Urteil am Amtsgericht Mühldorf: Nachsicht mit Meth-Konsumentin und Mobbing-Opfer

Justizia / Symbolfoto
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Marihuana und Crystal Meth – mit diesen Drogen hatte eine 19-jährige, derzeit arbeitslos, aus dem nördlichen Landkreis versucht Mühldorf, ihren Stress abzubauen. Sie war in der Arbeit gemobbt worden. Das Amtsgericht verurteilte sie nun zu Sozialstunden.

Mühldorf – Bekannte hatten ihr zu diesen trügerischen Mitteln verholfen. Amtsrichter Dr. Christoph Warga meinte dazu: „Wenn Sie zum Stressabbau Yoga gemacht hätten, hätte niemand etwas dagegen gesagt.“

Großmutterentdeckt die Drogen

Ihre Großmutter hatte die Drogen entdeckt, der Fall wurde der Polizei gemeldet. So wurden Marihuana und Crystal Meth in der Wohnung der Beschuldigten gefunden, allerdings in geringer Menge. Staatsanwalt Severin Köpnick klagte die junge Frau nun wegen des unerlaubten Besitzes von Betäubungsmitteln in drei Fällen an.

In einer ersten Einlassung gab die Beschuldigte an, dass sie aktuell keine Drogen konsumiere, sie sei bei der Entgiftung gewesen und suche derzeit die Suchtberatung der Caritas auf. Zu den Bekannten, über die sie an die Rauschmittel gekommen war, habe sie keinen Kontakt mehr, sondern sich einen völlig neuen Freundeskreis aufgebaut. Drogen habe sie erst seit dem Fasching 2020 konsumiert.

Ein Blick auf die persönlichen Verhältnisse ergab, dass die Angeklagte bei ihrer Oma lebt, der Mutter ihres Vaters. Zur leiblichen Mutter habe sie keinen Kontakt. Das Mutter-Tochter-Verhältnis ist gestört, schon als Baby im Mutterleib musste die junge Frau einen Drogenentzug mitmachen. In jungen Jahren wurde ihr eine Niere entfernt, weil ihre Mutter weiterhin Drogen und auch Alkohol zu sich genommen hatte.

Richter Dr. Warga erschien die Angeklagte geläutert, er hielt eine Einstellung des Verfahrens für gerechtfertigt: Sie habe ohne anwaltliche Hilfe eine Entgiftung durchgeführt, die Suchtberatung aufgesucht und sich einem neuen Freundeskreis angeschlossen. Darüber hinaus suche sie nach einer Arbeitsstelle, was mit der Pandemie nicht leichter wird. Auch stimmte die junge Frau der formlosen Einziehung der gefundenen Drogen zu, womit diese im Anschluss vernichtet werden können. Sie sei bisher auch straffrei geblieben.

Allerdings setzte eine Einstellung die Zustimmung der Staatsanwaltschaft voraus, was Staatsanwalt Köp nick nach einem Telefonat mit seiner Dienststelle in Traunstein auch signalisierte. So wurde die Einstellung des Verfahrens zu Protokoll genommen. Ganz leer ging die junge Frau jedoch nicht aus, vor allem, weil Crystal Meth – im Gegensatz zu Marihuana– nicht mehr als „weiche“ Droge eingestuft wird, sondern schon dem mittleren Niveau zugeordnet werden muss: Sie hat zeitnah 50 Stunden gemeinnützige Arbeit zu verrichten und sie muss sich binnen einer Woche beim Amt für Jugend und Familie zur Einteilung der Sozialstunden melden.

Gespräche mit der Suchtberatung

Eine weitere Woche hat sie Zeit, sich bei der zugewiesenen Stelle vorzustellen. Nachweise über die geleisteten Sozialstunden und die absolvierten Gespräche bei der Suchtberatung muss sie dem Gericht spätestens nach 14 Tagen vorlegen. „Wenn nicht“, so Dr. Warga, „dann sehen wir uns hier wieder.“

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