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Leerstand hier, Investition dort

Wer will mich? Seit Jahren schon steht das ehemalige Modehaus Bleibrunner leer, nicht der einzige Leerstand am Stadtplatz. Christian Göttlinger von der Werbegemeinschaft sieht die Leerstände aber noch nicht als besorgniserregend an. Verglichen mit anderen Kommunen stehe Neumarkt-St. Veit mit seinen Geschäften noch gut da. Foto je
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Wer will mich? Seit Jahren schon steht das ehemalige Modehaus Bleibrunner leer, nicht der einzige Leerstand am Stadtplatz. Christian Göttlinger von der Werbegemeinschaft sieht die Leerstände aber noch nicht als besorgniserregend an. Verglichen mit anderen Kommunen stehe Neumarkt-St. Veit mit seinen Geschäften noch gut da. Foto je

Das Reisebüro im Fruhmannhaus? Ausgezogen.

Die Videothek in der Birkenstraße? Geschlossen. Die Fußpflege am Johannesplatz? Zugesperrt. Und auch der Tragerwirt wird schließen. Keine Frage: Auf die Stadt kommen große Herausforderung zu, um das Schmuckkästchen, wie der Stadtplatz immer genannt wird, attraktiv zu halten.

Neumarkt-St. Veit - Die Leerstände sind nicht zu übersehen: Am oberen Stadtplatz stehen die Geschäftsräume des ehemaligen Elektrogeschäftes Huber schon seit Jahren leer, am unteren Stadtplatz sucht man ebenfalls schon seit geraumer Zeit nach Mietern für das ehemalige Modehaus Bleibrunner. Flächen wären genügend da in Neumarkt-St. Veit. Alleine an den Interessenten mangelt es offensichtlich.

"Das Thema Leerstand ist ein Dauerthema", weiß auch Geschäftsmann und Werberings-Vorsitzender Christian Göttlinger. Doch es handle sich dabei nicht um eine Entwicklung, die alleine kleinere Städte betrifft. "Selbst in der Altstadt von Landshut sind Leerstände zu beobachten, das Phänomen betrifft ganz Bayern." Der Bayerische Handelsverband habe erst vor wenigen Tagen beim Neujahrsempfang beklagt, "dass die Innenstädte auf der Intensivstation liegen", zitiert Göttlinger den Verbandspräsidenten Ernst Läuger. Dieser hatte auch den Attraktivitätsverlust der Innenstädte als das drängendste Problem bezeichnet. Göttlinger allerdings relativiert: "In Neumarkt-St. Veit sind wir noch mit vielen Geschäften gesegnet, hier darf man nicht jammern. Im letzten Jahr haben wir sogar an Umsatz zulegen können", berichtet Göttlinger als Inhaber eines Lederwarengeschäftes an mittlerweile acht Standorten.

Doch kritisiert Göttinger den Trend, den die Politik generell vorgibt: Die Verlagerung der Einzelhandelsgebiete auf die "grüne Wiese", also außerhalb der Innenstadt. Zieht also eine Drogerie, wie die Firma Rossmann im Westen der Stadt, die Kunden ab? "Das nicht. Wenn es ein Angebot vorher nicht gegeben hat, kann es auch keine Kunden abziehen." Die kurzen Wege seien nach wie vor ein großes Plus für eine Stadt wie Neumarkt-St. Veit, findet Göttlinger.

Man dürfe sich aber auch den neuen Medien nicht verschließen, um neue Kunden an Land zu ziehen, etwa über einen Internetshop, wie ihn seine Firma betreibt. Auf diese Weise würde sich ein Kundenpotenzial aus ganz Deutschland erschließen. "Der Kunde schaut sich in Ruhe die Ware an, bestellt dann entweder oder kauft das Produkt auch direkt im Geschäft." Die Vorteile liegen für Göttlinger auf der Hand: Das Internet erfordert keine ständige Präsenz von Personal, dennoch kann man 24 Stunden täglich einkaufen, auch sonntags. "Auf der anderen Seite kostet jede Stunde im stationären Handel Geld". Damit spricht Göttlinger auch noch ein weiteres Problem an: den Mindestlohn. "Minijobbs fallen damit zukünftig weg."

Die landläufige Meinung, dass längere Ladenöffnungszeiten gleichzeitig für mehr Umsatz sorgen würden, entkräftet Göttlinger. Zumindest im Fall von Neumarkt-St. Veit. In den Wochen vor Weihnachten sei grundsätzlich ein guter Umsatz zu beobachten, wenn die Geschäftsleute zusätzlich auch Samstagnachmittag aufsperren würden. Doch darüber hinaus, das habe die Erfahrung gezeigt, sei kein so großes Plus zu erwarten, das wiederum eine verlängerte Öffnungszeit rechtfertigen würde. "Am Wochenende fahren Kunden zum Shoppen gerne auch mal weiter weg." Noch schlimmer sei es in anderen Kommunen, Göttlinger nennt Ampfing und Waldkraiburg, wo es bereits Geschäfte gebe, die wegen mangelnder Kundenfrequenz sogar Mittwochnachmittag geschlossen hätten.

Wenn gar nichts mehr geht, kommt es dann zum Leerstand - oft ist dieser dadurch bedingt, dass Familienbetriebe nicht weitergeführt werden. Das Gegenteil ist aktuell bei Bäckermeister Markus Windhager der Fall: Er investiert sogar in den Standort der Bäckerei, die schon seit 1952 in Familienhand ist. Über eine Million steckt der 29-Jährige in den Bau einer Backstube und in ein neues Café mit direktem Anschluss zum Stadtplatz. Klar sei auch die Möglichkeit im Raum gestanden, die neue Backstube im Industriegebiet zu bauen. "Doch ich möchte am Stadtplatz bleiben." Eine neue Außendarstellung, ein neues Logo - Windhager reizt das Neue, wie er sagt.

Mit einem vergrößerten Café, eventuell in Zusammenarbeit mit der benachbarten Eisdiele, sieht er großes Entwicklungspotenzial der Bäckerei, die er 2013 übernommen hat. Nur ein Mosaikstein, um den Stadtplatz auch zukünftig attraktiv zu halten...

Lesen Sie dazu auch den blauen Kasten unten. je

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