Neujahrsempfang in Neumarkt: Bürgermeister Baumgartner spricht von hohen Steuereinnahmen

Haltung zeigen, schon beim Händedruck: Der Körper ist laut Alexander Veit (links) ein Spiegel der Seele.

Die Stadt Neumarkt-St. Veit wächst weiter, hat aber auch große finanzielle Herausforderungen zu stemmen. Bürgermeister Erwin Baumgartner nennt im Kulturbahnhof konkret Straßenerschließung und Parkmöglichkeiten, Fachkräftemangel und Wohnungsbedarf. Dabei werden auch die Rufe nach Breitband nicht leiser.

Von Josef Enzinger

Neumarkt-St. Veit– Sie bieten Arbeitsplätze, halten Einkaufsmöglichkeiten vor Ort vor und haben auch für Vereine immer ein offenes Ohr. „Und natürlich stützen Sie mir Ihren Steuern unsere Finanzen“, dankte Neumarkt-St. Veits Bürgermeister den Vertretern von Unternehmen und Geschäften, die er zum Neujahrsempfang in den Kulturbahnhof eingeladen hatte. Ausführlich ging Baumgartner auf das Wachstum der Stadt ein, auf florierende Steuern und auf Maßnahmen, welche die Stadt auch finanziell in Zukunft herausfordern würden.

Handlungsspielraum durch Gewerbesteuer

Folgende Problemfelder sprach Baumgartner konkret an: Straßenerschließung und Parkmöglichkeiten, Fachkräftemangel und Wohnungsbedarf. „Und heutzutage ganz besonders: Breitband und Internet!“ Diesen Herausforderungen müsse man sich stellen, um für die Zukunft gewappnet zu sein. Doch erfordern diese Maßnahmen auch ein hohes Maß an finanzieller Leistungsfähigkeit.

Wirtschaft in Neumarkt-St. Veit ist stabil

Der Ausbau der Kinderbetreuung, die Stadtplatzsanierung und die Sanierung der Abwasserbeseitigung kosteten der Stadt viel Geld. Aktuell sei die Pro-Kopf-Verschuldung mit 332 Euro zwar weit unter Durchschnitt, dies werde aber nicht immer so bleiben. „Da wir in den vergangenen drei Jahren gut gewirtschaftet und keine neuen Schulden aufgenommen haben, können wie die enormen Investitionen schultern“, so Baumgartner, der damit einen direkten Bezug zur Wirtschaft in der Stadt herstellte. Denn die Gewerbesteuer sei „stabil steigend“, im Rekordhaushalt von 2020 stünden rund 1,3 Millionen Euro im Ansatz.

Vortrag über Körpersprache

Auch die Einwohnerzahl nehme zu, „wir kratzen ganz scharf an der 6300er-Grenze“. Die Attraktivität des Ortes sei vom Angebot und auch von der Qualität der Arbeitsplätze – auch vor Ort – abhängig. Die prosperierende Entwicklung schlage sich auch bei der Beteiligung an der Einkommensteuer nieder, die derzeit große Sprünge mache, Baumgartner gab sie mit 3,2 Millionen Euro an. Der Empfang sollte dem konstruktiven und ungezwungenen Austausch dienen, Probleme sollten im Gespräch offen kommuniziert werden, was die Wirtschaftsvertreter auch rege nutzten.

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Um Kommunikation drehte sich auch der Vortrag von Alexander Veit aus Berlin, der in erster Linie auf die körperliche Kommunikation Bezug nahm. In einem kurzweiligen Vortrag ging der Schauspieler und Pantomime der Frage nach: „Was spricht mein Körper und warum weiß ich nichts davon?“ Mimik und Gestik, so Veit, drücken viel aus, ohne dass man viele Worte zu verlieren hätte.

Eine gebückte, sprich unterwürfige, Haltung wirke ganz anders als ein aufrechter, selbstbewusster Gang mit erhobenem Haupt. „Oft senden wir Signale aus, ohne dass sie uns bewusst sind“, gab er im Besonderen den Wirtschaftsvertretern mit auf dem Weg, die ja im täglichen Kontakt mit Kundschaft seien. Augenkontakt, ein kräftiger Händedruck, ein Lächeln dazu –das schaffe eine positive Aura.

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Stets sollte man aber darauf achten, keine Grenzen zu überschreiten, seinen Gegenüber zu vereinnahmen, ihm zu nahe zu kommen. 15 bis 46 Zentimeter Nähe definierte Veit als intime Tabuzone, die „persönliche Zone“ erweiterte er bis 1,2 Meter, die „gesellschaftliche Zone“ erweitere sich auf 3,6 Metern, alles darüber hinaus sei die „öffentliche Zone“.

Er unterschied zwischen Schutzgesten, etwa hochgezogene Schultern, und offensiven Gesten, zum Beispiel ein nach vorne herausgedrücktes Becken, wie es bei Models der Fall sei: „Hier will man schließlich etwas verkaufen.“

Kommunikation: Zu 85 Prozent der Körper

Gesten drücken Emotionen aus. „Die Emotion steigt, je höher gestikuliert wird!“ Hochemotional seien Gesten auf Kopfhöhe, eine Gabe, die bei Italienern besonders ausgeprägt sei, behauptete Veit. Er unterschied dazu Gesten der Stärke. Die Merkel-Raute sei nichts anderes als eine Yoga-Übung, um beide Gehirnhälften zusammenzubringen. Grundsätzlich sehne sich der Mensch nach Berührung, weil sie auch heilsam sein kann – besonders im Alter. „Senioren gehen zum Arzt, auch weil sie dann Berührung erfahren!“

Am Ende gab Veit den Zuhörern mit auf dem Weg: „85 Prozent der Kommunikation läuft über ihren Körper.“ Sollte ein schwieriges Gespräch anstehen: „Dann fragen Sie ihren Körper, ob er mitkommt!“

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