Lohkirchener „Flower Power“ anno 1968: Wenn es mit der „Pink Lady“ ins Kornfeld geht

  • Josef Enzinger
    vonJosef Enzinger
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Auch mit 50 Jahren noch keine Ermüdungserscheinungen: Der Claas-Mähdrescher von Robert Eder ist ein echter „Matador“ – robust, zuverlässig und fleißig. Vor allen Dingen fällt er auf.

Lohkirchen – Ein Bett im Kornfeld – Kultsänger Jürgen Drews mag ja Gefallen daran finden, dass er sich das irgendwo ganz alleine macht. Doch wenn der Lohkirchener Robert Eder einen Ausflug ins Kornfeld macht, dann hat er seine Lady dabei – seine „Pink Lady“. Die Dame ist zwar als Alt-68erin nicht mehr die Allerjüngste, aber sie hat noch ordentlich Power. Im vergangenen Jahr hatte der Lohkirchener den Flower-Power-Mähdrescher bei den Eicher Raubtieren ersteigert.

Ein Schmuckstück für 2100 Euro

Kurzer Rückblick: Es war der Hingucker bei der Jubiläumsveranstaltung der Eicher Raubtiere“ aus Salmanskirchen im vergangenen Jahr: Ein „Claas Matador Standard“, ein echter 68er und damit ein Kind aus der Flower Power-Zeit. Die besondere Note an diesem Mähdrescher: Er ist komplett pink gestrichen, Blumen unterschiedlicher Farben zieren das 68 PS-starke Erntegerät, das im Rahmen des 15-jährigen Bestehens, das unter dem Motto der BR-Kultserie „Irgendwie und sowieso“ stand, versteigert wurde.

„Irgendwie und sowieso“ lautete das Motto

Da konnte Oldtimer-Liebhaber Robert Eder aus Brodfurth bei Lohkirchen eigentlich gar nicht anders. Zusammen mit seinen beiden Spezln – der Landwirt Michael Huber und der Mechaniker Alfred Eder – schlug der „Schuasta“, wie er genannt wird, zu und ersteigerte den Oldtimer-Mähdrescher. 2100 Euro hieß es im August des vergangenen Jahres, nachdem ihm der Auktionator den Zuschlag erteilt hatte.

Was für die Beatles die „Yellow Submarine“ ist für Robert Eder die „Pink Lady“. Mit seinem robusten Flower-Power-Mähdrescher zieht der 56-jährige Landwirt aus Brodfurth viele Blicke auf sich. Die betagte Dame hat in diesem Jahr schon 35 Tagwerk Getreide abgeräumt.

Wer nun aber glaubt, dass der 56-Jährige den kräftigen Erntehelfer zu seinen anderen Oldtimer stellen würde – darunter ein altes Motorrad, ein paar Bulldogs und ein Unimog – der täuscht sich. In diesen Tagen, da es heißer nicht sein kann, schnappen sich Eder und seine Kumpel das rosa Monstrum und helfen fleißig mit bei der Getreideernte. „Knapp 35 Tagwerk werden wir wohl schon geerntet haben“, schätzt Michael Huber.

Mechanik bevorzugt, Elektronik verpöhnt

Alfred Eder nickt zustimmend, während sich Robert Eder auf einem Feld am Ortseingang von Lohkirchen schon wieder auf den knatternden Oldtimer schwingt und sich das nächste Getreidefeld vornimmt. „Klar hat der Mähdrescher aufgrund seines Alters einige Kinderkrankheiten. Aber es ist ja alles mechanisch, keine Elektronik, da wissen wir uns schon zu helfen“, sagt Experte Alfred Eder, „der Motor läuft einwandfrei!“

Prompt muss der Lohkirchener auch an diesem Nachmittag zum Schraubenschlüssel greifen. Eine Mutter hat sich gelöst. Ein paar gekonnte Handgriffe – schon kann‘s weitergehen.

Oldtimer knattert über die Felder

Unermüdlich rotiert die Haspel, sammelt das Korn auf. Denn die Gerste ist jetzt reif, muss geerntet werden, solange das Wetter mitspielt. Und so dreht auch die „Pink Lady“ schneidig ihre Runden, brummt unaufgeregt, aber zuverlässig durch die Felder. Und Robert Eder schwärmt: „Funktioniert. Und alles ganz ohne High Tech und Laptop!“

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