Leitsystem für Behinderte am Neumarkter Stadtplatz: Hier sind selbst die Behörden nicht einer Meinung

Möglichst eben sollen Fahrbahn und Gehweg gestaltet werden. Der Bauausschuss lehnte eine zwei Zentimeter große Kante zwischen ebenem und rauen Belag ab, wie es eigentlich der Blinden -und Sehbehindertenbund gefordert hätte. Enzinger
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Möglichst eben sollen Fahrbahn und Gehweg gestaltet werden. Der Bauausschuss lehnte eine zwei Zentimeter große Kante zwischen ebenem und rauen Belag ab, wie es eigentlich der Blinden -und Sehbehindertenbund gefordert hätte. Enzinger
  • Josef Enzinger
    vonJosef Enzinger
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Rippen, Noppen, Stolperschwelle: Am Ende mischt sich sogar die Kreisbehindertenbeauftragte Claudia Hausberger bei der Stadtplatzgestaltung in Neumarkt-St. Veit ein. Ihrer Empfehlung folgt dann auch der Neumarkter Bauausschuss, nachdem sich die Fachbehörden uneins waren.

Neumarkt-St. Veit – Eine Rippenstruktur mit Bodenindikatoren oder ein Leitsystem, das sich durch eine gewisse Kontrastierung der Beläge voneinander unterscheidet? Wie genau im Zuge der Neumarkter Stadtplatzsanierung ein Leitsystem für Behinderte aussehen könnte, darüber diskutierte der Bau- und Umweltausschuss. Weil sich die Fachbehörden in dieser Frage nicht einig waren, hatte Planerin Christina Lehner weitere Stellungnahmen der Fachgremien eingeholt – doch auch die Meinungen von Bayerischer Architektenkammer und dem Bayerischen Blinden -und Sehbehindertenbund (BBSV) unterschieden sich. Was also tun?

Architektenkammer und BBSV uneins

Die Musterfläche vor dem ehemaligen Rathaus in Neumarkt-St. Veit stellt verschiedene Varianten dar und hat zuletzt durchaus zu Diskussionen angeregt. Beim Ortstermin mit Betroffenen war herausgekommen, dass die Kontrastwirkung zu gering sei, wenn die großflächigen Bodenplatten des Gehweges nahtlos an das Kleinsteinpflasters der Verkehrsflächen anschließen würde. Also holte sich die Planerin Rat beim BBSV und bei der Bayerischen Architektenkammer.

Der BBSV machte deutlich, dass durchaus die Kontrastwirkung zwischen heller und dunkler Fläche gegeben sei und keine zusätzlichen Maßnahmen erforderlich seien. Ausschließlich würden zwei Varianten akzeptiert: Gehwegbegleitende Steine mit Rippenstruktur und eine zwei Zentimeter hohe Kante zwischen ebenem und rauem Belag.

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Die Architektenkammer hingegen riet von eben dieser Kante ab, da vergleichbare Systeme in anderen Orten zu Stürzen von Passanten geführt hätten. Zwei gegensätzliche Meinungen also, so dass die Planerin eine Stellungnahme der Kreis-Barrierebeauftragten Claudia Hausberger eingeholt hat. Diese empfahl die Umsetzung nach den Richtlinien der Architektenkammer, „da neben dem circa zwei Meter breiten Streifen aus großformatigen Platten eine Pflasterung aus groben, rauen Natursteinen in anderer Farbe verlegt werden soll, was als Leitlinie genutzt werden kann“. Bevor der Bauausschuss urteilte, bot Planerin Christina Lehner noch an, Rippensteine gegebenenfalls der Farbe der groben Granitstein anzupassen, um sie besser einzubinden.

Zur Stadtplatzsanierung hat ein Leser sogar ein Gedicht verfasst: Wie der Stadtplatz nach Ansicht von Roland Schmid aussehen soll, das lesen Sie hier!

Die Diskussion ging dann klar in eine Richtung: Wolfgang Hobmeier (CSU) sprach sich gegen die Rippensteine aus. „Wir bauen den gesamten Stadtplatz barrierefrei aus. Das ergibt eine Wahnsinnserleichterung für Behinderte! Man kann es nicht allen Recht machen“, sprach auch er sich für die von der Architektenkammer empfohlenen Variante aus.

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Dass die Rippensteine für Nicht-Behinderte unangenehm zu gehen sein, war Fraktionskollegin Rosmarie von Roennebeck ein. Man müsse es beim Ausbau nicht übertreiben: „Auch wenn sich das jetzt böse anhören sollte: So viele Blinde und Gehbehinderte haben wir nicht in der Stadt!“

Werner Kitschke (UWG) argumentierte ebenfalls gegen die Rillensteine: „Wenn die Rillen verdreckt sind, sind auch diese Steine wieder glatt“, sie würden dann ihren Zweck nicht mehr erfüllen. Und Bürgermeister Erwin Baumgartner (UWG) erzählte von seinem Berlinbesuch, wo sich Rillenstein nur an S- und U-Bahn-Stationen fänden, Noppenstein lediglich an Ampeln. „Auf den Gehwegen hingegen nirgends!“ Einstimmig mit 9:0 sprach sich der Ausschuss gegen die Rippenstein aus. Auch der vom BBSV geforderten zwei Zentimeter-Kante erteilte der Ausschuss eine Absage.

Auch Brückenbau in der Sitzung

Diese Empfehlung geht nun an den Stadtrat, der am Donnerstag (bereits um 17 Uhr) zusammenkommt, um alle noch ausstehenden Entscheidungen zur die Stadtplatzsanierung noch in diesem Jahr zu treffen. Neben dem Leitsystem ist es auch die Entscheidung über die Standorte der Bäume, die der Stadtrat zu fällen hat.

Es wird ein Billigungs- und Auslegungsbeschluss gefasst zur Aufstellung der Außenbereichssatzung „Rott“ sowie ein Aufstellungsbeschluss zum Bebauungs- und Grünordnungsplan „Adlsteiner Straße“. Über ein ergänzendes Verfahren stimmt der Stadtrat bezüglich des Bebauungsplanes „Bahnhofstraße - Herzog-Heinrich-Straße“ ab. Und dann gilt es darüber zu urteilen, ob das kommunale Förderprogramm Stadtgestaltung/Einzelhandel bis Ende 2021 verlängert werden soll. Maßnahmenbeschlüsse will der Rat zum Bau eines Mobilfunkmastens und zur Sanierung der kleinen Sporthalle fällen. Und dann wird dem Gremium auch noch die Entwurfsplanung für die neue Brücke in Hofthambach vorgestellt, über deren Billigung dann abgestimmt werden soll.

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