5,4 Millionen Euro für die Neumarkter Kläranlage: In eineinhalb Jahren soll es losgehen

Eine Baumaßnahme zur Ertüchtigung der Abwasserbeseitigung läuft bereits: In der Zulaufstrecke zur Kläranlage wird ein zentrales neues unterirdisches Regenüberlaufbeckens als Ortbetonbauwerk errichtet. Mit einem Volumen von 240 Kubikmetern dient es als Durchlaufbecken der Entwässerung.
+
Eine Baumaßnahme zur Ertüchtigung der Abwasserbeseitigung läuft bereits: In der Zulaufstrecke zur Kläranlage wird ein zentrales neues unterirdisches Regenüberlaufbeckens als Ortbetonbauwerk errichtet. Mit einem Volumen von 240 Kubikmetern dient es als Durchlaufbecken der Entwässerung.

Die hohe Stickstoffbelastung macht es dringend erforderlich, die Kläranlage in Neumarkt-St. Veit zu sanieren. Der Stadtrat hat in seiner jüngsten Sitzung eine zukunftsfähige Entscheidung gefällt und sich für eine Auslegung auf 12000 Einwohnerwerte ausgesprochen. Doch das wird teuer.

Von Sophia Strasser

Neumarkt-St. Veit – Schon seit einigen Jahren ist klar, dass die Neumarkter Kläranlage sanierungsbedürftig ist. In seiner jüngsten Sitzung hat der Stadtrat die weitere Vorgehensweise des millionenschweren Projektes beschlossen: „Die Schuldenbelastung der Stadt Neumarkt wird stark steigen. Sonst ist ein solches Projekt nicht zu meistern“, sagte Kämmerer Thomas Menzel.

Hochwasserschutz gefordert

In einem Vortrag stellte Helmut Aigner von Ingenieurplanungsgruppe „Dünser.Aigner.Kollegen“ aus München die möglichen Sanierungs-Varianten vor. Die Anlage in ihrem derzeitigen Stand hätte einige Mängel. Als größtes Problem bezeichnete er die zu hohe Stickstoffbelastung der Kläranlage. Da die Kläranlage an der Rott liegt, sei sie auch potenziell hochwassergefährdet. „Die Wasserwirtschaftsverwaltung schreibt vor, dass die Kläranlage vor einem Jahrhunderthochwasser geschützt sein muss.“ Für den Hochwasserschutz sei vorgesehen, dass 80 Zentimeter hohe Erddämme um die Kläranlage gezogen werden. Außerdem würden am Betriebsgebäude geringfügige Änderungen vorgenommen.

Teeküche und Aufenthaltsraum für die Angestellten

Darüber hinaus sei eine Änderung in den Umkleiden geplant, die aus Gründen des Arbeitsschutzrechts notwendig seien. „Für die Arbeiter der Kläranlage kommt dann noch eine Teeküche und ein Aufenthaltsraum dazu.“

Aigner schlug zwei verschiedene Lösungen für die Sanierung vor: Den Neubau einer einstufigen Belebungsanlage mit Kombibecken oder eine zweistufige Anlage mit einem Bypasssystem, bei der ein Tropfkörper zur Abwasserreinigung zum Einsatz kommt.

neue Kläranlage benötigt mehr Platz – die Stadt braucht also auch grundstücke

Im Laufe des Vortrags stellte sich heraus, dass die erste Variante deutlich mehr Vorteile gegenüber der Variante mit Tropfkörper hat: Die Anschaffungs- und Betriebskosten seien günstiger, das Verfahren einfacher und die Betriebssicherheit höher.

Doch benötigt die neue Kläranlage mehr Platz, die Stadt Neumarkt müsste dafür neuen Grund erwerben. Die Kosten für die vom Ingenieurbüro empfohlene Variante lägen bei circa 5,4 Millionen Euro.

Blockheizkraftwerk zur Verstromung des Gases angedacht

Der Ingenieur erläuterte in seinem Vortrag weitere Optionen. Beispielsweise könnte die Kapazität der Kläranlage auf maximal 12 000 Einwohnerwerte erhöht und die zwar noch funktionsfähige, aber alte Heizungsanlage erneuert werden. Ein Blockheizkraftwerk könnte das beim Klärungsprozess anfallende Gas verstromen, die Kläranlage könnte einen Teil des benötigten Stroms selbst erzeugen. Auch eine weitere Photovoltaik-Anlage sei vorstellbar.

Entscheidung zur Heizungsanlage zurückgestellt

Peter Hobmaier (UWG) Frage, Teile der Heizungsanlage zu erneuern, beantwortete Aigner damit, dass dies nicht zwingend notwendig sei. Es sei aber immer sinnvoll, nur eine Baumaßnahme statt zwei zu haben. „Darüber müssen wir nicht heute entscheiden“, ergänzte Bürgermeister Erwin Baumgartner (UWG).

Ulrich Geltinger (SPD) sorgt sich um Belastung von Anwohnern

SPD-Stadtrat Ulrich Geltinger dachte an die Anwohner: „Könnten durch die neue Kläranlage stärkere Geruchs- und Lärmemissionen entstehen?“ Aigner verneinte dies: „Eine höhere Lärmbelastung wird es sicher nicht geben und auch eine stärkere Geruchsbelästigung wird nicht erwartet.“

Stadt bleibt alleine auf den Kosten sitzen, keine Fördermittel in Aussicht

Ludwig Spirkl (SPD) wollte wissen, ob die Stadt für den Bau der Kläranlage gefördert werde. „Das wurde geprüft, wir fallen aber leider nicht in den Bereich für Förderungen.“ Die Stadt habe die Kosten für den Bau der Kläranlage alleine zu stemmen, bedauerte Bürgermeister Baumgartner.

Baubeginn schon in eineinhalb Jahren

Ferdinand Rothkopf (CSU) sprach sich dafür aus, die Kläranlage mit der größtmöglichen Kapazität von 12 000 Einwohnerwerten zu bauen. Dieser Meinung schlossen sich Ulrich Geltinger und Egbert Windhager (CSU) an: „Wir müssen an die Zukunft denken!“

Baumaßnahme soll in eineinhalb Jahren beginnen

„Sobald wir die Genehmigung haben, ist der Baubeginn geplant“, antwortete Bürgermeister Baumgartner dem Stadtrat Peter Gruber. Helmut Aigner sprach von circa eineinhalb Jahren.

Die Kläranlage soll in der ersten Variante gebaut werden, un das mit größtmöglicher Kapazität von 12 000 Einwohnerwerten. Außerdem soll zur Energieoptimierung ein Blockheizkraftwerk sowie eine Photovoltaikanlage gebaut werden. Dem Beschluss stimmte der Stadtrat einstimmig zu.

Unterirdisches Überlaufbecken ist gerade in Arbeit

Eine Baumaßnahme zur Ertüchtigung der Abwasserbeseitigung läuft bereits: In der Zulaufstrecke zur Kläranlage wird ein zentrales neues unterirdisches Regenüberlaufbeckens als Ortbetonbauwerk errichtet. Mit einem Volumen von 240 Kubikmetern dient es als Durchlaufbecken der Entwässerung.

Kommentare