Nachruf

Neumarkt-St.Veit: Bassmacherlegende Günther Krahmer stirbt im Alter von 81 Jahren

Bis ins hohe Alter arbeitete der „Bassmacher“ mit Freude in der Werkstatt.
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Bis ins hohe Alter arbeitete der „Bassmacher“ mit Freude in der Werkstatt.
  • Karlheinz Jaensch
    vonKarlheinz Jaensch
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Seine Kontrabässe werden in aller Welt gespielt. Viele Preise haben die Instrumente aus der Werkstatt des Neumarkters gewonnen. Und auch selbst hatte den Bogen gerne in die Hand genommen. Ein Nachruf.

Neumarkt-St. Veit– Günter Krahmer hatte eigentlich drei Heimatorte, in denen er gewirkt und bedeutende Spuren hinterlassen hat. Das Handwerk des Bassgeigenbauers erlernte er in dem kleinen Ort Markneukirchen im Vogtland, wo er am 30. November 1938 in Ölsnitz das Licht der Welt erblickte. Sein Onkel, Max Pöllmann, ein begnadeter Bassgeigenbauer, war sein Ziehvater und Lehrmeister. Mit 21 Jahren legte Günter Krahmer die Meisterprüfung als Bassgeigenbauer ab. Sein Onkel Max, der Günters Talent früh erkannte, riet seinem Schüler, mit seinem Können in den Westen zu gehen, da er im Sozialismus nie die richtige Anerkennung für seine Arbeit erhalten würde.

Kontrabässe von Weltruf

Günter Krahmers Wunschort war schon damals das Geigenbauerdorf Mittenwald. Doch dort waren die Grundstücks- und Baupreise für einen jungen, noch mittellosen Firmengründer zu hoch, weshalb er seinen Lebensmittelpunkt mit eigenem Haus und geräumiger Werkstatt nach Neumarkt St. Veit verlegte. Als nun selbstständiger Instrumentenbaumeister übernahm er ganz offiziell die Firma seines Onkels Max Pöllmann. Zu dieser Zeit lernte er seine Frau Lorli kennen und lieben.

Seine Kontrabässe wurden durch ihre hervorragende Qualität schnell bekannt, was die großen Orchester weltweit in Günter Krahmers Werkstatt kommen ließ. Der Meister seines Faches bereiste seinerseits auf vielen Geschäftsreisen alle Kontinente dieser Welt und brachte Aufträge heim. Dabei entdeckte er auch seine große Leidenschaft für Reisen und genoss sie zusammen mit seiner Gattin Lorli.

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Der Geigenbauer am Kontrabass

Er war Gründungsmitglied von „Hilmars Bigband“

Das Familienglück wurde durch die beiden Söhne Michael und Ralph noch vervollständigt. Im gesellschaftlichen Leben Neumarkt-St. Veits spielten die Krahmers schnell eine bedeutende Rolle. Günter Krahmer spielte im Kirchenorchester Kontrabass und war Gründungsmitglied von „Hilmars Bigband“, wo die Liebe zu seinen Bässen weitere Erfüllung fand. Gattin Lorli war bald eine wichtige Mitgestalterin in kulturellen Vereinen der Rottstadt.

1983 erfüllte Günter Krahmer sich seinen Wunsch, nach Mittenwald umzusiedeln. Ein paar Jahre später entschieden Günters frühe Tumorerkrankungen, dass sein älterer Sohn Michael die Werkstatt in Mittenwald übernahm, während Ralph die Werkstatt in Neumarkt St. Veit weiterführte. Da Günter Krahmer und seine Söhne weiterhin eng zusammenarbeiteten, waren und sind beide Orte immer eng verbunden. Auch die Beziehung zu seinen Freunden und dem Stammtisch in der Rottstadt konnte Günter Krahmer dadurch erhalten bleiben. In Mittenwald war Günter Krahmer durch seine gesellige Art ein gern gesehener Freund am Stammtisch und Mitglied des dortigen Kirchenorchesters.

Stammtisch in Neumarkt gepflegt

Die Freude an seiner tatkräftigen Unterstützung seiner Söhne in der Werkstatt, die Weltreisen und die Liebe zu seinem Karwendel wurden durch sechs Enkelkinder und mittlerweile zwei Urenkelkinder noch gesteigert. 1991 gelang es ihm, die Internationale Kontrabasswoche nach Mittenwald zu holen. Mit diesem für die Branche großartigen Ereignis lockte er über 1000 Teilnehmer aus der ganzen Welt in den Ort. Zu seiner Organisation gehörte damals auch das beeindruckende Konzert mit diesen großen Instrumenten auf dem Karwendel. Das war selbst für den musikverwöhnten Ort Mittenwald ein aufsehenerregendes Erlebnis.

In den vergangenen fünf Jahren erlitt er immer wieder gesundheitliche Rückschläge. Im Juli diagnostizierten die Ärzte eine Krebserkrankung im fortgeschrittenen Stadium. Am 21. Oktober verstarb Günter Krahmer im Garmischer Krankenhaus, betreut von seiner Familie.

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