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Deutsche Geschichte

Letzte große Ritterschlacht: Erhartings Brauchtumsverein macht Historie greifbar und erlebbar

Die Akteure der Schlachtfeldexkursion entführen die Besucher in die Zeit der Schlacht von 1322. Bildnachweis: Josef Padlesak
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Die Akteure der Schlachtfeldexkursion entführen die Besucher in die Zeit der Schlacht von 1322. Bildnachweis: Josef Padlesak

Vor 700 Jahren kämpfte Ludwig der Bayer um die deutsche Königswürde - und gewann. Der Erhartinger Brauchtumsverein bietet am 1. Oktober eine Exkursion über Teile des Original Schlachtfeldes an.

von Leonhard Biermaier

Mühldorf/Erharting Vor genau 700 Jahren wurde der Kampf um die deutsche Königswürde zwischen Ludwig dem Bayern und Friedrich dem Schönen von Österreich in den Fluren von Erharting ausgetragen. Während die bayerischen Truppen aus Richtung Regensburg, Landshut und aus dem Niederbayerischen Raum über Neumarkt St. Veit nach Erharting vorrückten, zogen die Mitstreiter von Friedrich aus dem Hause Habsburg von Wien über Linz, Braunau und Neuötting, dem Inn folgend, in das Gebiet nördlich von Mühldorf und schlugen dort ihre Feldlager auf.

Die letzte Ritterschlacht ohne Feuerwaffen auf deutschem Gebiet

Die letzte Ritterschlacht ohne Feuerwaffen auf deutschem Gebiet war ursprünglich für den 29. September 1322 anberaumt. Weil dies aber der Patronatstag des Erzengels Michael, ein ritterlicher Beschützer und Schutzherr der Kämpfenden, war, getraute man sich aus Respekt keinen Krieg zu beginnen. So wählte man den Vortag zur Austragung des Kampfes. Nach ersten Feindberührungen, die am Vortag aus Richtung Töging erfolgten und von den niederbayerischen Truppen an der Erhartinger Isenbrücke abgewehrt wurden, flammte das Schlachtgeschehen am Morgen des 28. September 1322 so richtig auf.

Unterlegener Friedrich der Schöne kam in Gefangenschaft

Am Nachmittag gegen 15 Uhr war der Kampf zugunsten von Ludwig dem Bayern entschieden. Der unterlegene Friedrich der Schöne kam in Gefangenschaft und verbrachte eine Nacht auf der Burg Dornberg zu Erharting. Am darauffolgenden Tag wurde er zur Burg Trausnitz in der Oberpfalz verbracht, wo er zweieinhalb Jahre ausharren musste. Diesem historischen Anlass entsprechend bietet der Erhartinger Brauchtumsverein am Samstag, 1. Oktober, nachmittags um 14 Uhr eine Exkursion über Teile des Original Schlachtfeldes von 1322 an. Treffpunkt ist um 13.45 Uhr am Parkplatz des Landgasthofs Pauli Wirt in Neuhäusl.

12.000 Leute waren vor Ort

Die Besucher werden von einem Ritter empfangen, der zu den Umständen der Schlacht informiert. Weil ein Kampf ohne Verpflegung nicht durchführbar ist, informiert die Station der Trossküche über die Mengen an Verpflegung für das bayerische Heer, das etwa 6.000 Mann stellte. Die gleiche Anzahl an Begleitern für die Ritter sowie die Kriegslogistik umfasste nochmals etwa 6.000 Personen, sodass etwa 12.000 Leute vor Ort versorgt werden mussten. Dies ging nicht ohne Sonderabgaben durch die Bevölkerung und so berichten dann auf einer weiteren Station einige geplagte Bauern über ihre zusätzlichen Beschwernisse in Verbindung mit dem Kampfgeschehen in den Fluren um Erharting.

Schweres Kettenzeug sowie Pfeil und Bogen und Armbrust

Über die Bewaffnung und Ausrüstung der damaligen Ritter und Fußsoldaten berichten Ritter in schwerem Kettenzeug. Die Wirkung von Distanzwaffen wie Pfeil und Bogen sowie der an Durchschlagskraft überlegenen Armbrust werden authentisch vermittelt. Aber auch Stangenwaffen wie Mordsense, Lanze, Speer oder Helmbarte werden eindrucksvoll vermittelt. Die strategische Ausrichtung der gegnerischen Heere bildet einen weiteren Schwerpunkt auf dem ehemaligen Schlachtfeld, auf dem vor 700 Jahren die Geschichte Europas maßgeblich geprägt wurde.

Interessante Details zur Kaiserkrönung

In der letzten Passage der Schlachtfeldexkursion erfolgen noch einige interessante Details zur Kaiserkrönung. Nachdem Papst Johannes XXII. die Krönung von Ludwig zum Kaiser verweigert hatte, zog Ludwig mit einer großen Heerschar nach Rom und ließ sich von einem Bettelmönch, den er vorher provokativ zum Gegenpapst ernannt hatte, zum Kaiser krönen.

Papst verhängt Kirchenbann über Ludwig

Daraufhin verhängte der Papst, der damals in Avignon residierte, den Kirchenbann über Ludwig. An dieser Stelle endet ansonsten der heimatgeschichtliche Rundgang, nicht aber diesmal. In einer kurzen Spielszene in Zusammenwirken mit dem Mühldorfer Kulturschuppen erfolgt die Gefangennahme des unterlegenen Friedrich auf dem Schlachtfeld von Anno dazumal.

Gefechtsszene wird nachgestellt

Nach einer kurzen Gefechtsszene wird er an König Ludwig übergeben, der die Unterbringung auf der Burg Dornberg befiehlt. Am darauffolgenden Tag wird der adelige Gefangene nach Trausnitz in der Oberpfalz verbracht, begleitet von Fanfarenbläsern. Dort wird er dem Vitzthum der Festung in einer weiteren Schauspielszene übergeben. Am Abend dieses historischen Tages treffen sich alle Beteiligten im Rittersaal der Burg zum gemütlichen Beisammensein.

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