Natur greifbar und begreifbar machen - wie ein Erlebnisbauer einen neuen Weg geht

Beschreitet neue Wege als Nebenerwerbslandwirt:Christian Liebhart ist zertifizierter Erlebnisbauer, bietet zusammen mit seiner Frau Ramona für Kinder Jahresprogramme an, um Tiere, Natur und Landwirtschaft näherzubringen. Liebhart
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Beschreitet neue Wege als Nebenerwerbslandwirt:Christian Liebhart ist zertifizierter Erlebnisbauer, bietet zusammen mit seiner Frau Ramona für Kinder Jahresprogramme an, um Tiere, Natur und Landwirtschaft näherzubringen. Liebhart

Christian Liebhart bietet rund um seine Bauernhof Seminare an. Sie beschäftigen sich mit den Themen Wald und Natur und sollen Menschen die Umwelt näher bringen. Und dem Nebenerwerbshof eine sichere Zukunft.

Niederbergkirchen – Rund 266 600 Betriebe wurden 2019 in der deutschen Landwirtschaft gezählt. Die Hälfte davon sind Nebenerwerbslandwirte, die in Zeiten wachsender Bürokratie und unter dem Druck von Auflagen viel Kreativität mitbringen müssen, um die Zukunft ihres Betriebes zu sichern. Christian Liebhart aus Hennetsberg bei Niederbergkirchen geht den pädagogischen Weg, hat sich zum Erlebnisbauern zertifizieren lassen und bietet zusammen mit seiner Frau Ramona Wald- und Naturseminare an.

Statt Kühen Katzen

Die Milchwirtschaft hatten die Liebharts schon vor 22 Jahren aufgegeben. Früher liefen auf dem Hof auch Schweine und Hühner herum. Als dann Christian dann den Hof 2013 von seinen Eltern übernommen hatte, „hat es eigentlich nur noch Katzen gegeben“, erinnert sich der 35-Jährige. Die Landwirtschaft wurde im Nebenerwerb durchgeführt. Der Fokus lag auf Waldwirtschaft und Ackerbau, wobei die größten Flächen verpachtet wurden. In den vergangenen Jahrzehnten wurde nicht viel investiert, Liebhart stand vor der Frage, den Hof aufzugeben oder zu modernisieren – er entschied sich für Letzteres.

Mit dem nach 2013 erfolgten Hausbau und der Rückkehr vom Studium in München in die Heimat nach Hennetsberg begann der frischgebackene Diplom-Betriebswirt sich intensiv über die zukünftigen Verwendungsmöglichkeiten des Hofes „beim Langbauern“ zu beschäftigen.

Allen die Landwirtschaft näher bringen

Freilich nach wie vor im Nebenerwerb, denn seine Brötchen verdient sich Liebhart hauptberuflich im Personalmanagement, wo er viel Erfahrung in der Gruppenarbeit und im Umgang mit Menschen sammeln konnte. Nach der Übernahme des Hofes hat sich Liebhart im land- und forstwirtschaftlichen Bereich weitergebildet, ein Forstseminar belegt (2016) und das Bildungsprogramm Landwirt (2017). Mit dem Einzug von Alpakas im April 2018 kam dann die zündende Idee, einen Erlebnisbauernhof zu gründen.

Von der Pflanzung der Knolle bis zur Kartoffelernte vergehen einige Monate: Erlebnisbauer Christian Liebhart bringt den Kindern bei, wie Landwirtschaft funktioniert.

Im November 2019 schloss Christian die staatlich zertifizierte Weiterbildung zum Erlebnisbauern im Rahmen der Diversifizierung in der Landwirtschaft erfolgreich ab. Standardthemen der Diversifizierung sind Urlaub auf dem Bauernhof, die Spezialisierung zum Energiewirt oder das Segment der Direktvermarktung. Aufgrund seiner Vorbildung und auch im Hinblick der Ausbildung seiner Frau Ramona, die nicht nur Diplom-Sozialpädaggogin ist, sondern auch Naturpädagogin und Fachberaterin für tiergestützte Intervention bot es sich an den Weg des „Erlebnisbauern“ einzuschlagen. Das Bewusstsein für die Landwirtschaft und die Natur zu schärfen empfinden die Liebharts als wegweisend. „Denn leider“, so Christian Liebhart, „ist das Bewusstsein dafür geschwunden.“

Früher habe es immer wieder jemanden in der Familie gegeben, der in irgendeiner Art und Weise etwas mit Landwirtschaft zu tun hatte. „Das ist heute nicht mehr der Fall.“ Und so sind Tiere, Natur und Wald ab sofort Themen der Seminare, die Christian Liebhart auf seinem Hof anbietet, wo mittlerweile neben den Alpakas und den Hofkatzen auch Hühner und auch ein Hund wieder ihren Platz haben.

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„Ein schwedisch-dänischer Hofhund. Der hat ein sehr gutes Wesen im Umgang mit Kindern“, erklärt Liebhart. Denn es sollen in erster Linie natürlich Kinder sein, denen die volle Aufmerksamkeit auf dem Erlebnisbauernhof zuteil wird. Zu den Aufgaben des Erlebnisbauers zählen in erster Linie alle Tiere auf dem Hof. Darüber hinaus kümmert er sich um alle handwerklichen und organisatorischen Tätigkeiten rund um den Erlebnisbauernhof.

Wie funktioniert nun so ein Erlebnisbauernhof? Ab 2020 bieten die Liebharts Jahreskurse für Kinder, für Kleinkinder von eineinhalb bis drei Jahren mit deren Eltern, für Kinder im Vorschulalter, also von vier bis sechs Jahren, und für Kinder im Schulalter (7 bis 10 Jahre). „Das Hauptaugenmerk legen wir dabei auf das landwirtschaftliche Jahr und den ökologischen Kreislauf auf dem Bauernhof. Wir treffen uns an acht Terminen im Jahr, in der Regel also einmal im Monat.“ Die Kinder werden im Jahreskurs die Veränderung und das Wachstum der Natur erleben. „Wir wollen die Natur greifbar und auch begreifbar machen!“

Für Kinder und Eltern

In der Eltern-Kind-Gruppe erleben die Kinder zusammen mit einem Elternteil verschiedene Eindrücke vom Bauernhof. Neben jahreszeitlichen Themen stehen gestalterische Tätigkeiten und viele Spiele auf dem Programm. Im Jahreskurs für Kinder im Vorschulalter legen die Erlebnisbauern den Schwerpunkt auf Tierbegegnungen und kleineren Aufgaben auf dem Bauernhof und in der Naturwerkstatt. Zudem gibt es in der Umgebung – Wald, Feuchtwiesen und Bach – viel zu erkunden. „Und im Jahreskurs für Kinder im Schüleralter führen wir größere Projektarbeiten im Garten und auf den Feldern durch und kümmern uns darum, dass die Tiere gut versorgt und gepflegt werden. Hauptaugenmerk liegt auf dem ökologischen Kreislauf auf dem Bauernhof“, erläutert Cristian Liebhart. Von der Pflanzaktion von Kartoffeln bis zu deren Ernte und die Weiterverarbeitung. „Ebenso werden die Kinder auch Tieren hautnah begegnen und auch Verantwortung für diese Lebewesen übernehmen.“ Dabei sollen alle Sinne der Kinder angeregt werden. Sehen, Hören, Riechen, Schmecken und Fühlen, „ ebenbei geben die Aktivitäten an der frischen Luft Energie und neue Kraft für den Alltag!“ Dies gelte für jedermann, der auf den Erlebnisbauernhof kommt.

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Christian Liebhart bleibt mit dem Erlebnisbauernhof Nebenerwerbslandwirt. Wenn das Projekt aber entsprechend gut funktioniert, sei es durchaus ausbaufähig, zumal seine Frau Ramona als ausgebildete Sozialpädagogin das entsprechende Wissen mitbringt, um das Angebot weiter auszubauen. Wie etwa soziale Landwirtschaft aussehen könnte. „Auch dieses Thema haben wir schon im Auge!“, verrät Liebhart.

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