Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.


ENTLANG DER NEUNERKREUZE

Neumarkt-St. Veit neu entdecken: Mit Wanderschuhen auf den Spuren der Schlacht von 1809

Fundstück aus einem der früheren Schlachtfelder rund um Neumarkt: Jochen Peters hält eine Gewehrkugel in der Hand.
+
Fundstück aus einem der früheren Schlachtfelder rund um Neumarkt: Jochen Peters hält eine Gewehrkugel in der Hand.
  • Josef Enzinger
    VonJosef Enzinger
    schließen

Man findet sie rund um Neumarkt-St. Veit – die Neunerkreuze, die an die gefallenen Soldaten der Schlacht von 1809 erinnern. Die Neumarkterin Henriette Beck und der Niedertaufkirchener Jochen Peters haben sich auf Spurensuche begeben und Wander- sowie Radrouten entlang dieser Ehrenkreuze erstellt.

Neumarkt-St. Veit – „Unser Thema sind die Neunerkreuze um Neumarkt St. Veit, die wir in unseren Touren, soweit es möglich war, integrierten“, berichtet Henriette Beck von den Mühen, die sie mit Jochen Peters auf sich genommen hat. 51 sind es, die sich hauptsächlich auf die Gemeindegebiete von Neumarkt-St. Veit, Niederbergkirchen und Niedertaufkirchen verteilen.

Die möglichen Wanderwege haben Beck undPPeters nicht nur eingezeichnet, sondern mittlerweileauch digital ausgearbeitet.

Vier Wanderungen zwischen vier und zehn Kilometern, beliebig kombinierbar, dazu zwei Radtouren, Rundwege mit einer Länge von 20 Kilometern, haben die beiden entlang dieser Gedenkstätten und zusammengestellt.

Kulturelles und Sportliches verknüpfen

„Stadtspaziergang“ nennen sie die acht Kilometer lange Route, die sich durch das Siedlungsgebiet an der „Alten Teisinger Straße“ schlängelt, weiter über die Ludwigshöhe nach Straß führt und über den KZ-Friedhof und die Georgistraße zurück in den Ort. Die Radwege führen Richtung Niedertaufkirchen oder Johanneskirchen.

Das könnte Sie auch interessieren: Heiliger Georg ist allgegenwärtig

„Die Touren sind ein Highlight, bei dem man Geschichtliches, sowie Kulturelles und Sportliches verbinden kann“, findet Beck, die mit Peters die Touren bereits digitalisiert und die Neunerkreuze markiert hat: „Die Routen sind ausbaufähig. Mit Geocaches wäre die Suche nach den Neunerkreuzen auch für Familien mit Kindern interessant.“

Inspiriert vom KSK-Vorsitzendn Franz-Joseph Gruber

Wie die beiden zur Idee gekommen sind? „Ich habe eine geführte Wanderung am Georgitag mit Franz-Joseph Gruber mitgemacht. Und wir gehen grundsätzlich gerne Spazieren“, verrät Jochen Peters. Das hätten sie in den vergangenen Wochen und Monaten in Zeiten von Corona umso öfter getan, dabei habe sich die Idee weiterentwickelt.

So berichtete der Neumarkter Anzeiger 2009 anlässlich des 200. Jahrestages

Vor allem vor dem historischen Hintergrund, den die Stadt Neumarkt-St. Veit und die umliegenden Gemeinden gemeinsam hätten. „Die Schlacht vor unserer Haustür von 1809 findet im touristischen Angebot noch keinen Platz, die ,Neunerkreuze‘ sind ein einmaliges Dokument dieser Zeit und wir könnten uns vorstellen, dass dies auch überregional auf Interesse stoßen wird – wenn es gut vermarktet wird“, sagt Henriette Beck.

Die Touren sind ein Highlight, bei dem man Geschichtliches, sowie Kulturelles und Sportliches verbinden kann.

Henriette Beck
Das Neunerkreuz an der Georgikapelle: Eine von 51, das an die vielen Toten der Schlacht von 1809 erinnern soll. Henriette Beck und Jochen Peters haben jetzt geschichtliche Wanderwege entlang der Kreuze entwickelt.Enzinger

Beide hätten im Zuge ihrer Wanderoutenplanung Franz Joseph Gruber miteingebunden, der maßgeblich dafür verantwortlich zeichnet, dass sich die Neunerkreuze in einem so guten Zustand befinden. Gruber ist KSK-Vorsitzender in Neumarkt-St. Veit, hat es sich als Hobby-Historiker zur Lebensaufgabe gemacht, das Gedenken an die Toten der Schlacht von 1809 wach zu halten. Er hat die Kreuze saniert, die Schriften auf den Gedenktafeln nachgezogen und in einem ausführlichen Werk sämtliche Neunerkreuze dokumentiert.

Unterstützung vom Kulturreferenten

Mit ihren Wanderwegen haben Beck und Peters bereits mit dem Kulturreferenten der Stadt Neumarkt-St. Veit, Michael Kulhanek (CSU), aufgenommen. Und der hält die Idee für „hervorragend“. Es ließen sich nämlich zwei Sachen damit verbinden: „Die Leute raus zu bringen auf die Fluren und in die Umgebung von Neumarkt-St. Veit mit seiner tollen Landschaft und den geschichtlichen Hintergrund einbauen.“

Lesen Sie in diesem Zusammenhang auch: Erstes Denkmal stand am Peterhof

Er werde die Bemühungen auf jeden Fall unterstützen, so Kulhanek. Er verweist darauf, dass die Stadt aktuell die Büchereileitung ausgeschrieben hat, Bücherei und Kultur sollen dann zukünftig in einer Hand liegen, Details würde man dann im persönliche Gespräch besprechen.

Kulturreferent denk schon weiter – vielleicht geführte Touren?

Flyer und eine entsprechende Beschilderung sollten kein Hindernis darstellen, seien ohne viel Aufwand herzustellen, findet Kulhanek. Er erinnert sich dabei an eine Wanderkarte, welche die Stadt vor Jahren aufgelegt habe, auf deren Grundlage man, unter Umständen sogar mit den Tourismusverband Inn-Salzach, aufbauen können.

Geschichten zum Georgitag: Bauer überlebt Schlacht nur um Monate

„Vielleicht eignen sich sogar geführte Touren?“, spinnt Kulhanek schon erste weitere Ideen. Unterschiedliche Altersgruppen könne man einbeziehen – nicht nur Neumarkter, sondern auch Schulklassen von außerhalb. „Und weil das alles im Freien stattfindet, wäre es eine Alternative und sinnvolle Freizeitbeschäftigung in Zeiten von Corona!“

Tausende Tote bei der Schlacht

Franz Joseph Gruber hat die Neunerkreuze dokumentiert und viele in mühevoller Kleinarbeitwieder instandgesetzt.

Das Gefecht von Neumarkt-Sankt Veit war Teil des Fünften Koalitionskrieges und fand am 24. April 1809 statt. Die sich in der Verfolgung befindlichen französisch-bayerischen Truppen unter Marschall Bessières wurden dabei von einer zahlenmäßig überlegenen österreichischen Streitkraft unter Feldmarschallleutnant Johann von Hiller angegriffen. Ohne zu wissen, dass die österreichische Hauptarmee unter Erzherzog Karl bereits besiegt worden war, wandten sich Hillers Truppen den Verfolgern zu.

Immer wieder sind Sondengeher zu sehen

Südlich von Neumarkt-St. Veit wurden die französischen Divisionen Molitor sowie die bayerische Division von Wrede angegriffen und mit einem Verlust etwa 2.000 Mann nach Norden zurückgeworfen. Hiller beklagte bei Neumarkt zusammen 776 Tote und Verwundete, im Ganzen 25 Offiziere und 873 Mann.

Die Bayern hatten 586 Tote und Verwundete, dazu 200 Gefangene. Der französische Verlust lag bei etwa 2.000 Mann‚ wovon 27 Offiziere und 887 Mann in Gefangenschaft gerieten. Immer wieder trifft man auf den früheren Schlachtfeldern auf Sondengeher, die stumme Zeitzeugen aufspüren. Oft fördern sie Gewehrkugeln zu Tage.

Wer sich über die Wanderwege informieren will, kann gerne mit Henriette Beck und Jochen Peters Kontakt aufnehmen. Nähere Infos per E-Mail unter: wandern.neumarkt@yahoo.de

Mehr zum Thema

Kommentare