Landgasthof in Erharting in neuen Händen: Klaus Heimeldinger übergibt den Pauliwirt

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Familienbetrieb geht ab dem 1. September in die „Non Stop Hotel Group“ über. Heimeldinger verspricht: „Es wird sich nicht allzu viel ändern!“ Nur er selbst wird nicht mehr in der Gaststube stehen.

Erharting – „Heimeldinger, Pauliwirt, Grüß Gott!“ Diese Begrüßung am Telefon des Landgasthofes an der B 299 bei Erharting gibt es nur noch bis Anfang September zu hören. Dann wird Klaus Heimeldinger nicht mehr in der Küche stehen, kein Bier mehr zapfen und auch keine Hotelzimmerschlüssel mehr ausgeben. Nach 16 Jahren als Wirt des Traditionshauses, dessen Wurzeln bis ins Jahr 1876 zurückreichen, übergibt der 47-Jährige den Betrieb an die „Non Stop Hotel Group“ aus Oberhaching.

Alle 25 Beschäftigten werden übernommen

„Es hat schon seit dem Herbst vergangenen Jahres erste Gespräche gegeben, jetzt ist es der richtige Zeitpunkt, um die Geschäftsführung abzugeben“, erklärt Heimeldinger. Konkrete Gründe für seinen Rückzug aus dem Gastgewerbe nennt er nicht. Er beruft sich aber auf seine Verantwortung gegenüber seinen Angestellten: „Mit diesem starken Partner an meiner Seite, blickt der Gasthof einer guten Zukunft entgegen.“

Pauliwirt bleibt auch Ausbildungsbetrieb

Dass Corona oder gar ein rückläufiges Geschäft Ursache der Übergabe seien, das verneint Heimeldinger. „Ich will nur nicht warten, bis ich 60 Jahre bin, um dann einen Nachfolger zu suchen, den es dann vielleicht nicht mehr gibt.“ Das Geschäft im dem Gasthof mit seinen 49 Betten, das beliebter Tagungsort ist, laufe gut. Unter mehreren Bewerbern habe er sich schließlich für die „Non Stop Hotel Group“ entschieden. ++

Klaus Heimeldinger am Zapfhahn: Ein Bild, das bald der Vergangenheit angehören wird. Ab dem 1. September übernimmt die „Non Stop Hotel Group“ aus Oberhaching als Pächter den Pauliwirt.

Das Wichtigste: „Es wird sich im Grunde genommen nichts ändern. Der Name Pauliwirt bleibt, die 25 Beschäftigten werden übernommen, der Gasthof bleibt Ausbildungsbetrieb und auch die Vereine sind weiterhin gern gesehene Gäste – von der Marinekameradschaft bis zum Wirteerhaltungsverein“, verspricht Heimeldinger.

Rainer Auer bleibt Küchenchef und wird Betriebsleiter

In der Küche hat auch nach dem 1. September – dem Stichtag der Übergabe – Rainer Auer das Sagen. Seit sieben Jahren kocht der 39-Jährige beim Pauliwirt, seit zwei Jahren ist er Küchenchef. Jetzt kommt als neue Aufgabe der Posten des Betriebsleiters hinzu. Er freut sich darauf, „auch wenn das bedeutet, dass ich demnächst der Erste bin, der kommt, und der Letzte, der geht.“

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Was Klaus Heimeldinger nach der Übergabe des Wirtshauses jetzt macht, lässt der 47-Jährige offen. „Ich bin für die IHK unterwegs, auch in Prüfungsausschüssen tätig – mir wird sicher nicht langweilig.“ Er werde nicht von der Bildfläche verschwinden. In den nächsten drei, vier Monaten will er dem Unternehmen begleitend zur Seite stehen, „weil ich auch dem Personal Sicherheit geben will, dass alles nach Plan weiterläuft.“ Außerdem bleibt seine Mutter Anneliese dem Gasthaus erhalten. Sie steht in der Küche Rainer Auer zur Seite – ein Signal an die Stammgäste, dass es keine großartigen Änderungen geben werde.

Eine historische Aufnahme des Gasthofes.

Das Konzept in Erharting funktioniert – warum also ändern?

„Warum soll man ein funktionierendes Konzept auch ändern?“, fragt Milosch Fürst, Manager der Non Stop Hotels. Die Küche sei gut, der Gasthof genieße bundesweit ein gutes Ansehen und der Betrieb laufe hervorragend. „Die technische Modernisierung wird allerdings ein Thema werden.“ Nach einer sauberen Übergangsphase will man in diesem Bereich investieren, um für die Zukunft gut aufgestellt zu sein und die Stellung des Unternehmens in der Region zu sichern, findet Frederik Lange, geschäftsführender Gesellschafter der Gruppe. Noch in diesem Jahr sollen Ladestationen für E-Autos auf dem Parkplatz errichtet werden.

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„Non Stop Hotel Group„ gibt es seit Anfang des Jahres

Den neuen Pächter, die „Non Stop Hotel Group“, gibt es erst seit Anfang des Jahres. Bislang nennt die Gruppe zwei Häuser ihr Eigen, eines bei Frankfurt und eines in Augsburg. Konzept sei es, unterschiedliche Etablissements in der Gruppe zu vereinen – vom Landgasthof über ein Balkangrillhaus bis hin zum Hostel. Das Ziel: In zehn Jahren sollen mindestens 50 Einrichtungen der Gruppe angehören.

Am 1. September erfolgt die Übergabe des Staffelstabes: Die neuen Pächter Milosch Fürst und Frederik Lange mit Küchenchef Rainer Auer und dem Pauliwirt Klaus Heimeldinger (von links).

Eine ehrgeizige Vorgabe, gibt Lange zu. Der Fokus richte sich aber jetzt erst einmal auf Erharting, wo sich die neuen Pächter am 5. September vorstellen wollen. Das passiert mit einem Einstandsfest – mit Blasmusik, Freibier und kostenlosem Spanferkel. Letzteres soll ein neues Steckenpferd für den Pauliwirt werden, mit einem großen Grill in der Küche am Biergarten. Warum ausgerechnet Spanferkel? „Weil ich es selbst gerne esse“, verrät Lange.

Die Geschichte des Gasthofes beginn im Jahr 1876

Die Geschichte des Landgasthofes Pauliwirt beginnt im Jahr 1876. In der Ortschronik von Erharting wird ein Haus beschrieben, das in diesem Jahr ein Lorenz Wildmann gekauft haben soll. Am 7. Juli 1892 ist es abgebrannt, wurde aber wieder aufgebaut. Lorenz Wildmann hatte mit seiner zweiten Frau mehrere Kinder. Sohn Paulus, der aus dieser Ehe stammt, übernimmt das Anwesen.

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Der Beginn als Gastwirtschaft geht mit dem Bau der Eisenbahn von Mühldorf nach Neumarkt-St. Veit und darüber hinaus einher. Der Bau dieses Schienenweges wurde in den Jahren 1865 bis 1868 bewerkstelligt. Paulus Wildmann hat das Potenzial erkannt und stellte einen Imbissstand auf. Er verpflegte damit die an diesem Eisenbahnabschnitt beschäftigten Arbeiter.

Später kamen Bierstüberl und Fremdenzimmer hinzu

Einem Protokoll vom 20. Mai 1900 ist zu entnehmen, dass an diesem Tag der offizielle Betrieb als Gastwirtschaft startete. Die Tochter Rosalia (Rosa) aus zweiter Ehe von Paulus Wildmann heiratete 1950 Josef Kurz aus Taibrechting, Gemeinde Niederbergkirchen.

Rosalia ist jedoch schon 1953 gestorben, die Ehe blieb kinderlos. Josef Kurz heiratete 1957 eine Anna Schwaiger aus Schwindkirchen, welche ihre Tochter Anneliese mit in die Ehe brachte. Diese Wirtsleute erweiterten die Lokalitäten mit einem Bierstüberl und bauten im ersten Stock die Zimmer aus. So konnten nicht nur die Besucher in der Gastwirtschaft versorgt werden, sondern auch Übernachtungsgäste.

Drei Sterne in der Hotelklassifizierung

Nach dem Ableben von Josef Kurz 1981 führte seine Ehefrau alleine bis 1991 dieses etablierte Haus weiter. Mit der nächsten Generation unter Anneliese und Johann Heimeldinger erfolgte der weitere Aufstieg der Gastwirtschaft.

Von 1993 bis 1995 wurde der Saal gebaut, 2000 kam das Biergartenstüberl hinzu. Auch die Gästezimmer im zweiten Stock wurden erstellt. Seit Januar 2004 führt Klaus Heimeldinger den Landgasthof. Es folgte die Modernisierung der Gästezimmer im ersten Stock und ein Kinderspielplatz. In der Hotelklassifizierung erreichten sie drei Sterne.

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