Neuland für den Jungunternehmer: Vom Dönerspieß an die Eismaschine

Die Neumarkter können aufatmen:Lange hatte sich das Gerücht gehalten das Gondola sperrt zu. Doch Fabrizio und Camelia Chinarello (rechts und links) haben einen Nachfolger gefunden. Tugay Simsker (Mitte) sorgt dafür, dass Neumarkts einzige Eisdiele am Leben bleibt. Enzinger

„Gondola“ – eine Institution bleibt bestehen: Tugay Simseker macht jetzt auf Eismann. Und die Neumarkt-St. Veiter atmen auf,dass die einzige Eisdiele im Ort bestehen bleibt.

Neumarkt-St. Veit – 20 Jahre lang war die Versorgung mit Speiseeis, Tiramisu und Cappuccinop in Neumarkt-St. Veit gesichert. So lange ist es nämlich her, dass Fabrizio Chinarello das Eiscafé „Gondola“ in Neumarkt-St. Veit eröffnet hat. Jetzt sollte Schluss sein. Weil sich der Chef des beliebten Treffpunkts am Neumarkter Stadtplatzes beruflich anders orientieren will, hieß es bereits, dass das „Gondola“ schließen wird. Doch es geht weiter: Tugay Simseker übernimmt die Eisdiele. Der Dönerspezialist wird zum Eismann.

Nach 20 Jahren hören die Chinarellos auf

Weiß der 25-Jährige, worauf er sich einlässt? Tugay Simseker nickt selbstbewusst. „Es wäre doch schade gewesen, wenn die Eisdiele geschlossen hätte. 80 Prozent der Besucher sind Stammgäste. Wo sollten die denn sonst hin?“ Also hat sich der türkischstämmige Jungunternehmer mit Fabrizio Chinarello zusammengesetzt, schnell war man sich einig. „Man kennt sich. Wir haben geredet, da hat dann das Eine zum Anderen geführt!“

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Ein Geschäft zu führen, damit kenne er sich aus, versichert Simseker. Seit seinem 13. Lebensjahr sei er in der Gastronomie tätig. Er habe eine Ausbildung als Fachkraft im Gastgewerbe abgeschlossen, seit sieben Jahren führt er zusammen mit seiner Mutter „Simsek’s Dönerhaus“ im ehemaligen Geschäftshaus Ege am unteren Neumarkter Stadtplatz. Vor zehn Monaten hat er auch die Sportsbar inklusive Spielcafé schräg gegenüber zum Dönerhaus übernommen. Und jetzt eben die Eisdiele. Übernimmt er sich damit nicht? Denn eins gibt Tugay Simseker ohne Umschweife zu: Wie man Eis herstellt, „das muss ich erst noch lernen!“ Immerhin hat er mit Fabrizio Chinarello einen begnadeten Lehrmeister. Dieser hatte es sich nicht gerade leicht gemacht mit der Entscheidung, wer sein Eisgeschäft weiterführen soll. „Aber Tugay ist ein interessierter Schüler“, meint der 43-Jährige. Und auch Chinarellos Frau Camelia greift Simseker unter die Arme, wenn es um die Kreation von Geschmacksrichtungen geht.

Es geht auch um die Neumarkter

„Kein Hexenwerk“, sagt sie und betont, wie froh sie ist, dass es mit dem „Gondola“ weitergeht. Wegen der Kunden auf der einen Seite. Aber auch, weil ihr der Neumarkter Stadtplatz am Herzen liegt. „Es ist uns nicht leicht gefallen, die Eisdiele aufzugeben“, aber man wolle sich beruflich in eine andere Richtung orientieren, den Fokus verlagern. „Ich widme mich den Sprachen“, verrät die 32-Jährige ihren Beweggrund, warum sie das Geschäft nun in andere Hände geben will. Ihr Mann hat in den vergangenen Jahren einen Pflegedienst aufgebaut, inzwischen die vierte Geschäftsstelle eröffnet. „Ich kann nicht beides stemmen. Irgendwann stößt man mit seinen Kräften an die Grenzen. Und wenn ich etwas mache, dann will ich es g‘scheit machen!“

Seit dem 1. März lernen die Chinarellos Simseker in die Geheimnisse des Eismachens ein. Gerne gäben sie ihr Wissen weiter. „Weil er mich an mich selbst erinnert, als ich jünger war“, erklärt Fabrizio Chinarello, „es macht Spaß mit ihm zu arbeiten!“

Auch Eismachen will gelernt sein

Die Zeit zum Rezepteaustausch ist gerade günstig. Denn die Saison hat noch nicht begonnen, die Terrasse wird erst in zwei Wochen aufgebaut, man kann sich komplett dem Rezepteaustauschwidmen. Und Simseker hat viel zu lernen, wenn er im Sommer aus bis zu 50 Eissorten auszuwählen hat, die oft nur saisonal angeboten werden können, vor allem wenn sie einen hohen Fruchtgehalt haben sollen. Erst einmal geht es um die Grundlagen, das Herstellen von gängigen Sorten wie Erdbeer, Vanille oder Schoko. „Er lernt sehr schnell!“, verrät Camelia grinsend mit Blick auf Tugay Simseker, der nach der ersten Übungswoche schon seine Lieblingssorte ausgemacht hat. „Yoghurt!“

Simseker ist kein Italiener, „aber ich kann Italienisch. Wenn ich auch den Akzent noch nicht hinbringe – die Gesten habe ich schon drauf“, versichert er. „Er bringt südländisches Temperament mit“, ergänzt Chinarello, der davon überzeugt ist, dass es erfolgreich mit dem „Gondola weitergeht. „Das ist schließlich auch in meinem Sinne – wenn ich dann als Gast komme!“

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