Hobby ohne soziale Kontakte

Mit der RMS Titanic im Aquarium: Stefan Senftl widmet sich in Coronazeiten dem Modellbau

Als Werkstatt genügte Stefan Senftl schon immer der Wohnzimmertisch. „Er ist ja schnell alles aufgebaut und auch ebenso schnell wieder weggeräumt!“Jaensch
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Als Werkstatt genügte Stefan Senftl schon immer der Wohnzimmertisch. „Er ist ja schnell alles aufgebaut und auch ebenso schnell wieder weggeräumt!“Jaensch
  • Karlheinz Jaensch
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Stefan Senftl aus Neumarkt-St. Veit hat Corona einen Gewinn gebracht: In den Tagen, in denen nicht viel zu unternehmen ist, entdeckte er sein altes Hobby wieder: den Modellbau. So ist die Titanic originalgetreu an seinem Arbeitstisch wiedererstanden, nur, um im Aquarium zu versinken. Bald soll es zum Mond gehen.

Neumarkt-St. Veit – Dass Corona das gesellschaftliche Leben verändert, ist unbestreitbar. Alle fürchten die Vereinsamung, die sich spürbar einschleicht. Da sind die glücklich zu nennen, die daheim einer sinnvollen Beschäftigung nachgehen können. Sie erinnern sich, dass sie mal gesammelt, gebastelt oder gehandarbeitet haben. So wie der gelernte Schreiner und Küchenmonteur Stefan Senftl. Er ist leidenschaftlicher Modellbauer.

Wohnzimmertisch wird zur Werkstatt

Über 200 Modelle von Flugzeugen, Schiffen, Autos und noch viel mehr hat er schon gebastelt. „Angefangen habe ich mit Lego. Aber schon bald war mir das einfache Zusammenstecken der Steine zu langweilig. Und so wünschte ich mir einen Modellbaukasten.“

Für die Titanic besorgte sich Stefan extra ein Aquarium. „Wo sonst als auf dem Meeresgrund sollte ich sie stellen?“

Die frühesten Modelle sind 20 Jahr alt

Das liegt einige Zeit zurück. Im Alter von etwa 15 Jahren fing Stefan an, Modelle von wirklich existierenden Fahr-, Flug und Schwimmfahrzeugen in maßgetreuer Verkleinerung nachzubauen. „Als Erstes wagte ich mich an einen Flugzeugträger. Den stellte ich dann stolz in eine Vitrine.“ Aber dabei blieb es nicht. Dem Flugzeugträger folgte ein U-Boot. „Und das steht heute noch dort – zwanzig Jahre später.“, erklärt er und ergänzt. „Naja, ein paar kleine Anfängerfehler habe ich mittlerweile ausgebessert.“

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Seitdem hat sich der 36-Jährige in fast allen Bereichen im Modellbau versucht. In der Hauptsache bastelt er militärisches Gerät. Panzer, LKWs, Kanonen und dergleichen, Flieger, Schiffe und so weiter aus beiden Welkriegen baut er nach. Aber auch ins Weltall stößt Stefan vor.

Eine Mondrakete als größtes Projekt

Sein erstes U-Boot hält Stefan sehr in Ehren. Die Apollo 11-Rakete zeigt, dass Stefan Senftl schon bis in den Weltraum vorgestoßen ist.

Als sein größtes Projekt sieht er die Apollo-11-Mondrakete an. „Aber stolz bin ich auf jedes Modell, das mir gelungen ist. Wenn ich einen Panzer im Maßstab 1:72 baue, dann bin ich damit in meiner Freizeit zwei bis drei Wochen damit beschäftigt. Oder an dem Luxusliner „Titanic“. Im Maßstab 1:400 saß er mehrere Monate. „Wenn sowas fertig ist, dann ist das schon ein schönes Gefühl!“

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Nicht jedes fertige Produkt einen „Platz an der Sonne“. Dazu ist seine Wohnung doch zu klein. In der Vitrine und auf manchem freien Platz in der Wohnung sind die Kunstwerke ausgestellt. Anderes landet dann eben in einer Kiste im Keller oder am Speicher. Ob er denn wenigstens seine Schaffungen auf Ausstellungen zu Schau stellt? „Nein, das nicht. Allerdings habe ich für den einen oder anderen Freund schon mal einen LKW, einen VW-Golf oder ein Motorrad nachgebaut. Mit Sonderlackierungen für deren Wohnung zuhause.“

Ausstellungen für Anregungen

Es war mal in seiner Sturm- und Drangzeit, so bis 25, sagt er, da habe er dieses Hobby sehr vernachlässigt. Ganz aufgehört habe er nie. Und jetzt, in Corona-Zeiten, ist es wieder eine angenehme Abwechslung, Neues zu bauen und Ausbesserungen vorzunehmen. Mitglied in einem Club ist er nicht. Aber er holt sich durchaus Anregungen bei Ausstellungen und er informiert sich über einschlägige Online-Plattformen.

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Seine Werkstatt ist sein Wohnzimmer. Da ist Platz für Skalpellmesser, Pinzetten, Kleber, Pinsel und Farben, weil es auch leicht aufzuräumen ist. An eigene Kreationen möchte der Bastler sich auch wagen. „Aber dazu bräuchte ich erst noch einen 3-D-Drucker und eine vernünftige Airbrush-Ausrüstung!“ Es wird wohl davon abhängen, wie sehr Corona die Menschen noch an die eigenen vier Wände bindet. An Kreativität scheint es Stefan Senftl nicht zu mangeln.

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