Meister an der Playstation: Unter seinen flinken Daumen erwacht Eusébio zu neuem Leben

Ein Contoller, eine Konsole und ein Bildschirm:Daniel Butenko gehört zu den besten Gamern der eFootball-Szene Deutschlands. Jetzt gewann er den Heimspiel-Cup von Kicker. Die Prämie von 1000 Euro überlässt er seinem Heimatverein, dem TSV Neumarkt-St. Veit. 1. FC Nürnberg
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Daniel Butenko zählt zu den besten eFußballern Deutschlands. Jetzt siegte er beim Kicker Heimspiel-Cup und spendet die 1000 Euro in die Kasse der Fußballer vom TSV Neumarkt-St. Veit. Sein Traum? Einmal Weltmeister werden!

Neumarkt-St. Veit – Corona lähmt zwar den Sportbetrieb auf sämtlichen Fußballplätzen der Nation. Doch virtuell wird weiter fleißig auf Torejagd gegangen. Zum Heimspiel-Cup hatte das Fußball-Magazin Kicker eingeladen. In einem der größten eSport-Turniere Deutschlands traten mehr als 3700 Teilnehmer an, darunter zahlreiche Spieler für ihre Amateurvereine. Den Hauptgewinn, 1000 Euro für die Vereinskasse, gewann Daniel Butenko – und der TSV Neumarkt-St. Veit freut sich.

2016 an der Konsole Deutscher Meister

Daniel „Bubu“ Butenko ist kein Unbekannter in der virtuellen Fußballer-Szene. Der 20-Jährige aus Neumarkt-St. Veit hatte 2015 für Schlagzeilen gesorgt, als er sich als einziger Deutscher für den FIFA Interactive World Cup qualifiziert hatte und ein Jahr später sogar Deutscher Meister an der Playstation wurde. Seit 2015 ist er eFootball-Profi, seit 2017 beim 1. FC Nürnberg unter Vertrag, repräsentiert den Club bei öffentlichen Veranstaltungen, seit 2019 betreibt er das flinke Spiel am Controller hauptberuflich. Man kann also gut davon leben.

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Für den „Club“ kickt der 20-Jährige über seinen Controller in einer virtuellen Bundesliga, in der 22 bekannte Fußballvereine der ersten und zweiten Bundesliga vertreten sind. Über zwölf Wochen ging das mit bis zu zwei Spieltagen pro Woche. Die Playoffs hat Butenko mit seinem Team erreicht, dann war leider Schluss. Allerdings: Butenko selbst ist in der Wertung der Playstation-Spieler Dritter von 22 geworden. Die Saison war dann aber gelaufen.

Alternativ kickt er bei Amateurturnieren auf der Jagd nach Preisgeldern. „Umso schöner ist es, wenn man damit seinen Heimatverein unterstützen kann, wie es jetzt der Fall ist.“ Denn schließlich mache die Corona-Krise auch vor den Vereinen nicht halt. „Die 1000 Euro sollen helfen, dass der TSV gut durch die Krise kommt“, freut sich der Neumarkter, der sich auch als Trainer in der Fußballabteilung des TSV Neumarkt-St. Veit engagiert.

Diesen Hauptgewinn heimste er bei seinem jüngsten Husarenstück, dem Sieg beim Heimspielcup der Fachzeitschrift Kicker, ein. 3700 Gamer aus ganz Deutschland beteiligten sich an diesem Spiel, wobei Butenko als Favorit auf die virtuelle Torejagd gegangen war. Im Finale bezwang er Jan „der Wendler“ Wendler vom SV Neuhof-Taunusstein, als er zwei von drei Spielen für sich entschieden hatte.

Behrens virtuell so stark wie Gortezka

Wie muss man sich eine virtuelle Mannschaft vorstellen? Butenko erklärt, dass er eFußballer im Ligenbetrieb mit Spielern antritt, die analog dem aktuellen Kader des 1. FC Nürnberg entsprechen. Um unter allen Mannschaft ein gewisses Gleichgewicht zu schaffen, verfügen alle virtuellen Spieler über die gleiche Spielstärke – in der eBundesliga entspricht dies der Kennzahl 85 auf einer Skala bis 100. Ein Hanno Behrens hat also in der digitalen Bundesliga die gleichen physischen Voraussetzungen wie Bayerns Mittelfeldspieler Leon Goretzka. „Stürmer sind jedoch schneller als Verteidiger“, nennt Butenko einen grundsätzlichen Unterschied in den einzelnen Mannschaftsteilen. Es obliegt also dem taktischen Geschick und den Fertigkeiten des Steuermannes hinter dem Controller, wie sie diese Spielstärken letztlich einsetzen.

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Anders verhält es sich, wenn Butenko sein FIFA Ultimate Team aufstellt. Dann darf er in der Welt des eSports auf sämtliche Superstars zurückgreifen, die man aus jahrzehntelanger Fußballgeschichte kennt. Klar, ein Messi mit einer Spielstärke von 99 darf in solch einem Team nicht fehlen. Aber auch Ikonen wie Zinédine Zidane finden sich im Team von Butenko. Sein Lieblingsspieler ist aber die portugiesische Legende Eusébio. „Weil er einer der flinksten Spieler ist, schussgewaltig, dribbelstark und passsicher“, schwärmt der Neumarkter.

Doch auch ein Eusébio gewinnt solch ein Computerspiel nicht von alleine. Um einer der Besten in ganz Deutschland zu werden, muss Butenko viel Zeit am Bildschirm investieren. Vier Stunden pro Tag seien normal. Wenn allerdings ein Turnier ansteht, zockt der Neumarkter bis zu sieben Stunden täglich, um sich fit für die Turniere zu machen, die größtenteils via Internet stattfinden. Die Fertigkeiten am Controller sind dabei das eine. „Instinkt und Antizipation das andere. Man muss denken wie ein Trainer, sich in den Gegner hineinversetzen, ihn lesen. Selbst aber immer einen Schritt voraus sein“, verrät Butenko.

Corona hemmt auch die interaktiven Fußballer

Fast könnte man meinen, dass Corona auf die interaktiven Wettkämpfe kaum einen Einfluss haben könnte. Doch Butenko schüttelt den Kopf. Qualifikationsturniere finden zwar online statt, „wobei das auch schon schwierig ist, wenn sich die Bandbreiten im Internet unterscheiden oder der Anbieter Schwierigkeiten mit der Leitung hat.“ Doch wenn finale Entscheidungen anstehen, dann werden diese in der Öffentlichkeit ausgetragen. Publikumswirksame Events. Doch in Zeiten von Corona? Fehlanzeige.

Nachdem die Deutsche Meisterschaft bereits dem Virus zum Opfer gefallen ist, bangt Butenko auch um die Austragung desFIFA eWorld Cups 2020. Nach 2015 möchte er wieder daran teilnehmen, die Ausscheidung dafür beginnt eigentlich im Mai, die Endrunde würde im August in London stattfinden. „Teilnehmer war ich schon. Einen WM-Titel zu erringen  das möchte ich auf jeden Fall noch mal probieren!“

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