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Polizei beendet Party

Münchner kommen zum Feiern aufs Land: Polizei löst Feier mit 40 Personen in Hörbering auf

Seit Jahren geschlossen, doch am Samstag steppte der Bär: Um 1 Uhr hat die Polizei dann die Party im Gasthaus Hörbering beendet.
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Seit Jahren geschlossen, doch am Samstag steppte der Bär: Um 1 Uhr hat die Polizei dann die Party im Gasthaus Hörbering beendet.
  • Josef Enzinger
    VonJosef Enzinger
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Als die Polizei eintrifft, ergreifen einige Partygäste die Flucht, andere verstecken sich. Am Ende nimmt die Polizei die Personalien von 40 Personen auf, die illegal in einem ehemaligen Gasthaus im Neumarkter Ortsteil gefeiert hatten. Die Stimmung war aufgeheizt.

Neumarkt-St.Veit – Eine Kirche, ein leer stehender Bahnhof, dazu ein weitum bekannter Oldtimer-Restaurator und rührige Feuerwehr und Stockschützen: Das ist Hörbering, ein Gemeindeteil von Neumarkt-St. Veit mit ein paar hundert Einwohnern, dem eigentlich nur noch ein Wirtshaus fehlt – zumindest eines, das geöffnet hat. Denn seit Jahren steht das Gasthaus Hörbering leer. Umso überraschender nun, dass ausgerechnet dort am zurückliegenden Wochenende Party angesagt war. Und noch dazu in Zeiten von Corona.

Autos mit Münchner Kennzeichen

Die Polizei war dem Hinweis aus der Bevölkerung nachgegangen, wonach in dem Gasthaus in Hörbering eine größere Zusammenkunft zu Gange gewesen wäre, teilt Carolin Engler von der Pressestelle des Polizeipräsidiums Oberbayern auf Nachfrage mit. Daraufhin sei in der Nacht auf Sonntag um kurz nach 1 Uhr eine Streife der Polizeiinspektion Mühldorf ausgerückt, um nach dem Rechten zu sehen. Vor dem Gasthaus hätten einige Autos bereits angedeutet, dass in dem sonst verwaisten Gasthaus etwas Größeres im Gange sei.

Zahlreiche Gäste suchten das Weite

Tatsächlich stellten die Beamten zahlreiche Gäste fest, die sich unerlaubt zu einer Party zusammengefunden hatten. Die Rede ist von 40 Personen, deren Personalien die Beamten schließlich feststellten. Die Polizeisprecherin verweist allerdings darauf, dass es mehr als diese 40 gewesen seien. Zahlreiche Partygäste hätten aber beim Eintreffen der Polizei das Weite gesucht und sich versteckt. „Und die Beamten können dann auch nicht jedem Flüchtenden hinterherlaufen.“

Unterstützung von weiteren Einsatzkräften angefordert

Dabei hatte die Polizei die Unterstützung von weiteren Einsatzkräften aus anderen Dienststellen angefordert, nachdem sich eine aggressive Stimmung gegenüber den Beamten entwickelt hatte. Die Partygäste hätten Unverständnis geäußert über die Polizeikontrollen, ergänzt die Polizeisprecherin. „Die Leute waren sehr aufgebracht!“ Dass übermäßiger Alkoholkonsum der Partygäste die Stimmung noch befeuert hätte, wollte Engler nicht bestätigen. Letztlich wurde die Feier aufgelöst.

Mittzwanziger war der Veranstalter

Veranstalter der Zusammenkunft war nach Polizeiangaben der Sohn des Wirtes, ein Münchner, Mitte 20. Und der hatte offenbar seine Partygäste mitgebracht. Tags darauf, so berichten Anwohner, hätten noch Fahrzeuge vor dem Gasthaus gestanden. In erster Linie mit Münchener Kennzeichen.

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Unverständnis auch bei den Hörberingern

„Ich denke nicht, dass ein Hörberinger an dieser Party teilgenommen hat“, zeigt auch Michael Asbeck, ehemaliger Zweiter Bürgermeister von Neumarkt-St. Veit, Unverständnis gegenüber einer derart großen Zusammenkunft. Er bestätigt, dass das Wirtshaus schon seit geraumer Zeit leer stehe. Ein Mann habe seinerzeit die Gastronomie von der Brauerei Bischofsbräu gekauft und habe einen Saal eingebaut.

Aber richtig in Schwung sei die Gastronomie nie gekommen. Zuletzt seien es nur noch die Hörberinger Edelweiß-Schützen gewesen, die sich zu Schießabenden getroffen hätten. Doch seit geraumer Zeit hätten auch die ein anderes Quartier bezogen, sie nutzen jetzt die Anlagen des Vereins Birkhahn. Das Wirtshaus stehe seitdem leer. „Zehn Jahre dürften da nicht mehr reichen“, schätzt Asbeck.

Wer so ungeniert feiert, muss damit rechnen, verpfiffen zu werden

Dass nun ausgerechnet in Zeiten von Corona eine Wiederbelebung stattgefunden hat, mag am aktuellen Frust vor allem bei jungen Leuten liegen, die sich nach sozialen Kontakten sehnen. Pressesprecherin Engler kann das nachvollziehen. Allerdings sagt sie auch: Wer in so großem Maße feiert, noch dazu an exponierter Stelle, der gehe auch ein Risiko ein, habe damit zu rechnen, verpfiffen zu werden.

Auch Neumarkt-St. Veits Bürgermeister Erwin Baumgartner verurteilt die Party. Kontakt zu dem Besitzer gebe es nicht, sagte Baumgartner. Aus rechtlichen Gründen wollte er sich auf Anfrage nicht dazu äußern, wem das ehemalige Gasthaus jetzt gehört. Es sei ein laufendes Verfahren und Sache der Strafverfolgungsbehörden, dem Verstoß gegen die Corona-Bestimmungen weiter nachzugehen.

In den sozialen Netzwerken ist dann schnell von Denunziantenrtum die Rede

Die Polizeisprecherin und ihre Kollegen sind Woche für Woche mit Partys und größeren Zusammenkünften konfrontiert, müssen dabei immer wieder mit Vorwürfen von nicht verhältnismäßigen Polizeieinsätzen gefallen lassen. Das war etwa eine Woche zuvor in Bad Feilnbach im Landkreis Rosenheim der Fall, wo 20 Polizeibeamte eine Feier zum 18. Geburtstag einer jungen Frau gesprengt hatten. Von Denunziantentum ist dann in sozialen Netzwerken häufig die Rede.

Die Frage nach der Verhältnismäßigkeit

Der Einsatz in Hörbering war von einer besonderen Brisanz geprägt, da es offenbar Münchner waren, die zum Feiern aufs Land gekommen sind. Im schlimmsten Fall „haben wir in Hörbering ein neues Cluster und die Partygäste tragen das Virus weiter bis nach München“, folgert Engler. Umso wichtiger sei es gewesen, dass die Polizei, eingeschritten sei. „Es gelten momentan strenge Regeln nach dem Infektionsschutzgesetz. Und an die hat sich jeder zu halten!“

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