Abschied aus der Gemeinde

Manfred Hößl zieht noch einmal alle Register: Widors „Toccata“ zum großen Finale in St. Veit

Manfred Hößl am Orgeltisch von Sankt Veit: 1988 kam Hößl in die Rottstadt und sorgte mit die musikalische Untermalung der Gottesdienste. Jetzt geht der 65-Jährige in Rente.
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Manfred Hößl am Orgeltisch von Sankt Veit: 1988 kam Hößl in die Rottstadt und sorgte mit die musikalische Untermalung der Gottesdienste. Jetzt geht der 65-Jährige in Rente.

Nach 33-jähriger Tätigkeit beendet Manfred Hößl seine berufliche Laufbahn in Neumarkt-St. Veit. 1988 war er als Chorregent in die Rottstadt gekommen, prägte mit seinem Orgelspiel die Gottesdienste für alle Anlässe. Jetzt beginnt ein neuer Lebensabschnitt für den 65-Jährigen, der Neumarkt-St. Veit verlassen wird.

Von Josef Enzinger und Siegfried Huber

Neumarkt-St. Veit – Manfred Hößl zieht noch einmal sämtliche Register. Wenn der Organist zur Sonntagsmesse den Chorraum betritt, wird er zum letzten Mal die Tasten der Orgel in der St. Veiter Stiftskirche bedienen. Denn mit der Erreichung des Rentenalters endet für den Kirchenmusiker, der als Dirigent auch den St. Veiter Kirchenchor geleitet hat, seine Arbeit in St. Veit. 33 Jahre prägte er die Gottesdienste in Neumarkt.

Offiziell endet seine Engagement am 30. November 2020 und damit über drei Jahrzehnte, nachdem er seinen Dienst in St. Veit angetreten hatte. „Es sind noch drei Firmungen und der Gottesdienst am Sonntag. Danach ist Schluss“, erklärt Hößl. Zum 1. Januar 1988 wurde Manfred Hößl von der Kirchenstiftung Sankt Veit als Chorregent angestellt. An der Orgel brachte Manfred Hößl zahlreiche Orgelkonzerte, viele Orchestermessen sowie diverse Konzerte für verschiedene Ensembles zu Gehör.

Erst Kirchenmusiker in Passau

Manfred Hößl begann seine kirchenmusikalische Laufbahn mit dem Studium an der Kirchenmusikschule Bayreuth und beendete diese mit der Reifeprüfung an der Kirchenmusikschule Regensburg als Berufs-Musiker sowie als Musiklehrer, Es folge die Anstellung als Kirchenmusiker und Musiklehrer in der Diözese Passau. Hößl übte die Tätigkeit zunächst in Burghausen und Altötting aus, wo er neben der Kirchenmusikerstelle als Lehrer am Bischöflichen Seminar, am Kapuziner-Seminar in Burghausen sowie als Lehrer an der Berufsschule für Musik in Altötting tätig war. Zusammen seiner Ehefrau, der Kirchenmusikerin Angelika Renges-Hößl, bildete er im Auftrag der Diözese Passau Blechbläser aus und leitete mehrere Jahre die Auftritte der Neuöttinger Nikolausbläser.

Altes Notenmaterial ins Internet gestellt

Die Kirchenmusik von Sankt Veit hat eine lange Tradition. So besitzt die Sankt Veiter Kirche, ehemals ein Benediktinerkloster, einen reichen Schatz an Noten, alten Drucken und Handschriften. Manfred Hößl sah es ab dem Jahr 2000 als seine Aufgabe an, diese Noten in unzähligen Stunden in eine zeitgemäße Notation abzuschreiben, sie zu digitalisieren und im Internet für jedermann zugänglich zu machen. „Teilweise griffen bis zu 1000 Leute pro Tag auf diesen Fundus zu“, berichtet Hößl nicht ohne Stolz.

Werke digitalisiert und in aller Welt verbreitet

Mit dem Kirchenchor und dem Orchester hat Hößl in 33 Jahren viele festliche Ereignisse musikalisch begleitet.

Durch diese mühselige Arbeit verhinderte Manfred Hößl den Verlust wertvollen Notenmaterials aus einer besonderen Musikepoche, die bis ins frühe 19. Jahrhundert zurückreicht und vor allem große und kleine Orchester-Messen hervorgebracht hatte. Messen, Requien, Oratorien, Vespern - alles, was den kirchenmusikalischen Bedarf abdeckt - überarbeitet Hößl. Unter seiner Leitung wurden diese Stücke regelmäßig vom Sankt Veiter Kirchenchor und vom Orchester bei kirchlichen Hochfesten und Konzerten, regelmäßig auch bei Weihnachtskonzerten, aufgeführt. Dank weltweiter Vernetzung werden diese Werke inzwischen in vielen Ländern rund um den Globus aufgeführt, von Neuseeland bis in die USA erfreuen sie sich großer Beliebtheit.

Corona-Pandemie hat die Probenarbeit mit dem Chor vor einem halben Jahr auf Eis gelegt

Auch in Neumarkt. Doch in letzter Zeit ist es still geworden in der Kirche. Die Corona-Pandemie hatte zur Folge, dass seit März 2020 keine Proben und Aufführungen mehr stattfinden können. Kirchenchor und Orchester bedauern diese Entwicklung sehr, da sowohl für die Verabschiedung Manfred Hößls und auch die Überreichung der Dankurkunden an die Kirchenchor-Mitglieder auf einen unbestimmten Zeitpunkt verschoben wurden. „Klar, ich hätte mir auch einen anderen Abschied vorgestellt. Aber es hilft ja nichts“, sagt Hößl dazu. Vor allem um den Kirchenchor tut es ihm leid, den er gerne noch verjüngt hätte. In Zeiten, in denen die Kirchen immer leerer würden, sei es auch schwierig geworden, Nachwuchssänger für den Chor zu gewinnen. Das Corona-Virus habe dieses Bemühen nun komplett zum Erliegen gebracht, bedauert der 65-Jährige.

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Mit dem Umzug gibt es eine neue Orgel

Wie geht es jetzt für den leidenschaftlichen Kirchenmusiker weiter? „Wir werden zu meiner Tochter nach Tüßling ziehen“, freut sich Hößl schon darauf, mehr Zeit mit seinen beiden Enkelkindern zu verbringen. Seine Passion für das Orgelspiel bleibt natürlich erhalten. Wenn er in eine neue Wohnung im Landkreis Altötting wechselt, wird auch eine neue Orgel mit einziehen.

Nuees Zuhause mit neuer Orgel

Zwei Stunden übt Hößl täglich am Orgeltisch, dies will er auch weiterhin beibehalten. Zu seiner Nachfolge in St. Veit kann Hößl nichts sagen. „Es wird aber erfahrungsgemäß sehr schwer werden, Nachfolger zu finden. Denn pro Jahr scheiden im Erzbistum acht Chorregenten aus dem Amt, nur zwei bis drei folgen nach erfolgreichem Studium nach“, weiß Hößl. Und auch Pfarrer Franz Eisenmann bestätigt, dass ein Nachfolger derzeit noch nicht in Sicht sei. Zum 1. Dezember 2020 sei die Stelle neu ausgeschrieben worden. Bislang gebe es keine Rückmeldung. Man werde wohl auf Aushilfen zurückgreifenmüssen, um die feierlichen Messfeiern zu gestalten.

Zum Abschied ein besonderer Auszug

Am kommenden Sonntag aber wird auf jeden Fall noch einmal die Sankt Veiter Orgel erklingen. Hößl hat sich einen ganz besonderen Auszug überlegt. Die „Toccata“ von Charles-Marie Widor soll das letzte Stück sein, das Hößl bei der Messe um 10.30 Uhr auf der Orgel zu St. Veit erklingen lassen wird.

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