Der erste Schluck

Mild, etwas malzig, und leicht hopfig im Abgang: St. Veiter Bier ab Februar im Verkauf

  • Josef Enzinger
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Es ist der große Moment, als die beiden Neumarkter Richard Hirschberger und Hanjo Hellfeuer den Gärkeller der Brauerei Müllerbräu betreten und zusehen, wie Braumeister und Biersomelier Harald Hackl den Zwickelhahn aufdreht, aus dem das neue St. Veiter Bier dann in einem fast fadendünnen Strahl ins Glas läuft.

Neumarkt-St. Veit/Neuötting – Zunächst das gemeinsame Zuprosten, dann der erste Schluck, dem ein breites, begeistertes Grinsen folgt. „Leckomio“, entlockt es dann auch gleich Hellfeuer. „Bin dabei“, kommentiert Richard Hirschberger, entsprechend euphorisiert, den ersten Eindruck, nachdem er einen Schluck genommen hat vom neuen St. Veiter Bier. Dessen Kreation hatten die beiden Neumarkter, buchstäblich aus einer Bierlaune heraus, seit nun schon einem Jahr konsequent verfolgt. Dabei hatten sie auf die Unterstützung der Brauerei Müllerbräu mit ihrem Chef Reinhard Müller gebaut.

Die nächsten 5500 Liter sind in Planung

„Der Schaum passt, filtriert werd‘s auch noch“, zeigt sich auch der Brauereichef-Chef Reinhard Müller begeistert über das Ergebnis dieses Märzens, wofür Hellfeuer und Hirschberger im vergangenen Jahr eine zweizeilige Biogerste anbauen ließen. Daraus haben sie dann soviel Malz gewonnen, dass in einem ersten Durchgang knapp 6000 Liter Bier gebraut werden konnte. „Und für die nächsten 5500 Liter ist heute die Freigabe erteilt“, wie Hirschberger nach dem „Zwickeln“ gleich beschlossen hat.

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Hellfeuer: „Die Arbeit hat sich rentiert!“

„Ich bin begeistert, es schmeckt hervorragend. Die ganze Arbeit hat sich rentiert“, stellt Hellfeuer fest und berichtet, wie groß die Nachfrage in der Neumarkter Bevölkerung nach einem eigenen Bier sei, nachdem der Klosterbräu in St. Veit 1984 seine Pforten geschlossen hatte.

Im Gärkeller der Brauerei Müllerbräu wurde das St. Veit „gezwickelt“. Das einhellige Urteil von Richard Hirschberger, Hanjo Hellfeuer, Harald Haag und Reinhard Müller (von links): „Punktlandung!“

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„Der Geschmack kommt in etwa hin“, ist sich Hirschberger sicher, der als Jugendlicher noch in der Klosterbrauerei gejobbt hatte und sich noch daran erinnern kann, wie gefragt das Bier seinerzeit auch bei den Volksfesten war. „Die Leute kamen mit Ballonen, um sich das Bier damals literweise am Volksfest abfüllen zu lassen“, weiß dazu auch Hellfeuer von Erzählungen aus längst vergangenen Zeiten, als seine Mutter Wirtin der „Klosterschänke“ war.

Die ganze Arbeit hat sich rentiert.

Hanjo Hellfeuer

Bernsteinfarben –genau das war der Plan

Im feinen Strahl fließt das Bier in das Glas. Der spiralförige Auslass vermindert die Schaumbildung.

Bernsteinfarben – mit dieser Vorgabe habe man eine Punktlandung hingelegt, findet Brauereichef Müller, der das Märzens mit 5,8 Prozent Alkohol zwar als relativ stark bezeichnet. „Aber diesen Alkoholgehalt schmeckt es nicht, es trinkt sich wunderbar“, so Müller, und Braumeister und Biersomelier Harald Haag stimmt ihm uneingeschränkt zu. „Ich wüsste nicht, wie man es noch besser machen sollte“, freut auch er sich über das Ergebnis, das Hirschberger als „mild, ein bisschen malzig im Abgang mit einem dezenten Hopfenaroma am Gaumen“, beschreibt.

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Drei Wochen Lagerung, dann wird abgefüllt

Wie geht es jetzt weiter mit dem eigenen Neumarkter Bier? „Es wird noch drei Wochen gelagert, Ende Januar soll es abgefüllt werden und in den ersten beiden Februarwochen dann bei Getränke Westermaier in Neumarkt-St. Veit verkauft werden“, nennt Hellfeuer den weiteren Fahrplan, verrät dabei, dass die Nachfrage danach schon jetzt extrem groß sei.

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Hanjo Hellfeuer beim Zwickeln.

Etiketten seien kreiert, eigene St. Veiter Träger angeschafft worden. „Wir machen keine halben Sachen, das ist keine Eintagsfliege“, betont Hirschberger, der das Projekt tatsächlich langfristig ausrichten will. Je nachdem, wie das Bier in der Bevölkerung angenommen wird, wollen Hellfeuer und Hirschberger dann die weitere Strategie festlegen.

Da ist noch Luft nach oben – zunächst aber wird die Reaktion der Bevölkerung abgewartet

Ob der Gerstenanbau womöglich ausgedehnt wird oder was mit der noch übrigen Gerste genau geschehen wird. Da lassen sie sich aber noch nicht in die Karten schauen, stattdessen prostet Hirschberger verschmitzt grinsend mit dem Glas zu und präsentiert auch gleich einen Slogan für den neuen Gerstensaft, den es passend zur Fastenzeit geben wird: „Nimm Dir Zeit, trink St. Veit!“

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