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Marschziel am Kriegsende war Zangberg

Schon im Mai 1941 mussten die Schwestern ihr Kloster verlassen. Im Frühjahr 1944 hatte Weingut I dort einen Sitz. Hitler hatte einen "Nero-Befehl" erlassen, wonach nichts in feindliche Hände fallen sollte, was von Bedeutung sein konnte. So war auch die Sprengung des Klosters geplant.
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Schon im Mai 1941 mussten die Schwestern ihr Kloster verlassen. Im Frühjahr 1944 hatte Weingut I dort einen Sitz. Hitler hatte einen "Nero-Befehl" erlassen, wonach nichts in feindliche Hände fallen sollte, was von Bedeutung sein konnte. So war auch die Sprengung des Klosters geplant.

Auf großes Interesse stieß ein Vortrag des Heimatforschers Ludwig Lohr zum Thema "Endlösung Süden". Darin beschäftigte er sich mit der Heimatgeschichte der letzten Kriegstage in der Gegend von Zangberg, dem nördlichen Landkreis und dem niederbayerischen Grenzgebiet.

Viele Interessierte kamen auch von auswärts.

Zangberg - Am Gedenktag zur Befreiung vom KZ Auschwitz berichtete Ludwig Lohr von den Leidensmärschen von KZ-Häftlingen aus den Lagern Buchenwald und Flossenbürg in den Raum Ampfing, von Märschen englischer Kriegsgefangener aus Sagan in Polen und von der Verlegung bedrohter Rüstungsindustrie nach dem Süden, so auch ins Kloster Zangberg.

Zum Marsch englischer Kriegsgefangener gibt es keine Unterlagen, nur Aussagen von Zeitzeugen. Diese hat der Heimatforscher in seiner Broschüre "Endlösung Süden" zusammengestellt. Die Gefangenen wurden demnach von Landesschützen bewacht. Tote hat es laut Lohr unter ihnen nicht gegeben. 1100 seien im Raum Zangberg angekommen. Zuhörerin Therese Asenbeck bestätigte, dass 250 Engländer auf dem elterlichen Hof in Herrnteisenbach einquartiert waren. Sie wurden am 2. Mai von den Amerikanern befreit.

40 KZ-Häftlinge ermordet

Hingegen wurden die KZ-Häftlinge von der SS bewacht und erbarmungslos ermordet, wenn sie nicht mehr weiter konnten oder zu fliehen versuchten. Insgesamt 40 Häftlinge seien auf ihrem Zug von Seyboldsdorf nach Lohkirchen und Zangberg ums Leben gekommen. Laut Auskunft der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg verließen am 16. April 1945 etwa 1000 Häftlinge per Bahn Flossenbürg. In Altheim bei Landshut sei dieser Transport in drei Gruppen geteilt worden und in mehreren Zügen nach Süden marschiert. Deren Weg und seine Stationen zeigte Lohr auf einer topografischen Karte.

Er ging auch auf Angehörige der russischen, deutschfreundlichen Wlassow-Armee ein. In Hinkerding befanden sich 120 dieser Armeeangehörigen. Der ehemalige Lohkirchener Pfarrer Wimmer habe 1955 erklärt, dass er drei im Riederinger Holz aufgefundene Russen in Lohkirchen beerdigt habe.

Kloster sollte gesprengt werden

Im letzten Abschnitt beschäftigte sich der Referent mit dem Kloster Zangberg: Das Vorrücken der Alliierten bedingte, Einrichtungen und Maschinen der Rüstungsindustrie in Sicherheit zu bringen. Unter der Tarnbezeichnung "Weingut" sollte in Mettenheim und in Landsberg/Lech das Düsenflugzeug ME 262 angefertigt werden. Im Mettenheimer Hart wurden dazu riesige Bögen betoniert.

Schon im Mai 1941 mussten die Schwestern ihr Kloster verlassen. Im Frühjahr 1944 hatte "Weingut I" einen Sitz im Kloster. 500 Personen begannen mit 220 großen Maschinen die Arbeit.

Hitler hatte einen sogenannten "Nero-Befehl" erlassen, wonach nichts in feindliche Hände fallen sollte, was für diese von Bedeutung sein konnte. So war auch die Sprengung des Klosters in Zangberg geplant. Ein AEG-Ingenieur, Georg Borg, verhinderte dies nach den Recherchen des Referenten mit einer List. Der bekannte, vor Jahren verstorbene Diplom-Ingenieur Anton Buchmeier hatte deshalb vorgeschlagen: "Eine besondere Würdigung sollte auch Oberingenieur Georg Borg erfahren, der 1945 den Auftrag hatte, das ehemalige Schloss und heutige Kloster zu sprengen und dies unter Einsatz des eigenen Lebens beziehungsweise entgegen seinem Fahneneid nicht getan hat. Er hat damit vermutlich einer erheblichen Anzahl von Personen im und um das Kloster das Leben gerettet sowie bedeutende Sachwerte vor der Zerstörung bewahrt."

Ein zweites Mal blieb das Kloster vor einer Zerstörung bewahrt, denn von einer verstorbenen Schwester ist die Aussage eines Amerikaners überliefert: Wenn sie gewusst hätten, was hier alles für Maschinen standen, wäre kein Stein auf dem anderen geblieben. gth

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