Lohkirchener Gemeinderat stellt Weichen für Raiffeisengebäude – doch es ist der Wurm drin

Man sieht das Gebäude vor lauter Kabeln nicht: Die Kabelrollen sind aber nicht für die Sabierung des Raiffeisengebäudes gedacht, sondern für den Breitbanderschließung vorgesehen. Der Stadrtschuss für den Umbau des Raiffeisengebäudes soll im Herbst fallen.
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Man sieht das Gebäude vor lauter Kabeln nicht: Die Kabelrollen sind aber nicht für die Sabierung des Raiffeisengebäudes gedacht, sondern für den Breitbanderschließung vorgesehen. Der Stadrtschuss für den Umbau des Raiffeisengebäudes soll im Herbst fallen.

Vier Jahre wurde diskutiert, aber nichts entschieden. Jetzt aber geht alles ganz schnell: Schon im Herbst soll der Umbau des Raiffeisengebäudes am Ortsrand von Lohkirchen beginnen. Asylwohnungen sollen entstehen. Bevor die einzelnen Gewerbe anrücken können, ist aber Schädlingsbekämpfung angesagt.

Von Josef Enzinger

Lohkirchen – Vier Jahre Schonzeit sind vorbei, jetzt geht es den Schädlingen an den Kragen: So schnell wie möglich sollen Holzwurm und Co. im Gebälk des ehemaligen Raiffeisenhauses in Lohkirchen der Garaus gemacht werden damit im Anschluss daran die Sanierungsmaßnahmen starten können. „Es herrschte eine gute Stimmung im Gemeinderat. Jeder ist froh, dass es jetzt endlich losgehen kann“, kommentiert Gemeinderatsmitglied Reinhard Retzer, Ödp, die nun gefassten Beschlüsse, die eine umfangreiche Sanierung des Gebäudes am östlichen Ortseingang zum Ziel haben.

Martin Gruber: „Markantes Gebäude!“

Und das befürwortet auch der zweite Bürgermeister Martin Gruber (UWG), der den ortsbildprägenden Charakter der Immobilie ins Spiel bringt: „Es handelt sich ja doch um ein sehr markantes Gebäude. Das kann man nicht so stehen lassen!“

Zeitplan steht nach vier Jahren Diskussion

Dass es nach vierjähriger Diskussion nun endlich losgehen kann, das liegt an der hohen Schlagzahl, die Architekt Gerhard Bichler vorgegeben hat. Zusammen mit dem Planungsbüro Josef Reichenspurner hat er die Planungen und die Ausschreibungsunterlagen vorangetrieben, über die nun der Gemeinderat zu befinden hatte.

Lehmabdichtung an den Fundamenten und Eichenfenster

Bei einem Ortstermin mit dem Landratsamt Mühldorf, dem Landesamt für Denkmalpflege und der Regierung von Oberbayern wurden Materialien besprochen. Thema war auch die Putzsanierung. Anstelle einer Horizontalabdichtung fordert das Landesamt eine Lehmabdichtung außen an den Fundamenten. An den Innenwänden sind Heizschlangen vorgesehen, damit die Wände austrocknen und trocken bleiben. Anstelle von kostspieligen Metallfenstern werden Holzfenster zugelassen, vorzugsweise Eiche.

Nicht immer herrschte Einigkeit im Gemeinderat: Asylwohnungen mit Stadlcharakter kommen nicht bei jedem Gemeinderat gut an

Auch Außengestaltung förderwürdig? Architekt sagt ja

Heizkörper sollen die Wohnungen beheizen. Gemeinderatsmitglied Rupert Kirchisner (UWG) meinte, dass der Arbeitsraum der Küche einer der Wohnungen sehr schmal sei. Bichler empfahl, die Wand geringfügig zu versetzen. Bezüglich der Küchen müsse noch geklärt werden, ob diese in die zuwendungsfähigen Kosten einfließen können. Zu den Außenanlagen sagte der Architekt zu, die Darstellung auf das Umfeld zu erweitern. Die Außengestaltung werde seitens der Regierung im gleichen Förderprojekt als zuwendungsfähig berücksichtigt, betonte er.

Mammutprojekt für die kleine Gemeinde Lohkirchen

Der Zeitplan sieht vor, dass die Baumeisterarbeiten noch dieses Jahr beginnen können – aber nicht müssen. Die Rohbauarbeiten sollen jedoch bis Ende April 2020 abgeschlossen werden.

Im Beschluss hielt der Gemeinderat fest, dass die aktuellen Planungsunterlagen und die bereits vorliegenden bepreisten Leistungsverzeichnisse zum Einbau von Wohnungen im ehemaligen Raiffeisengebäude für die nachfolgenden Gewerke zur Kenntnis genommen wurden und diese auch versandt werden sollten.

Baubeginn jetzt schon in der 40. Kalenderwoche

Von Baumeister- und Putzarbeiten überZimmerer- und Dachdeckerarbeiten bis hin zu Elektro-, Maler-, Heizung, Spengeler, Trockenbau- und Estricharbeiten ist alles vorbereitet. Der Zeitplan für die Baumeisterarbeiten sieht einen Baubeginn in der 40. Kalenderwoche, Ende September, vor. Die Fertigstellung ist auf Anfang Juni 2021 terminiert.

Bürgermeister vergibt Schädlingsbekämpfung

Allerdings wird vorher noch dem Holzwurm der Kampf angesagt. Bis zur Gemeinderatssitzung lagen keine Angebote vor, weil auch die Ausschreibungsunterlagen nicht rechtzeitig vorgelegt worden waren. Die Vergabe sollte aber baldmöglichst erfolgen, da die anderen Gewerke ansonsten nicht beginnen können – darin war sich der Gemeinderat einig. Der Versand der Ausschreibungsunterlagen ist inzwischen erfolgt, die Submission ist für den 7. August angesetzt, die Vergabe anschließend mit einer Bindefrist bis 11. September. Im Beschluss wurde Bürgermeister Siegfried Schick (UWG) ermächtigt, den Auftrag für die Schädlingsbekämpfung an den wirtschaftlichsten Anbieter zu erteilen.

Darlehen in Höhe von 600 000 Euro bei der Kfw beantragt

Nachdem die Sperrfrist abgelaufen ist, nutzte der Gemeinderat in der Sitzung die Möglichkeit, den Kfw-Antrag neu einzureichen. Nachdem lange Zeit nichts passiert war, war der Anspruch darauf auf Eis gelegt worden. Einstimmig sprach sich der Rat für die Aufnahme eines Darlehens in Höhe von 600 000 Euro aus, inklusive Tilgungszuschuss in Höhe von 25 Prozent (150 000 Euro) aus. In der ursprünglichen Schätzung war von über 1,3 Millionen Euro Sanierungskosten die Rede.

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