Neumarkt-St.Veit weiterhin auf Sanierungskurs: Was soll aus der Alten Schmiede werden?

Die Schmiede im Hintergrund, vorne Ruhebänke und ein Rasen. Keine Frage: Das Areal in der Oberen Vorstadt hat optisch gewonnen, seit das leer stehende Geschäftshaus abgerissen wurde. Jetzt geht es darum, die Schmiede einer Nutzung zuzuführen. Ein mögliches Konzept wird am Donnerstag von Planer Wolfram Göbel vorgestellt.
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Die Schmiede im Hintergrund, vorne Ruhebänke und ein Rasen. Keine Frage: Das Areal in der Oberen Vorstadt hat optisch gewonnen, seit das leer stehende Geschäftshaus abgerissen wurde. Jetzt geht es darum, die Schmiede einer Nutzung zuzuführen. Ein mögliches Konzept wird am Donnerstag von Planer Wolfram Göbel vorgestellt.
  • Josef Enzinger
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Schmiedgasse und Bahnhofsstraße: Der Stadtrat diskutiert am Donnerstag über Zukunft zweier Gebäude – bei diesen Gebäuden hat der Denkmalschutz ein Wörtchen mitzureden

Neumarkt-St. Veit– Schmiedgasse und Bahnhofsstraße – zwei Straßen, zwei Gebäude, zweimal Sanierungsbedarf. Sowohl die „Alte Schmiede“ als auch das Gebäude in der Bahnhofstraße 1 sollen einer neuen Nutzung zugeführt werden. Entsprechende Konzepte sind Thema der Stadtratssitzung am kommenden Donnerstag.

Laut Bürgermeister Erwin Baumgartner (UWG) wird der Planer Wolfram Göbel die Konzepte im öffentlichen Teil der Sitzung vorstellen. Die Details möchte Baumgartner nicht vorwegnehmen. Aber er verrät, dass für beide Gebäude Nutzungsvorschläge andiskutiert werden sollen.

Alte Schmiede steht seit 2004 leer

„Alte Schmiede“ und das Durchgangsgebäude am „Oberen Tor“ sollen im ersten Stock jeweils Wohnungen erhalten. Bei der Schmiede sei eine städtische Nutzung denkbar. Das Einzeldenkmal aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts steht seit dem Tod des letzten Schmids – dem als „Schmied-Michi“ bekannten Michael Thaler – im Jahr 2004 leer.

Stadtrat gibt die Richtung vor

Das Gebäude an der Bahnhofstraße 1 könnte durch Vereine genutzt werden. Dies sei das Ergebnis eines Treffens mit dem Denkmalamt, das vor geraumer Zeit stattgefunden habe. Beide Gebäude hat die Stadt im September 2017 gekauft, um damit die Gestaltung des sogenannten Oberen Vormarktes in der Hand zu haben.

Fenster stammen aus dem 17. Jahrhundert

Die wichtigste Info: Das Gebäude an der Bahnhofsstraße muss stehen bleiben – der Denkmalschutz verhindert einen Abriss, gegen den sich Baumgartner nicht gewehrt hätte. Zumal die Bausubstanz nicht mehr die beste ist und eine Sanierung wohl viel Geld verschlingen wird. Für das Gebäude hatte es schon 2016 einen Besichtigungstermin gegeben. Schon damals habe das Denkmalamt deutlich gemacht, dass ein Abbruch ausgeschlossen sei, weil das Gebäude mit dem Durchgang zum Stadtplatz ortsbildprägend sei. Die Fenster stammen wohl noch aus dem 17. Jahrhundert.

Um das Gebäude instand zu setzen, muss die Stadt wohl viel investieren. Dabei hoffen die Verantwortlichen, Zuschüsse aus entsprechenden Fördertöpfen die zu generieren. Baumgartner erwähnt in diesem Zusammenhang die Förderinitiative „Innen statt Außen“, deren Topf auch die Stadt anzapfen möchte.

Zugang zum Oberen Tor nur schwierig zu realisieren

Im Zusammenhang mit einer möglichen Sanierung des Geschäftsgebäudes in der Bahnhofsstraße will die Stadt prüfen lassen, ob sich ein externer Zugang zum Oberen Tor umsetzen ließe. Diese Option war in der Vergangenheit immer wieder angesprochen worden, um das leer stehende Wahrzeichen im Norden des Stadtplatzes einer Nutzung zuzuführen. Doch viel Hoffnung hat Baumgartner nicht: „Das würde einen Eingriff in die Bausubstanz des Turmes bedeuten. Auch der steht unter Denkmalschutz. Deswegen müsste das ebenso mit dem Denkmalamt abgesprochen werden.“

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Wiederbelebung statt Versiegelung

Für beide Gebäude sei im Vorfeld der Sitzung ein Aufmaß erstellt worden. Auch eine sogenannte dendrochronologische Baualtersbestimmung sei durchgeführt worden. Die Dendrochronologie ist eine Datierungsmethode der Geowissenschaft, der Archäologie, der Kunstwissenschaft, der Ethnologie und der Dendroökologie, bei der die Jahresringe von Bäumen anhand ihrer unterschiedlichen Breite einer bestimmten Zeit zugeordnet werden.

Stadt hat keinen Zeitdruck

In der Sitzung geht es darum, eine Richtung vorzugeben, wie die weiteren Planungsschritte aussehen können. Der Stadtrat nimmt das Planungskonzept zunächst zur Kenntnis und entscheidet dann darüber, ob er der Verwaltung den Auftrag für weitere Planungsschritte erteilt. Diese Schritte würden dann die Ausarbeitung eines Entwurfs beinhalten sowie eine Kostenschätzung, so Baumgartner auf Anfrage. Der zeitliche Rahmen für die Umsetzung eines möglichen Konzeptes? „Den gibt es noch nicht“, sagt Baumgartner, „wir haben keinen Zeitdruck!“

Förderinitiative „Innen statt Außen“: Davon kann auch Neumarkt-St. Veit profitieren

Was wird gefördert?

Modernisierung, Instandsetzung, gegebenenfalls Abbruch leer stehender oder vom Leerstand bedrohter Gebäude innerorts. Gefördert werden können die Ausgaben für Planung, Konzepte, Beratung, Vitalitätscheck, Gebäudeerwerb, Gebäudeinstandsetzung, -modernisierung, -umbau sowie Abbruch und Wiederbebauung der frei werdenden Flächen.

Welche Voraussetzungen müssen erfüllt sein?

Die Gemeinde muss sich per Beschluss verpflichten, vorrangig auf die Innenentwicklung zu setzen. Mögliche Inhalte des Selbstbindungsbeschlusses sind die Nutzung von innerörtlichen Brachflächen und Gebäudeleerständen, der Verzicht auf Neuausweisung von Bauflächen, die Rücknahme von Bauflächen im Flächennutzungsplan oder die Einleitung einer Dorferneuerung.

Wie hoch ist die Förderung?

Für die beschriebenen Maßnahmen können die Kommunen einen Förderbonus von 20 Prozentpunkten auf den aktuellen, individuellen Fördersatz der jeweiligen Kommune erhalten. Der Fördersatz kann jedoch auf höchstens 80 Prozent

erhöht werden. Bei Kommunen, die von einer negativen demographischen Entwicklung besonders betroffen und zudem besonders finanzschwach sind, kann der Fördersatz um weitere zehn Prozentpunkte, auf bis zu höchstens 90 Prozent angehoben werden.

Was ist im Rahmen der Förderinitiative zu beachten?

Der Abbruch von Gebäuden, die unter Denkmalschutz stehen, ist nicht zuwendungsfähig.

Quelle: Bayerisches Landwirtschaftsministerium

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