11.380 Kilometer

Mehr Freizeit durch Homeoffice: Pendler Max Huber aus Schönberg wird zum Langstreckenradler

Der Beweis: 11390 Kilometer, eine Distanz von München bis Buenos Aires, legte Max Huber im vergangenen Jahr zurück. Enzinger
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Der Beweis: 11390 Kilometer, eine Distanz von München bis Buenos Aires, legte Max Huber im vergangenen Jahr zurück. Enzinger
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Ein fleißiger Radsportler war Max Huber immer schon. Kein Jahr, in dem er weniger als 5000 Kilometer runterkurbelt. 2020 aber stellt er einen Rekord auf: Erstmals knackt er die 10.000-Kilometer-Schallmauer. 11.380 Kilometer sollte sein Tacho schließlich anzeigen. Corona spielte dabei eine große Rolle.

Schönberg – 11 380 Kilometer – eine Distanz, die in etwa der Entfernung von München bis Buenos Aires in Argentinien entspricht. „Mit Homeoffice ist es natürlich leichter gegangen, so viele Kilometer zu sammeln“, kommentiert der 61-jährige Schönberger fast schon bescheiden diese Leistung. Schon vor zwei Jahren habe er seine Arbeitszeit auf 30 Stunden pro Woche reduziert. „Am Freitag hatte ich also von Haus aus frei!“

Viel zeit durch das pendeln verloren

Und dadurch, dass der Angestellte der Deutschen Bahn seit dem ersten Lockdown im März 2020 seine Bürotätigkeiten im Homeoffice in Unterweinbach, Gemeinde Schönberg, erledigt und nicht mehr nach München pendeln muss, bleiben seitdem pro Tag über drei Stunden mehr Freizeit. Und die investierte der Schönberger eben in Radfahrten.

Vor allem in Fürhling und Sommer unterwegs

Vor allem im Frühling und im Sommer ging es mit dem Zug ins Voralpenland. Die Touren bewältigte er – anders als man es vielleicht vermuten würde – ohne Hilfsmotor. Die 11 000 Kilometern erradelte der 61-Jährige mit seinem Trekking-Rad. Die Trekking-Variante statt Rennrad deswegen, „weil es auch Radwege gibt, die nicht asphaltiert sind“, erklärt Max Huber. Dann ist Flexibilität und die entsprechende Bereifung gefragt.

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Täglicher Durchschnitt von 30 Kilometern

Über das Jahr verteilt sind das immerhin 30 Kilometer, die er im Tagesdurchschnitt runtergeradelt hat. „Ganz entspannt“, erzählt Huber, es sei ihm dabei nie darum gegangen, Geschwindigkeitsrekorde aufzustellen oder Höhenmeter zu sammeln. „Man muss sich schließlich seine Kraft schon einteilen“, fügt Huber hinzu. „Lieber etwas weiter fahren, dafür aber die Buckel weglassen“, so Huber. Marathonfahrten von bis zu 160 Kilometern können dann schon mal der Fall sein.

Möglichkeiten in den Bergen sind nahezu grenzenlos

Traunstein, Salzburg, Rosenheim, Ruhpolding – die Berge haben es dem Schönberger bei der Wahl seiner Ziele angetan. „Weil die Möglichkeiten grenzenlos sind.“ Er schwärmt von Touren, die ihn mit dem Zug nach Hörpolding bei Traunreut geführt hätten und von dort nach Siegsdorf, „einen hervorragenden Ausgangspunkt sämtlicher Ausfahrten“.

Siegsdorf als hervorragender Ausgangspunkt für die Radfahrten

Bergen oder Marquartstein, Aschau oder Schleching, auch Oberaudorf besuchte der Pedalritter. „Maxlrain und Schönram eignen sich als Stopps, wenn man in einen Biergarten gehen will“, verrät er, verweist allerdings darauf, dass die Möglichkeiten im letzten Jahr pandemiebedingt reduziert waren.

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Auf stillgelegten Bahnlinien unterwegs

Den 61-Jährigen locken aber nicht nur die Berge. Auch im nördlichen Landkreis fühlt sich der Radler wohl, nutzt das Radwegenetz entlang von Vils oder Binatal, wo auch stillgelegte Bahnlinien als Radwege dienen.

Zufrieden über gut ausgebautes Radwegenetz

Am Ausbau der Radwege hat der Schönberger nichts zu mäkeln. „Die Radwege sind auch sehr gut beschildert“, ergänzt Huber. Er jedenfalls benötige kein Navigationsgerät, das ihm feste Routen vorgibt, „Ich habe oft auch keine festen Ziele, fahre drauf los. So wird es nie langweilig.“ Und wenn er sich tatsächlich mal verirren sollte: „Dann richte ich mich nach der Sonne!“, lacht der 61-Jährige.

In einem Jahr zweimal den Zahnkranz gewechselt

Die vielen Kilometer hinterlassen natürlich Spuren am Material: „Der Zahnkranz am Hinterrad hält 7000 bis 8000 Kilometer. Den hab ich im letzten Jahr zweimal gewechselt, im Mai und im November!“ Bei den Reifen setzt er auf pannensicheres Material. „Und geschmissen hat es mich kein einziges Mal“, so die Bilanz des Rekord-Jahres.

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Doppelt so viele Kilometer als mit Auto

Das Corona-Jahr mit seinen Auswirkungen auf das Arbeitsleben des Schönbergers hat zwar die Gesamtbilanz nach oben getrieben, aber ein fleißiger Radfahrer war Max Huber immer schon. 5000 Kilometer vor drei Jahren, 7000 im Jahr danach und 2019 sogar schon 8000 Kilometer. Huber hatte sich von Jahr zu Jahr gesteigert.

Keine Vereinsfeste? Dann wird eben Radl gefahren

Dass es über 11 000 aber werden sollte, habe auch daran gelegen, dass es 2020 quasi keine Vereinsfeste gegeben hat, „keine Veranstaltungen, die man besuchen konnte.“ Also hieß es für Huber: Raus in die Natur.

Das Auto steht die meiste Zeit in der Garage

Und das Kilometer-Ziel in diesem Jahr? „Da habe ich mir keine gesetzt. Erstens ist das witterungsabhängig. Außerdem muss auch meine Gesundheit mitspielen! Ich lass das auf mich zukommen!“ So wie 2020. Da lautete das Ziel lediglich: Mehr Kilometer mit dem Rad als mit dem Auto. Diese Vorgabe hat er locker erreicht. „Mit dem Auto bin ich keine 5000 Kilometer gefahren!“ Mittlerweile geht es mit dem Rad auch zum Einkaufen. Von Schönberg nach Neumarkt-St. Veit – da hat er auch schon von vier auf zwei Räder reduziert.

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