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Schweres Gerät angerückt

Nach spektakulärer Verpflanzungsaktion in Neumarkt-St. Veit: „Linde21“ hat ein neues Zuhause

Sieht einfacher aus als es ist: Schweres Gerät war angerückt, um die „Linde21“ zu retten. Den Namen trägt der Baum aufgrund seines bisherigen Standortes vor dem Gebäude am Stadtplatz 21.Jaensch
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Sieht einfacher aus als es ist: Schweres Gerät war angerückt, um die „Linde21“ zu retten. Den Namen trägt der Baum aufgrund seines bisherigen Standortes vor dem Gebäude am Stadtplatz 21.
  • Karlheinz Jaensch
    VonKarlheinz Jaensch
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Einen alten Baum verpflanzt man nicht, heißt es. Für die „Linde21“ auf dem Neumarkter Stadtplatz gilt das nicht. Erstens, weil sie mit 60 Jahren für eine Linde noch gar nicht so alt ist. Und zweitens, weil der berühmteste Baum im Landkreis demnächst sowieso gefällt worden wäre.

Neumarkt-St. Veit – Für das Ehepaar Guse war es dann am Mittwoch ein besonderer Tag voller Glückseligkeit, als schweres Gerät anrückte, um den Baum zu verpflanzen und ihm damit ein Weiterleben zu ermöglichen. Mit viel Ausdauer, mit Hilfe von Freunden und dem Bund Naturschutz war es dem Ehepaar Guse gelungen, den Baum zu kaufen, einen neuen Standort zu finden und die rund 8000 Euro zu sammeln, die für die Umsetzung des 60-jährigen Baumes samt Neueinpflanzung zu bewerkstelligen.

Sieben Kubikmeter Erde ausgehoben

Die Motivation dahinter war nicht nur die Rettung eines großen Baumes, der im Lauf schon viel Kohlendioxid gebunden hatte und weiterhin binden soll. Dr. Christian Guse betonte auch, dass so ein Baum einen großen Wert darstelle. Wenn man ihn kaufen müsste, dann wäre wohl ein fünfstelliger Betrag fällig. Von bis zu 17.000 Euro sprach Dr. Guse.

Wie ein Eisportionierer: Säuberlich wurde die Linde aus ihrem Fundament gehoben.

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Die Firma Opitz aus Heideck bei Roth in Franken kam am Morgen mit zwei Schwertransportfahrzeugen für Bagger und Rundspatenmaschine in Neumarkt-St. Veit an. Zunächst hob der Maschinist Daniel Mayerhöfer neben dem KZ-Friedhof an der vorgesehenen Stelle ein Loch von rund sieben Kubikmeter Erde aus. Mit dem riesigen Rundspaten dauerte das keine zehn Minuten. Den Platz am Eingang des Friedhofs fanden die Initiatoren Eva und Christian Guse sowie der Bauleiter, Diplomforstwirt Bernd Küster, deswegen sehr geeignet, weil die verpflanzte Linde und eine dort schon bestehende den Eingangsbereich umrahmen. Laut Küster ist die Firma darauf spezialisiert, ist fast täglich damit beschäftigt, Bäume umzusiedeln. Hauptsächlich sei dies in Städten der Fall.

Prozedur stößt auf Zustimmung von Fachleuten

Ein Prozedere, das auf Zustimmung stößt. Stefan Zimmermann zum Beispiel, Diplom-Ingenieur auf dem Gebiet Gartenbau und Kreisfachberater, findet die Aktion wichtig. „Wenn alle zusammen helfen, dann kann man solche Aktionen durchführen und der Natur nützen“, teilte er im Rahmen der Rettungsaktion mit.

Zur wohl berühmtesten Linde im Landkreis erreichte uns dieser Leserbrief.

Ein beeindruckendes Bild: Die zehn Meter hohe Linde beim Abtransport in Richtung KZ-Friedhof.

Einige Schaulustige am Stadtplatz

Der Aushub am Stadtplatz lockte viele Schaulustige, denn für eine Kleinstadt ist so eine Baumrettung schon etwas Seltenes. Sie verfolgten gespannt, wie der Bagger die Umrandung der Linde am Stadtplatz in kurzer Zeit entfernt hatte. Sie filmten aufgeregt mit, als sich der zerlegbare Rundspaten um den Stamm schmiegte und nach unten in die Erde drückte. Und schließlich zückten viele ihre Smartphones, als die Gabel sich zur Kugel formte und die Maschine wie ein überdimensionierter Eisportionierer den zehn Meter hohen Baum mit seiner sieben Meter dicken Krone aus der Erde hob und verlud.

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Eva Grabbe-Tkocz vom Bund Naturschutz, der die Spendensammlung unterstützt hat.

Baumkrone war vor dem Transport gestutzt worden

Die Krone war vorher auf das Allernotwendigste gestutzt worden, indem man einige weit raushängende Äste kürzte. Dann zog die 40-Tonnen-Maschine den Baum mit Wurzelkugel, die beide um die 15 Tonnen wogen, erst durch die Johannesstraße, dann in die Hörberinger Straße und über den Kreisel und der Bahnhofstraße in Richtung Birkenstraße.

Stefan Zimmermann, Kreisfachberater im Landratsamt Mühldorf, findet die Rettungs-Aktion gut.

Jetzt ist viel Pflege erforderlich

Von dort aus ging es dann über die Altöttinger Straße bergauf zum KZ-Friedhof – der neuen Heimat der „Linde 21“. Für die schwere Rundspatenmaschine war es ein Leichtes, den großen Baum stehend um die vielen Kurven zu manövrieren oder ihn bisweilen liegend unter Stromleitungen durchzuziehen.

Lob vom Bund Naturschutz

An der Parkanlage im Süden der Stadt angekommen, wurde der Baum neu gepflanzt. Nun muss er einige Jahre gepflegt werden, bis er mit voller Krone reichlich Schatten spendet und gleichzeitig Kohlendioxid bindet. Eva Grabbe-Tkocz, Geschäftsstellenleiterin vom Bund Naturschutz war ebenso vor Ort, um die Aktion zu begleiten. Gegenüber den Initiatoren war sie voll des Lobes: „Wir haben die Sammlung unterstützt und finden es großartig, wie das hier gemacht wird.“

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