Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.


Pilotprojekt in Oberbergkirchen und Mettenheim

Busse auf Zuruf sollen Autos überflüssig machen

Wo (noch) der Stadtbus Mühldorf regelmäßig stoppt, wäre auch für den Pilotbusverkehr ein fixer Ablaufpunkt. Unser Bild entstand am Mühldorfer Bahnhof.
+
Wo (noch) der Stadtbus Mühldorf regelmäßig stoppt, wäre auch für den Pilotbusverkehr ein fixer Ablaufpunkt. Unser Bild entstand am Mühldorfer Bahnhof.
  • Nicole Petzi
    VonNicole Petzi
    schließen

Dem Pilotprojekt stimmte der jüngste Kreistag mit einer Gegenstimme zu. Je nach Bedarf der Anwohner der drei Kommunen, die eine Fahrt eine Stunde vorher telefonisch anmelden sollen, sollen Kleinbusse werktags, aber auch am Wochenende in regelmäßiger Taktung von zwei Stunden in die eine und in die andere Richtung fahren.

Mühldorf – Zum Sommer 2023 fahren im Raum Oberbergkirchen, Zangberg und Mettenheim zusätzliche Busse auf Zuruf. Wie der Kreistag jüngst mit einer Gegenstimme beschlossen hat, sollen für ein Pilotprojekt, das den Bedarfsverkehr im genannten Raum für einen Probezeitraum von drei Jahren abdecken soll, Förderungen beantragt werden. Den Planungs- und Beratungsauftrag für das Projekt erhielt die DB Regio.

Ausschreibungen für berechtigte Verkehrsunternehmer, die in der Regel andere Fahrdienstleister wie etwa Taxiunternehmer anheuern, sollen folgen.

Interessantes Angebot für Pendler

Viele Fragen werfe der Öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) auf, so die leitende stellvertretende Landrätin Ilse Preisinger-Sontag. Mit dem Modellprojekt sollen zumindest einige Antworten folgen, in dem Fall für eine zusätzliche integrierte Mobilitätsplanung. Das zwischen Dezember und Mai ausgearbeitete Konzept hat Ludger Jürgens vorgestellt, der für innovative Verkehrskonzepte bei der DB Regio Bus sorgen soll.

Es soll mehr Haltestellen geben

„Gerade auf dem Land gibt es zu wenige Bushaltestellen“, beginnt Jürgens seinen Vortrag und weist auch darauf hin, dass bei zusätzlichen Haltestellen auch die Wege dahin minimiert werden sollten.

Er ergänzt, dass im Pilotsektor 86,5 Prozent der Siedlungsfläche heute insofern abgedeckt sind, dass jeder Anwohner eine Haltestelle im Umkreis von 400 Metern hat. Eine höhere Haltestellendichte gebe es lediglich an der Gemeindegrenze Mettenheim/Mühldorf. Das soll besser werden. Oberbergkirchen könne als Beispiel dann insgesamt mit 28 Haltestellen aufwarten.

Je nach Bedarf der Anwohner, die eine Fahrt eine Stunde vorher telefonisch anmelden sollen, sollen Kleinbusse werktags, aber auch am Wochenende in regelmäßiger Taktung von zwei Stunden in die eine und in die andere Richtung fahren. „Das wäre sicherlich ein interessantes Angebot für Pendler“, so der Projektleiter, der dabei auf die Bedarfsanalyse auf Basis einer Bürgerbefragung verweist.

„Wir gehen von einer Abrufquote von 15 Prozent im ersten Jahr aus, im zweiten 20 Prozent, im dritten 25 Prozent“, konstatiert Jürgens mit Blick auf seine Auswertungen. Per Dispositionsmodell könne man die Anfragen bündeln und den Weg für die kürzeste Strecke festlegen. Kosten könnte das Ganze in eigenem Tarif nur wenig mehr als der normale Linienverkehr: Der Fokus liegt auf einer eigenen, an den VLMÜ-Tarif angelehnten Preis- und Wabenstruktur. Dabei entspricht eine Wabe einer Gemeinde und ist mit 3,20 Euro bepreist. Sollte eine Fahrt mehrere Waben – nicht wie dargestellt „Landkreise“ – durchqueren, steigt der Basispreis um 50 Cent pro Wabe.

Viel Applaus, aber auch laute Kritik gab es für das Konzept unter den Kreisräten. Über eine „massive Verbesserung“ freute sich der Grünen-Kreisrat Dr. Georg Gavus, der sich allerdings eine höhere Abrufquote als 25 Prozent vorstellen kann. Die Fahrkarten kämen dann noch günstiger. Den Zahn musste ihm allerdings Jürgens mit Blick auf die Bürgerbefragung und ähnliche Modelle, etwa im Rosenheimer Raum, ziehen: Nirgends – auch in der Metropolregion – sei der Bedarf höher, so der DB-Mitarbeiter.

Positiv gestimmt zeigte sich auch die CSU-Bezirksrätin und Behindertenbeauftragte im Bezirk Oberbayern, Claudia Hausberger. Sie könne sich vorstellen, dass dieses Angebot gut bei Jugendlichen und Senioren ankommt und dadurch vielleicht das ein oder andere Auto überflüssig macht. Der Linke-Kreisrat Dennis Uzon nahm das Projekt zum Anlass, auf die generell zu hohen Tarife bei Busfahrten zu verweisen. Die einzige Gegenstimme kam später von ihm.

Geteilte Reaktion im Kreistag

Auch AfD-Kreisrat Oliver Multusch mahnt die Kosten des Modellprojekts an, das sich als deutliches Verlustgeschäft abzeichne. Mit Orientierung am Taxifahrsystem werde das Ganze zu einem ordentlichen Zuschusssystem, so Multusch.

Für das Pilotprojekt an Geldern für 2023 eingeplant hat der Kreistag 64.500 Euro. Das freilich mit der berechtigten Aussicht, dass der Freistaat gut an Finanzspritzen drauflegt und auch an Einnahmen ein Batzen Geld eingefahren wird.

Anm. Red.: Das Pilotprojekt an sich wird nicht – wie in einer ursprünglichen Fassung des Artikels dargestellt – in einer Kooperation mit der DB Regio Bus umgesetzt. Diese hat lediglich den Planungs- und Beratungsauftrag erhalten.

Der Fokus liegt auf einer eigenen, an den VLMÜ-Tarif angelehnten Preis- und Wabenstruktur. Dabei entspricht eine Wabe einer Gemeinde und ist mit 3,20 Euro bepreist. Sollte eine Fahrt mehrere Waben – nicht wie dargestellt „Landkreise“ – durchqueren, steigt der Basispreis um 50 Cent pro Wabe.

Kommentare