Ein Lied zum Mauerfall: Peter Sclearescu schrieb sich die Trennung Deutschlands von der Seele

Die dritte und letzte CD von Peter Sclearescu, alias Rottaler Peter, beinhaltet auch das Lied „Berlin“. Der Mauerfall hat den Hochzeitslader zur Aufnahme inspiriert. Im lokalen Radiosender stand das Lied viele Wochen lang ganz oben in der Hitparade. Enzinger

Als Hochzeitslader kennt man den „Rottaler Peter“, doch der Neumarkt-St. Veiter schrieb auch nachdenkliche Texte – etwa zum Mauerfall. Und er landete damit im heimischen Radiosender vor 30 Jahren einen Hit.

Neumarkt-St. Veit – Das Erlebnis, das ihn zum Texten inspirierte. liegt Jahre zurück. Weit vor dem Tag, als die Mauer in Berlin fiel, stand Peter Sclearescu am Bahnhof Bayrisch Eisenstein, der damaligen Grenzstadt zum heutigen Tschechien. Und er konnte nicht glauben, was er da sah: Ein Bahnhof, dessen Gleise nicht weiterführten, nicht vom Westen in den Osten und auch nicht andersrum.

„Die waren wie abgeschnitten, der Bahnhof war geteilt! Das hat mich emotional berührt und auch beeindruckend – in negativer Hinsicht!“ Die Teilung Deutschlands – das das im Europa des 20. Jahrhunderts überhaupt noch möglich sein konnte, das wollte Sclearescu, der damals als Hochzeitslader, G’stanzlsänger und Liedermacher weitum bekannt war, nicht mehr loslassen. „Zwei gleiche Völker durch einen Todesstreifen getrennt – für mich war das unbegreiflich!“

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Schon bei der Heimfahrt von der Grenzstadt zurück nach Neumarkt-St. Veit hatte er eine Textzeile eines neuen Liedes im Kopf, die an das damalige Staatsoberhaupt der DDR, Erich Honecker, adressiert war: „Hey Erich, reiß die Mauer weg!“ Das Thema ließ in auch in den Tagen darauf nicht mehr los, Sclearescu schrieb das Lieb zu Ende – veröffentlicht hat er es allerdings nie, obwohl er in der Zwischenzeit zwei CDs mit volkstümlicher Musik herausgebracht hatte.

„Das Stück hätte nicht draufgepasst.“ Erst 1989, als er zum dritten Mal ins Tonstudio ging, sollte das Lied berücksichtigt werden. Zumal sich in jenen Novembertagen tatsächlich die Mauer geöffnet hat. „Wir haben das zu Hause am Fernsehen verfolgt, freuten uns natürlich über die Glücksmomente, die wir ins Wohnzimmer geliefert bekamen!“

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Also hat sich auch der Rottaler Peter wieder hingesetzt und das Stück etwas umgeschrieben. Denn in den Tagen des Umsturzes in der DDR war es kein Erich Honecker mehr, der als Generalsekretär des Zentralkomitees der SED vorstand. Diesen Posten hatte Egon Krenz übernommen. „Alleine deswegen hat die Zeile dann schon nicht mehr gepasst“, erzählt Sclearescu. Also hat er das ganze Lied gleich auf Berlin umgemünzt, wo ja die Mauer als Symbol der Trennung gestanden war. „Mia san doch olle Deitsche“, ist zu hören, die „a Recht auf Einheit“ hätten „und in Frieden leb‘n“ wollen.

Am Buß- und Bettag hat Peter Sclearescu dann im Studio die überarbeitete Fassung aufgenommen. Eine Sprecherin sprach einen einleitenden Prolog zur Wende, bevor der „Rottaler Peter von St. Veit“ in seiner typischer Musikanten-Manier sein Lied präsentiert.

Mehrere Wochen auf Platz eins

Und er hätte nicht damit gerechnet, dass das Lied gleich so gut ankommt. Beim damaligen Heimatsender „Radio Mühldorf“ wurde das Lied zum Dauerbrenner, mehrere Wochen, so erinnert sich Sclearescu, sei es auf Platz eins der internen Hitparade gestanden, „und das hat mich narrisch gefreut“.

Nicht der einzige gute Riecher nach einem Hit

Vom Liedermacherleben und G’stanzlsängerdasein hat sich der 65-Jährige weniger Jahre später verabschiedet, als er sich im Bereich des Automatenservice selbstständig gemacht hat. 1992 war das der Fall. Vorher noch hat er erneut einen Riecher gehabt, als er zur Melodie von „Looking For Freedom“ das Lied „Si Si Italia“ geschrieben hat. Das war auch 1989 der Fall. Wie der Mauersong „Berlin“ schaffte es auch dieses Stück auf seine letzte CD „...alloa is im Himme drin net schee“. Zu Ehren der deutschen Fußballnationalmannschaft habe er damals das Italia-Lied getextet, nachdem Thomas Häßler das wichtige Tor im entscheidenden Qualifikationsspiel gegen Wales erzielt hatte. Und wer wurde ein Jahr später Weltmeister? Deutschland.

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