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Musik als Gegengift zu Multimedia

Musiklehrer Johannes Schmidt und Schüler Jonas am Klavier. Foto nz
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Musiklehrer Johannes Schmidt und Schüler Jonas am Klavier. Foto nz

Seit 25 Jahren gibt es die Musikschule in Neumarkt-St. Veit.

Seit 19 Jahren leitet Johannes Schmidt die Niederlassung in der Rottstadt. Im aktuellen Interview erzählt der 49-Jährige, warum es in der multimedialen Welt so wichtig ist, ein Instrument zu lernen.

∗ 25 Jahre Musikschule Neumarkt-St. Veit: In Zeichen von Spielekonsolen und Handymania nur noch eine Randerscheinung oder eine Trutzburg in der multimedial gewordenen Welt?

Johannes Schmidt: Videospiele, Smartphones und das Internet sind für unsere Kinder die größten Zeitdiebe. Zudem wird den Jugendlichen in realitätsfremden Casting Shows ein Weg zu Berühmtheit ohne jahrelange künstlerische Ausbildung und ohne Üben vorgegaukelt. Diese Entwicklung halte ich für bedenklich. Aber gerade deshalb glaube ich, dass die musikalische Ausbildung in unserer Gesellschaft, zumindest auf dem Land, noch immer einen hohen Stellenwert hat. Denn sie ist das ideale "Gegengift".

∗ Warum sollte ich auch meinen Kindern das Erlernen eines Instrumentes näherbringen?

Johannes Schmidt: Weil man damit seinem Kind ein sehr wertvolles Geschenk machen kann. Ein Geschenk, das ihm sein ganzes Leben Freude bringt, das ihm im sozialen Umfeld Anerkennung und Freundschaften bringt, das erwiesenermaßen seine Intelligenz fördert. Erfahrungsgemäß ist es auch so, dass Musik im emotionalen Bereich stärkt, zudem im Erwachsenenalter noch lange geistig und körperlich jung hält, und das jederzeit kostenlos zur Verfügung steht. Das Schönste daran: man kann damit immer wieder anderen Menschen Freude schenken.

∗ Welche Entwicklungen in den vergangenen 25 Jahren waren die wichtigsten für die Musikschule?

Johannes Schmidt: Die Schülerzahlen an der Musikschule sind über die Jahre konstant geblieben, und das ist gut so. Die Neumarkter wissen, was sie an ihrer Musikschule haben und nutzen das Unterrichtsangebot: von der Musikalischen Früherziehung, über den Instrumentalunterricht bis hin zu Ballett und den Ensemble-Fächern. Die Tatsache, dass die Musikschule Neumarkt-St.Veit von Anfang an eine Zweigstelle der Musikschule Mühldorf war, hat sehr dazu beigetragen, das Angebot vielfältig und die Kosten vergleichsweise niedrig zu halten.

∗ Wie viele Musiklehrer kümmern sich derzeit um die Ausbildung von Musikschülern. Wie viele Schüler werden in Neumarkt-St. Veit betreut?

Johannes Schmidt: Derzeit unterrichten an der Musikschule 13 Lehrkräfte 107 Schüler.

∗ Gab es in den zurückliegenden Jahren ein besonders talentiertes Kind, dessen Karriere Sie vielleicht auch ein bisschen stolz gemacht hat?

Johannes Schmidt: Es gab eine ganze Reihe von begabten Schülern, die auch zum Teil die Musik zu ihrem Beruf gemacht haben. Man freut sich, wenn der Schüler oder die Schülerin ein gelungenes Konzert spielt oder die Aufnahmeprüfung an der Musikhochschule besteht, aber es bleibt die Leistung des Schülers. Ein wenig stolz ist man als Lehrer dann, wenn der Schüler nicht vergessen hat, von wem er es gelernt hat.

∗ Welches Instrument ist denn das begehrteste?

Johannes Schmidt: Das ändert sich immer wieder und hängt ab von vielerlei Faktoren, wie aktuelle musikalische Strömungen, Lehrerpersönlichkeiten, Wohlstand. Früher waren es die Blockflöte und das Klavier, zur Zeit ist die Gitarre wieder sehr gefragt.

∗ Nun gibt es ja nicht nur talentierte Kinder. Wie vermittelt man es den Eltern, dass der Musikunterricht im Endeffekt nichts bringt?

Johannes Schmidt: Kinder, die so untalentiert sind, dass sie kein Musikinstrument erlernen könnten, gibt es kaum. Es kommt jedoch vor, dass die Wahl des ersten Instruments nicht gleich die richtige ist. Oft hilft ein Wechsel zu einem anderen Instrument, das dem Naturell des Schülers besser entspricht. Außerdem ist es von großer Bedeutung, ob Lehrer und Schüler sich vertrauensvoll und mit Respekt begegnen. Dann bringt der Musikunterricht neben dem musikalischen Fortschritt auch noch den Spaß und eine Steigerung des Selbstwertgefühls.

∗ Welches Ereignis ist Ihnen als Leiter der Musikschule in besonderer Erinnerung geblieben?

Johannes Schmidt: Heitere Geschichten schreibt zum Beispiel das Wetter jährlich bei unserem Sommerkonzert unter freiem Himmel im Schlossgarten Adlstein. Regenlieder von kleinen Indianern werden zum Beispiel auch bei strahlendem Sonnenschein prompt mit einem kurzen Regenschauer belohnt. Ich erinnere mich aber auch an ein Konzert, das wir wegen des plötzlich einsetzendem Regens abbrechen mussten. So schnell wie möglich mussten alle Instrumente von der Bühne geschafft werden. Dank der spontanen Mithilfe des gesamten Publikums konnte das Konzert bereits eine gute Viertelstunde später im Herzoglichen Kasten weitergehen.

∗ Ab wann macht es Sinn das Kind in die Musikschule zu schicken?

Johannes Schmidt: Ich empfehle den Einstieg in die Musikalische Früherziehung mit vier bis fünf Jahren, hier werden spielerisch und kindgerecht Rhythmusgefühl, Stimme, Gehör und Motorik gefördert. Die Erfahrung zeigt, dass die Kinder im anschließenden Instrumentalunterricht meist sehr gut voran kommen und sich damit schnell Spaß und Motivation einstellen. je

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