Mühldorf: Nachruf auf Martin Wieser

Martin Wieser
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Martin Wieser

Mühldorf. – Er war ein verlässlicher Freund, ein leidenschaftlicher Blasmusiker, ein wundervoller Vater und ein treu sorgender Ehemann: Im Alter von 85 Jahren ist der Altmühldorfer Martin Wieser plötzlich und unerwartet verstorben.

Fast 30 Jahre einem Betrieb treu geblieben

Martin Wieser kam am 11, Februar 1935 als Sohn von Martin und Elisabeth Wieser auf die Welt. Mit drei Brüdern und einer Schwester wuchs er auf. Von 1941 bis 1944 besuchte er die Volksschule in Mühldorf. Zwei Jahre lang war er beim Bauer Josef Oberhuber beschäftigt, bevor er ab 1951 bei der Baufirma Palitza das Maurerhandwerk erlernte. 1962 wechselte er zur Baufirma Peter Bichlmeier und 1967 zur Baufirma Bruno und Wolfgang Starke, wo er bis zum Erreichen des Rentenalters beschäftigt war.

Vor wenigen Monaten noch die Eiserne Hochzeit gefeiert

Am 25. Juni 1960 führte er Marianne Holzmann aus Neumarkt-St. Veit an den Traualtar, beiden war es noch vor wenigen Wochen vergönnt, das Jubiläum der Eisernen Hochzeit zu feiern. Im April 1962 vervollständigte die Geburt des Sohnes Martin das Eheglück. 1973 zog die Familie nach Altmühldorf ins neu erbaute Haus. Zwei Enkel und drei Urenkel waren sein ganzer Stolz. 1995 ging Wieser in Rente, um sich mit ganzen Kraft seiner Frau zu widmen und sie zu pflegen, die nach einer Gehirnblutung halbseitig gelähmt ist. Großes Leid traf ihn, als Sohn Martin zu beginn des Jahres nach einer längeren Erkrankung verstorben war.

Bombenangriffe von 1945 schwer verletzt überlebt

Beeindruckend war es, wenn Martin Wieser aus seinen Kindheitserinnerungen erzählte. An jedes Detail konnte er sich erinnern, wenn er vom Bombenangriff am 19. März 1945 in Mühldorf berichtete: „Ich hatte um 10 Uhr die Schule aus. Meine Mutter und mein Bruder Fritz waren beim Mittagessen, als um halb Zwölf die Sirene heulte. Kurz darauf fielen schon die ersten Bomben!“ Die Mutter habe die Kinder dann angewiesen, Schutz im Holzschuppen zu suchen. Mit der vorletzten Welle schlugen zwei Bomben ein, vom Wohnhaus blieb nur noch ein Krater übrig und der Holzschuppen. „Meine Mutter war verschüttet, meinen Bruder Fritz hatte es zehn Meter durch die Luft gewirbelt, ich war bis zum Bauch im Schutt gestanden“, erzählte Wieser, der selbst eine große Wunde am Kopf erlitten hatte. Die Familie wurde gerettet, doch bei Martin Wieser hatte sich die Kopfwunde entzündet und eiterte. Nur weil sich ein in Ecksberg stationierter Sanitäter um den damals zehnjährigen Buben gekümmert hatte, überlebte Wieser. „Mein Lebensretter!“, wie er später in seinen Memoiren festhalten sollte.

Ehrenmitglied bei der Blaskapelle

Wieser war ein Vereinsmensch, wie er zuverlässiger nicht sein konnte. THW, Feuerwehr und vor allem der Blaskapelle widmete er seine Freizeit. Als Kleiderwart sorgte er immerzu, dass seine Musikerkollegen bei öffentlichen Auftritten „immer schneidig beinand waren“, wie Gemeindereferent Alexander Weidinger beim Nachruf in der St. Laurentius-Kirche betonte. Die Blaskapelle ließ es sich dann auch nicht nehmen, Martin Wieser einen letzten musikalischen Gruß mit auf seinem letzten Erdenweg zu geben. „Alte Kameraden“ intonierten die Musiker und „S’is Feieromd“ – so wie es sich das Ehrenmitglied der Altmühldorfer Blaskapelle gewünscht hatte.

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