Das Laster mit dem Pflaster: Neumarkter Stadtrat streitet über Gehwegfarbe am Stadtplatz

Soll rot bleiben oder Granit kommen? Der Stadtrat war bei der Gestaltung des Gehweges zwiegespalten. Enzinger
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Soll rot bleiben oder Granit kommen? Der Stadtrat war bei der Gestaltung des Gehweges zwiegespalten. Enzinger

Knappes Votum: Zehn Stadträte stimmen für Granit, sieben dagegen. Unzufriedenheit herrscht auch über die Baumsituation: Zusätzlich nur drei Bäume mehr – das überzeugt den Stadtrat nicht. Er spricht sich dafür aus, dass weitere mögliche Bäumepflanzungen geprüft werden und Bestandsbäume erhalten bleiben.

Neumarkt-St. Veit – Das Granitkleinsteinpflaster ungebunden verlegen – einstimmig befürwortet. Die Anfahrtsschwelle – ohne Diskussion gestrichen. Und zum Leitsystem für sehbehinderte Menschen zeichnet sich ein Kompromiss ab. Doch in puncto Zebrastreifen, Baumpflanzungen und Pflastergestaltung gab es emotionale Diskussionen.

Der Zebrastreifen:Bürgermeister Erwin Baumgartner (UWG) hält den Zebrastreifen für obsolet, zumal das neue Konzept Übergangshilfen vorsieht. „Ein Zebrastreifen suggeriert Sicherheit, die nicht da ist. Lassen wir ihn, verlieren wir Stellplätze!“ Wenn der Zebrastreifen schon keine echte Sicherheit bringe, dann gelte das auch für die Überquerungshilfen, argumentierte Ludwig Spirkl (SPD) dagegen. Er beharrte auf den Erhalt des Zebrastreifens.

Zebrastreifen zur besseren Orientierung

Einer durchgängigen Pflasterung über den Asphalt, wie von Peter Hobmaier (UWG) vorgeschlagen, erteilte Baumgartner eine Absage, weil sie mit einer massiven Lärmbelästigung einhergehe. Der von Michael Kulhanek (CSU) angedeutete Bestandschutz des Zebrastreifens sei nach einer Sanierung nicht mehr gegeben, erklärte Planerin Christina Lehner. Natascha Engelmann vom Bauamt ergänzte: „Nach dem Bau der Umgehungsstraße war der Zebrastreifen von der Polizei lediglich geduldet!“

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Emil Steinbach (UWG), selbst sehbehindert, warb für den Erhalt des Zebrastreifens. Er könne sich besser orientieren, plädierte sogar auf einen Zweiten, zumal es viele Senioren gebe, die davon profitierten.

Das sah Rosmarie von Roennebeck (CSU) anders. „Die Leute gehen rüber, wo sie wollen!“ Viel wichtiger erschien ihr, dass in diesem Tempo-30-Bereich regelmäßig Geschwindigkeitskontrollen stattfinden.

Zu Baumgartners Argument der scheinbaren Sicherheit fragte Max Heimerl (CSU): „Wie oft ist schon was passiert?“ Dazu fiel Emil Steinbach der Unfall einer Geschäftsfrau ein – ausgerechnet auf dem Zebrastreifen! 13 Stadträte sprachen sich für den Verzicht auf einen Zebrastreifen aus, vier dagegen.

Spirkl: „Stadtplatz soll nicht zum Denkmal werden!“

Die Pflastergestaltung:„Wir haben jetzt drei Farben zur Auswahl. Uns muss bewusst sein, dass wir nicht alle glücklich machen können!“, betonte Baumgartner. Gemäß des Rücklaufs und der Einschätzung der Planer hatte die Stadt den gelblich-grauen Granit vorgeschlagen. Nicht jedermanns Sache: „Wenn ich durch Erding, Landshut oder Mühldorf gehe, sehe ich überall rotes Pflaster. Es wird in unserer Gegend hergestellt“, so Steinbach. „Wenn eine Person aus unserer Mitte so argumentiert, reicht das nicht?“, schloss sich Ludwig Spirkl Steinbach an. Granit erschien ihm zu einheitlich. Und überhaupt: „Der Stadtplatz soll nicht zum Denkmal für wenige werden!“

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Michael Kulhanek (CSU) empfahl, auch die Bürgerbeteiligung in die Abwägung einzubeziehen. 32 Prozent hätten auf rotes Pflaster plädiert. Auch er sah das rote Pflaster als kontrastreichere Alternative.

Monika Eisenreich (UWG) hielt dagegen, auch mit dem Klimawandel: „Rotes Pflaster heizt sich im Sommer immer mehr auf.“ Je dunkler, desto schlechter.

Auf den Rat der Spezialisten zu hören, das empfahl Wolfgang Hobmeier. „Wie viele Pflasterarten sollen wir uns denn noch anschauen? Noch mehr Material hätte bei der Entscheidungsfindung auch mehr Chaos bedeutet“, regte sich der CSU-Stadtrat auf.

Wunsch nach der Farbe Rot berücksichtigen

Man dürfe aber die Befürworter der Klinker nicht unberücksichtigt lassen, fand Max Heimerl (CSU): „Der Wunsch nach Rot war geäußert worden, obwohl dieser Vorschlag nicht auf den Fragebögen zu finden war. Den Wunsch danach stufe ich daher umso höher ein!“

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Christian Perau (UWG) beurteilte die Umfrage bei einem Rücklauf von nur 58 Fragebögen als „nicht repräsentativ“. Er verwies auf die Kompetenzen des Stadtrates: „Wir sind gewählt, um zu entscheiden!“ Und da pflichtete ihm die Fraktionskollegin Martina Huber bei: „Die Fragebögen spiegeln die Meinung von maximal zwei Prozent aus der Bevölkerung wider.“ Im Umkehrschluss bedeute dies: „98 Prozent vertrauen auf unsere Entscheidung!“

Der Stadtrat blieb zwiegespalten: Mit 10:7 Stimmen befürwortete er großflächige Granitplatten in gelblich-grauem Farbton.

Zusätzliche Bäume: Ludwig Spirkl machte sich zum Fürsprecher des Baumbestands. „Warum will man gesunde Bäume umschneiden? Mir tut jeder einzelne Baum leid!“, betonte er. Peter Hobmaier (UWG) verstand nicht, warum in der Mitte des Stadtplatzes kein Platz für Bäume sein sollte, „nur wegen eines Festes im Jahr?“ Zwei Oasen seien ihm zu wenig. Die drei weiteren Bäume, welche die Planerin aus dem Hut gezaubert hatte, erschienen ihm zu nahe an den Fassaden.

„Das Baumkonzept halte ich für nicht gelungen. Die Stadtplatzsanierung sollte die Aufenthaltskriterien verbessern. Das ist nicht der Fall“, meinte Ferdinand Rothkopf (CSU).

Perau gegen zu große Steinfläche

Die „riesige Steinfläche von der Post bis ganz runter“, so Perau, könne doch für Baumpflanzungen genutzt werden. Dem widersprach Planerin Lehner: Gerade dort sei es schwierig, wegen der Zufahrt von Lastwagen. Der Stadtrat müsse sich generell darüber im Klaren sein, dass es keine Alleen mehr geben werde, „es werden Einzelbaumsituationen bleiben!“ Und dann gelte es auch die Parkplatzsituation zu berücksichtigen.

Das war das Stichwort für Wolfgang Hobmeier: „Bei der Planung des Grobkonzepts hat es einen Riesengeschrei gegeben zu jedem Parkplatz, den man verlieren könnte!“ Zu Spirkl sagte er: „Ich habe zwar keine so persönlichen Gefühle zu Bäumen wie du. Aber was sagst Du dann zu den Christbäumen, die bald umgeschnitten werden? Massenmord?“

„Frau Lehner, lassen Sie die 60 Jahre alten Bäume stehen“, forderte Emil Steinbach die Planerin auf. Rothkopf machte ebenfalls deutlich dass ein 100-jähriger Baum einen „ganz anderen Charakter“ habe als Neupflanzungen. „So, wie die Bäume ausschauen werden die keine 100 Jahre alt“, entgegnete Eisenreich (UWG).

Bäume statt Sonnenschirme

Max Heimerl ging sogar so weit, zu behaupten, der Stadtrat habe sich die Beseitigung der Allee einreden lassen, um die Tunnelwirkung und mutmaßliche Raserei einzudämmen. Während er dafür war, die straßenbegleitende Pflanzung zu belassen, war von Roennebeck „um jeden Baum froh, der raus kommt“. Schließlich seien die meisten Bäume erwiesenermaßen krank. Sie schlug vor, die Terrassenbesitzer mit ins Boot zu holen: „Bäume statt Sonnenschirme“, lautete ihr Vorschlag.

Folgender Vorschlag erhielt die uneingeschränkte Zustimmung: Zusätzliche Bäume sollen gemäß dem Planentwurfsstand berücksichtigt, weitere mögliche Bäumepflanzungen geprüft werden und Bestandsbäume erhalten bleiben. Die sogenannte „Große Platzsituation“ kann angepasst werden. Josef Enzinger

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