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Ein Baumeister mit Gefahrenpotenzial

Menschen in Gefahr oder einfach nur putzig? Biber-Schäden sorgen für Diskussion an der Rott

Ein Biber auf Futtersuche in seichtem Gewässer.
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Ein Biber auf Futtersuche in seichtem Gewässer. Auch an der Rott bei Neumarkt-St. Veit kann man sie immer wieder beobachten.
  • Harald Schwarz
    VonHarald Schwarz
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Der Biber ist wieder in die heimischen Gewässer zurückgekehrt und nach dem Bundesnaturschutzgesetz streng geschützt. Er ist ein putziger Geselle, den aber nicht alle gerne sehen.

Neumarkt-St. Veit – Gemächlich schwimmt der haarige Geselle in der Rott. Ohne Scheu geht er am unteren Rottweg an Land und verschwindet im Unterholz. Die Rede ist von einem Biber, den eine Leserin zufällig mit ihrer Handykamera beobachten und filmen konnte. Ein putziger Geselle, den aber nicht alle so gerne in der Region sehen.

Philip Wagner ist Biberbauftragter am Landratsamt. Er sagt, dass es im Landkreis Mühldorf rund 700 bis 800 Biber geben soll. Biber leben in Familien, die aus den beiden Elterntieren sowie den Jungtieren der letzten beiden Jahre bestehen. Jede Biberfamilie besetzt ein Revier, das gegen andere Biber verteidigt wird und bis zu sieben Kilometer lang sein kann. „An der Rott sowie an ihren Zuflüssen sind nahezu alle Biberreviere besetzt. So auch im Bereich Neumarkt-Sankt Veit, wo im Bereich des Schwimmbads der Biberdamm der dort lebenden Familie bestaunt werden kann“, erzählt Wagner.

Biber sind streng geschützt

Mit dem Biber ist eine sogenannte Schlüsselart in die heimischen Gewässer zurückgekehrt, die nach dem Bundesnaturschutzgesetz besonders streng geschützt ist. „Wie keine andere Art gestalten Biber ihre Umwelt und schaffen vielfältige Lebensräume nicht nur für sich, sondern auch eine Vielzahl anderer Lebewesen: von Amphibien, Reptilien und Insekten bis hin zu Fischen und Vögeln“, erläutert der Biberbeauftragte. In Bayern seien aktuell circa 22 000 Biber in 7000 Revieren heimisch. Sie leisten einen wichtigen Beitrag zum lokalen Wasserhaushalt, indem ihre Biberdämme zum Beispiel die Fließgeschwindigkeit von Gewässern reduzieren. Sie heben aber auch den Grundwasserspiegel wieder an, was gerade im Hinblick auf die immer trockener werdenden Sommer der vergangenen Jahre einen nicht zu vernachlässigenden Punkt darstellt. Auch bei Hochwasser können die Dämme dazu beitragen, dieses zeitlich abzumildern.

Biber bauen an der Rott richtgehende Staustufen, die den Fluss sogar verlangsamen können.

Seine lebensraumgestaltenden Aktivitäten bringen den Biber jedoch auch in den Konflikt mit dem Menschen. Sie stauen Gewässer auf, überfluten Felder, unterminieren Uferböschungen, fällen Bäume oder fressen sich an Feldern satt. Davon können die Landwirte ein Lied singen. „Es gibt keinen Bach im Landkreis ohne Biber und sie haben keine natürlichen Feinde“, seufzt der BBV-Kreisvorsitzende Ulrich Niederschweiberer. „Sie stauen sogar die Entwässerungsgräben unserer Felder auf“.

Niederschweiberer führt weiter aus, dass der Biber nicht nur die Flüsse aufstaut, sondern sich auch bei den Feldfrüchten, beispielsweise Mais oder Zuckerrüben, bedient. „Dieser Schaden wird immer ein bisschen heruntergespielt“, bedauert der BBV-Kreisvorsitzende.

Biber-Schadensfonds soll helfen

Um in Konfliktsituationen zu vermitteln und zu beraten, wurde das Bayerische Bibermanagement ins Leben gerufen. Ziel ist eine langfristige Lösung, in der Konflikte zwischen Mensch und Biber minimiert werden. Für den Ausgleich von Schäden steht zusätzlich der Biber-Schadensfond der bayerischen Staatsregierung zur Verfügung, erläutert der Biberbeauftragte Wagner. Das sei aber nur die halbe Wahrheit, gibt Ulrich Niederschweiberer zu bedenken. „Die Schäden durch den Biber werden immer mehr, der Biberfond wird aber nicht aufgestockt“.

Die sogenannte Zugriffsmaßnahme stellt das letzte Mittel dar. Biber dürfen nur entnommen werden, wenn Präventionsmaßnahmen erfolglos waren und beispielsweise erheblich wiederkehrende wirtschaftliche Schäden dies rechtfertigen. Wann die Voraussetzungen zur Biberentnahme vorliegen, ist in den Richtlinien zum Bibermanagement genau definiert, macht der Biberbeauftragte Wagner deutlich.

Landwirte und Jäger sind nicht gut auf Biber zu sprechen

Doch auch die Jäger sind nicht erpicht darauf, für Biber Verantwortung zu übernehmen, sagt beispielsweise der Heimatpfleger Rudolf Neumaier. Während es den Landwirten recht wäre, wenn diese Nager unters Jagdrecht fielen, wehren sich die Jäger. Denn käme es so, müssten sie für die Schäden aufkommen, die der Biber in ihren Revieren anrichtet.

Ein Baum, der von einem Biber angenagt wurde. Er ist dadurch nicht mehr sehr standfest.

Angenagte Bäume gefährden Fußgänger

Landwirte wie Jäger machen zudem darauf aufmerksam, dass die Biber durchaus eine Gefahr für Spaziergänger darstellen. So fallen bei stärkerem Wind schon mal Bäume einfach um, die der Biber rundherum angenagt hat.

Biber halten keinen Winterschlaf, sie sind sie vor allem in der Dämmerung und nachts aktiv. Daher ist eine Begegnung mit einem Biber eher eine Seltenheit. Sollte es doch einmal dazu kommen, gilt es zu beachten, dass es sich bei einem Biber um ein Wildtier handelt, dass sich, wenn es sich in die Enge getrieben fühlt, durchaus verteidigen kann. Ansonsten sind Biber jedoch friedliche Tiere und auch Berichte über Biber, die gemeinsam mit Menschen schwimmen sind durchaus häufig.

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