Mundschutz, Desinfektion und eine Urkunde aus gebranntem Ton

Nach 30 Jahren ist Schluss:Emil Steinbach gehörte dem Neumarkter Stadtrat seit 1990 an. Zusammen mit den acht weiteren ausscheidenden Stadträten durfte er sich ins Goldene Buch der Stadt eintragen. Stadt Neumarkt-St. Veit

Neumarkt-St. Veit – Abstand halten – das bereitet einer feierlichen Verabschiedung von ausgeschiedenen Stadträten einige Probleme.

Die letzte Sitzung der endenden Legislaturperiode war wegen Corona bereits in den Saal des Kulturbahnhofes verlegt worden. Beim Dank an die Mandatsträger, die zum letzten Mal Entscheidungen gefällt haben, musste Bürgermeister Erwin Baumgartner dann aber auf den Händedruck verzichten, die Entlassurkunden – dieses Mal in Form von Tontafeln – nahmen sich die Stadträter dann vom dafür bereit gestellten Tisch.

68 Sitzungenin sechs Jahren

Vor der Übergabe ließ Baumgartner die vergangenen sechs Jahre Revue passieren, berichtete von insgesamt 68 Stadtratssitzungen, in denen viel diskutiert, viel gefragt und auch hin und wieder gestritten worden sei. „Aber es war immer, fast immer, eine angepasste Streitkultur.“ An die schwierigste Sitzung könne er sich noch gut erinnern, erzählte Baumgartner. Es sei die vom 14. März 2018 zum Stadtplatz gewesen. Eine sehr intensive Sitzung, „für mich persönlich sehr belastend, da meine Frau zu diesem Zeitpunkt im Krankenhaus lag und auf die Ergebnisse einer Untersuchung wartete“. Am Ende mit einem guten Ergebnis.

Überhaupt sei die Wahlperiode, besonders zum Schluss, vom Stadtplatz geprägt gewesen. Integriertes städtebauliches Entwicklungskonzept (ISEK), Klausurtagung des Stadtrates und unzählige Stunden für Planbesprechungen seien gefolgt. „Im Moment ist alles gestoppt und am 12. Juli soll der Bürger entscheiden!“ Eine Vorverhandlung mit den Antragstellern, das betonte Baumgartner im Rahmen seiner Rede, habe er nicht für sinnvoll angesehen. „Da würden wir die viel besagte Bürgerbeteiligung dann wieder vom Tisch fegen!“

In der Folge zählte Baumgartner dann eine Reihe von Maßnahmen auf, die der Stadtrat in den zurückliegenden sechs Jahren durchgeführt habe. Wasser- und Kanalbau, Radwegebau, Schulhaussanierungen, Breitbandausbau, aber auch An- und Neubauten an Kindertagesstätten und die Ausweisung von Baugebieten seien in diese Zeit gefallen – die Themen waren vielschichtig. Und stets betonte Baumgartner: „Wir haben gebaut“, band damit in seinen Ausführungen den gesamten Stadtrat mit ein. Viele Projekte seien noch am Laufen, ergänzte der Bürgermeister, „und Corona hat uns fest im Griff!“

Den nun ausscheidenden Stadtratsmitgliedern dankte er für deren Engagement, deren Energie und Kraft für Neumarkt-St. Veit. Zu jedem Einzelnen hatte er die ein oder andere Anekdote parat. Seit 1. Mai nicht mehr im Gremium vertreten sind Irmi Eigl, Martina Huber und Stephanie Neumeier (alle von 2014 bis 2020).

Auf Reinhard Fuchs (von 2008 bis 2020) ging er besonders ein, fand versöhnliche Worte im Hinblick auf frühere Auseinandersetzungen . „Sie sind uns auf die Füße getreten in Sachen Breitbandausbau. Das hat der Stadt gut getan, hat uns geholfen in die Spur zu kommen!“

Asbeck seit 1996 Feuerwehrreferent

Von 2002 bis 2020 gehörten Franz Göhl und Werner Kitschke dem Gremium an, mit Maximilian Heimerl (ebenfalls von 2002 bis 2020) wechsle ein Neumarkter Stadtrat jetzt sogar als erster Landrat aus Neumarkt-St. Veit ins Landratsamt, „mit keiner leichten Aufgabe in Zeiten von Corona“. Emil Steinbach war seit 1990 im Stadtrat vertreten, ist der dienstälteste Mandatsträger, den Baumgartner verabschiedete. Seinen letzten Dank richtete Baumgartner aber an Michael Asbeck, der seit 1996 im Gremium saß und neben seinen Posten des Feuerwehrreferenten ab Mai 2008 sogar das Amt des Zweiten Bürgermeisters bekleidet hatte.

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