteilt

Das Requiem für Alois Holzner wird am Samstag, 17. Oktober, um 14 Uhr in der Pfarrkirche Neumarkt-St. Veit abgehalten, anschließend findet die Beerdigung im Priestergrab auf dem kirchlichen Friedhof von Neumarkt-St. Veit statt.

Die Beerdigung kann aufgrund der Corona-Beschränkungen nur im Rahmen der geladenen Gäste

stattfinden. Es sollen aber Gedenkgottesdienste zu einem späteren Zeitpunkt in den jeweiligen Pfarreien stattfinden.

Nur ein Fahnenträger pro Verein erlaubt

Fahnenabordnungen der hiesigen Vereine sind bei der Beerdigung möglich. Allerdings dürfen nur eine bestimme Anzahl in der Kirche teilnehmen und dabei jeweils nur der Fahnenträger ohne Begleitperson, wie Bürgermeister Erwin Baumgartner mitteilt.

Zur Organisation müssen sich die Vereine für ihre Fahnen im Rathaus anmelden (Telefon 0 86 39/98 88-16). Ab Donnerstag liegen Kondolenzbücher im Rathaus-Flur und in der Pfarrkirche St. Veit auf.

Alois Holzner – hier mit Weihbischof Dr. Bernhard Haßlberger (links) – hatte hervorragende Kontakt zum Erzbistum. Als Seelsorger genoss er großes Ansehen.

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