Als Lohn gibt es zwei Hühner

Nach jahrhundertealter Tradition überreichten Leonhard Biermaier (links) und Vorsitzender Christian Hans (rechts) symbolisch zwei Hühner an Pfarrer Pjotr Wandachowicz. Josef Padlesak

Erharting –Seit der Wiedereinführung des Stephani umrittes im Jahr 1981 durch Sepp Vorbuchner gehört das „Vergelt’s Gott sagen“ aller Beteiligten für den unfallfrei verlaufenen Umritt zum Brauch.

So hatte sich auch diesmal eine Anzahl von Pferdefreunden und Darstellern von den Motivwagen in der Erhartinger Pfarrkirche eingefunden. Pfarrer Pjotr Wandachowicz zelebrierte gemeinsam mit Pfarrer Hans Fischer, der eigens aus Schönau am Königssee angereist war, den Dankgottesdienst.

Wandachowicz hatte hoch zu Ross am Umritt teilgenommen. Er ging auf die Evolution des Pferdes ein, die sich über einen Zeitraum von 60 Millionen Jahren vom Minipferdchen in der vergleichbaren Größe eines Fuchses bis zur heutigen Statur der Rösser ent wickelt hat. Hier staunten auch die Rosserer nicht schlecht, so viel Wissen des Geistlichen über Reit- und Zugtiere. Mit einem Rückblick auf 60 Millionen Jahre konnte der Brauchtumsverein zwar nicht aufwarten, aber über 430 Jahre nachweisliche Stephaniumritttradition sollten auch nicht unerwähnt bleiben.

Aufgrund von Nachforschungen in den Frixinger Kirchenrechnungen lässt sich der Umritt bis zum Jahr 1589 zurückverfolgen. Schon damals vermerkt der Rechnungsschreiber, dass der Umritt „ein altes Herkommen“ hat, also schon vor dem erwähnten Jahr stattgefunden hatte.

Erinnerung anNaturalvergütung

Der Pfarrer erhielt über Jahrhunderte hinweg für das Zelebrieren des Stephaniamtes als Lohn zwei Hühner. Dies nahm der Brauchtumsverein zum Anlass, an diese Naturalvergütung zu erinnern. Wandachowicz war überrascht, als ihm Vorstand Christian Hans und sein Vertreter Leo Biermaier symbolisch zwei Hühner der Rasse „Dekohuhn aus dem Stall Baumarkt“ in einem Nest als Aufwandsentschädigung für die Gestaltung des Dankgottesdienstes überreichten.

Nach dem Rossereramt in der Erhartinger Pfarrkirche fanden sich die Teilnehmer im Gasthaus Pauliwirt zum Ausklang des Stephaniumrittes ein. Josef Padlesak aus Mühldorf, der schon seit zehn Jahren die Aktivitäten des Brauchtumsvereins mittels Film und Fotos festhält, hatte auch den zurückliegenden Umritt mit all seinen Facetten bildlich aufbereitet. Bei dieser Bilddokumentation konnten sich alle am größten Stephaniumritt Bayerns mit lebenden Heiligendarstellungen aus der Sicht des Zuschauers betrachten.

Die Pferdefreunde, die aus den umliegenden Landkreisen nach Erharting gekommen waren, erfuhren, dass 184 Pferde, drei Esel und 20 Motivwagen mit insgesamt 80 Darstellern beim Umritt dabei waren. Vorsitzender Christian Hans erläuterte, dass etwa 1260 Arbeitsstunden, angefangen in der Vorbereitung bis hin zum Abschluss des Festtages, in der Landgemeinde an der Isen notwendig waren.

Mit einem Ausblick auf die bevorstehenden Umritte der befreundeten Vereine klang der Dankabend aus. bil

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