Ein Mandelstrauch zur Erinnerung

Als Zeichen der Erinnerung legten die Teilnehmer der Gedenkveranstaltung am KZ-Friedhof, mit knapp 50 Personen so viele wie lange nicht mehr, Blumengebinde an den Grabstellen nieder.

392 Personen sind es, die im KZ-Friedhof vor den Toren Neumarkt-St. Veits begraben liegen. Unbekannte Personen, die jedoch nicht vergessen sind. Gestern setzte Bürgermeister Erwin Baumgartner einen Mandelstrauch – eine Pflanze mit großem Symbolwert.

Neumarkt-St. Veit– Alljährlich zum Tag des Kriegsendes, am 8. Mai, gedenken Vertreter der Kirchen, des Stadtrates und Privatpersonen der unter der Gewaltherrschaft der Nationalsozialisten umgekommenen Opfer. Pfarrer Franz Eisenmann und Pfarrerin Anke Sänger appellierten an die Teilnehmer der Gedenkveranstaltung, die Getöteten nicht zu vergessen und wachsam zu sein, damit sich diese Zeiten voller Greueltaten nicht wiederholen.

Ausführlich ging Neumarkts Bürgermeister Erwin Baumgartner am Gedenktag auf die Ereignisse ein, die sich 1945 in den Gefangenenlagern abgespielt hatten. „Noch vor dem offiziellen Kriegsende wurde das Waldlager und die noch verbliebenen Gefangenen von den US-Soldaten am 28. April befreit. 600 Häftlinge wurden angetroffen und in provisorischen Lazaretten in Ampfing, Ecksberg und im Mühldorfer Krankenhaus versorgt. Was sie noch endeckten, war ein grausamer Fund. Im Mühldorfer Hart waren 2249 KZ-Gefangene in Massengräbern verscharrt.“

Nach der Entdeckung weiterer Toter sei 1946 die vollständige Auflösung des Massengrabes im Mühldorfer Hart erfolgt. Die KZ-Friedhöfe in Mühldorf, Kraiburg, Burghausen und Neumarkt-St. Veit bestehen noch – 392 Verstorbene aus dem Massengrab sind vor den Toren der Rottstadt bestattet.

In der Hoffnung, dass so etwas wie das drittte Reich nie wieder passiert, gelte es die Erinnerung wach zu halten. Etwa an Tibor Dembik, der der Todesmaschinerie der Nazis entfliehen konnte. „Wir wollen eine neu zu bauende Straße nach Tibor Dembik nennen. Denn ein Straßenname hat ein großes Erinnerungsvermögen.“ Viele Leute werden dort wohnen, werden dort hinfahren und alle werden sich fragen: Wer war dieser Tibor Dembik. Warum wurde nach ihm eine Straße benannt?“ Das sind Möglichkeiten, diese Erinnerungen wach zu halten und vor dem Vergessen zu schützen.

Baumgartner wollte gestern auch ein sichtbares Zeichen setzen, erinnerte dabei an den Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus im Januar in Mühldorf. Dabei sei ein Gedicht von Shalom Ben Chorin vorgelesen worden, in welchem es um einen Mandelbaum ging.

Der Mandelbaum bedeutet im Hebräischen „Der Wachsame“ oder „Der Erwachende“, wie auch Pfarrer Franz Eisenmann schon vorher das Thema aufgriffen hatte. Baumgartner meinte dazu: „Er ist also auch ein Symbol für das wieder erwachende Leben oder für die Beständigkeit des Lebens!“ Gemeinsam pflanzten die Geistlichen und Baumgartner anschließend einen Mandelstrauch.

Die Bläsergruppe unter der Leitung der Familie Hösl begleitete die Veranstaltung mit Chorälen. Im stillen Gedenken hinterlegten die gekommenen Teilnehmer Blumengebinde an den Grabsteinen nieder. Wie in all den Jahren zuvor gab es Sträußchen, welche die Anwesenden – in diesem Jahr so viele wie selten zuvor – an den Grabstellen verteilten.

Pfarrerin Sänger bemerkte abschließend: Mit ist nicht bange, dass der Mandelstrauch wächst und gedeiht!“ Sie sah ihn als Sinnbild des friedvollen und gedeihlichen Zusammenlebens in Neumarkt-St. Veit.

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