Kupfer ade, jetzt kommt Glasfaser:

Verwaltungsgemeinschaft Rohrbach schwenkt auf Gigabit um - trotzdem geht's erst mal nicht schnell

Schnelles Internet mit Bandbreiten bis zu 100 Megabit pro Sekunde. Um die Versorgung in der Verwaltungsgemeinschaft Rohrbach zukunftsfähig zumachen, gehen Niederbergkirchen, Erharting und Niedertaufkirchen in die Offensive.
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Schnelles Internet mit Bandbreiten bis zu 100 Megabit pro Sekunde. Um die Versorgung in der Verwaltungsgemeinschaft Rohrbach zukunftsfähig zumachen, gehen Niederbergkirchen, Erharting und Niedertaufkirchen in die Offensive.
  • Josef Enzinger
    vonJosef Enzinger
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Drei Kommunen, ein Ziel: Geht es nach Niederbergkirchen, Niedertaufkirchen und Erharting soll den Bürgern der drei in der Verwaltungsgemeinschaft Rohrbach angesiedelten Gemeinden in Zukunft noch schnelleres Internet zur Verfügung stehen. Die Gigabitrichtlinie soll dabei helfen – doch ist Geduld gefragt

Rohrbach – Alle drei Gemeinderäte haben sich in ihren jüngsten Sitzungen dafür ausgesprochen, die bisherigen Verfahren zum Ausbau der Breitbandversorgung einzustellen und den Fokus auf Gigabit zu richten. Der Grund liegt auf der Hand: Den Gemeinden winken mindestens 88 Prozent Förderung.

Mit dem bisherigem Verfahren nicht weiter gekommen

„Wir wären mit der bisherigen Richtlinie nicht weiter gekommen, zumal uns signalisiert worden ist, dass wir für den weiteren Ausbau nicht mit einem Angebot der Telekom rechnen können“, erklärt der Geschäftsstellenleiter der Verwaltungsgemeinschaft, Georg Wagenbauer, warum den Gemeinden die Entscheidung nicht schwer gefallen ist, das Verfahren anzustreben.

Mit Gigabitrichtlinie 97 Haushalte zusätzlich möglich

Wagenbauer konkretisiert dies am Beispiel von Erharting. Hätte man das bisherige Verfahren am Laufen gehalten, wäre am Ende nur eine Verbesserung von insgesamt neun Haushalten erfolgt, die bislang eine Versorgung von unter 30 Megabit hatten. Über die bayerische Gigabitrichtlinie ist nun zusätzlich ein Ausbau von 97 weiteren Haushalten mit Glasfaser möglich, die aktuell mit bis zu 100 Megabit downloaden.

Mindestens 88 Prozent Zuschuss

Interessant nicht nur, weil sich die Bürger über schnellere, fast grenzenlose Bandbreiten freuen. Bei der Höhe der Fördersätze fällt es Verwaltungen schwer, sich dagegen zu wehren. Denn im Falle von Erharting, wo laut Wagenbauer auch noch die sogenannte „Härtefallregelung“ greift, wären Stand jetzt 88 Prozent an Zuschüssen zu erwarten. Das heißt: Die Gemeinde selbst hätte nach aktuellen Kostenschätzungen lediglich 303 000 Euro aufwenden, um eine langfristige Internet-Lösung zu bewerkstelligen.

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Ausbau wird auch von Einzelentscheidungen abhängig sein

Im Einzelfall würden beim Ausbau aber auch bautechnische Belange berücksichtigt, erklärt Wagenbauer. „Wenn ein Anwesen bereits über 70 Megabit verfügt, dann wird man Aufwand und Nutzen abwägen.“ Jeder einzelne Anschluss werde überprüft, ergänzt Wagenbauer.

Markterkundungsverfahren soll noch Ende dieses Jahres starten

Grundsätzlich sei es Ziel, FTTB-Anschlüsse, also Fiberglas bis ins Haus, zu verlegen. Das werde innerorts genauso der Fall sein, wie bei dem ein oder anderen Weiler. Fakten werde aber erst ein Markterkundungsverfahren liefern, das Ende dieses Jahres starten soll.

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In Niederbergkirchen bleibt ein Eigenanteil von 400 000 Euro

Eine solche Markterkundung kommt auch in Niederbergkirchen zum Tragen, wo es immerhin noch 70 Haushalte gibt, die als „weiße Flecken“ auf der Breitband-Karte gekennzeichnet sind. Dabei handelt es sich um Anwesen mit Bandbreiten unter 30 Megabit pro Sekunde. Sogenannte „graue Flecken“ – Bandbreiten zwischen 30 bis 100 Megabit pro Sekunde – gibt es in Niederbergkirchen 90 Stück. Grenzenlos schnelles Surfen im Internet würde in Niederbergkirchen bei einem Fördersatz von 90 Prozent einen Eigenanteil von nur 400 000 Euro verschlingen, sollte der Ausbau erfolgen.

Große Gemeinde, lange Wege: So sieht es in Niedertaufkirchen aus

Und dann gibt es auch noch Niedertaufkirchen: 105 Haushalte sind es, die als „weite Flecken“ aktuell aufgeführt sind, 112 sind als „graue Flächen“ gekennzeichnet. Bei ebenfalls knapp 90 Prozent Förderung läge der Eigenanteil der Gemeinde bei 480 000 Euro laut Kostenschätzung.

Stabile Grundversorgung schon jetzt – das hat der Lockdown gezeigt

Alle drei Gemeinden würden in Zukunft investieren, sagt Wagenbauer, der jedoch von einer stabilen Grundversorgung spricht, die in den Gemeinden schon jetzt bestehe. Dies habe sich im Lockdown gezeigt, als viele Arbeitnehmer und auch Schüler zu Hause gearbeitet haben oder beschult worden sind. Beschwerden habe es jedenfalls nicht gegeben, dass die Internetverbindung zu schwach sei, meint der VG-Geschäftsstellenleiter.

Vier Jahre Wartezeit auf schnelles Internet

Die Gemeinden werden wohl den Ausbau über das „Wirtschaftlichkeitslückenmodell“ anstreben, meint Wagenbauer. Das heißt: Die Gemeinden schreiben aus, haben aber mit dem Ausbau nichts zu tun. Doch selbst, wenn die komplette Planung und Ausführung in die Hände von Spezialisten fällt, bleibt die Wartezeit auf noch schnelleres Internet lang. „Man muss mit einer Umsetzungsdauer von 48 Monaten nach Vertragsabschluss rechnen.“

Niederbergkirchens Bürgermeister Werner Biedermann kennt die Grenzen des Internets in seiner Gemeinde. Als Inhaber eines Autohauses im Gemeindeteil Bach ist er täglich mit Bandbreiten-Problemen konfrontiert. Theoretisch hat er einen 100-MB-Anschluss. Allerdings basiert die Internetverbindung auf Kupferleitungen.

Bandbreiten-Verluste durch Kupferleitungen

Und die Erfahrung zeigt: Je mehr Nutzer im Internet auf Kupferstraßen surfen, umso mehr reduzieren sich die verfügbaren Bandbreiten. „Vor allem um die Mittagszeit und wenn es in Richtung Feierabend geht, wird es spürbar langsamer“, so Biedermann, der auf einen zuverlässigen digitalen Datenaustausch angewiesen ist, wenn er etwa Steuergeräte mit einem Update zu versehen hat. „Das passiert bei uns mittlerweile immer außerhalb dieser Stoßzeiten. Denn sollte die Leitung wegen Überlastung abstürzen, ist die Steuereinheit kaputt. 1000 Euro landen dann auf dem Müll.“

Lieber mehr Geld ausgeben und eine langfristige Lösung

Verständlich, dass der Gewerbetreibende den Ausbau der Glasfaser-Infrastruktur voranbringen möchte, um langfristig Versorgungslücken zu schließen. „Lieber gleich mehr investieren und Glasfaser bis ins Haus. Aber dafür auf lange Zeit hin gut versorgt!“ Die Infrastruktur gemäß der Gigabitrichtlinie zu verbessern sei eine Entscheidung für die Zukunft, findet Biedermann, zumal die bisherigen Bemühungen verschiedene Ausbaustufen und entsprechend viel Arbeitsaufwand erfordert hätten. „Und das, um eine Technologie auszubauen, die nicht mehr die Neueste ist!“

Nur halbe Ausbauzeit bei Selbstausbau

Einziges Manko im Gigabit-Programm: Das Zeitfenster für die Umsetzung. 48 Monate seien eine lange Zeit. „Wenn ein Bürger nach großen Bandbreiten fragt, damit er zu Hause ordentlich im Homeoffice arbeiten kann, müsste ich ihn Stand jetzt auf das Frühjahr 2025 vertrösten!“ Sollte die Gemeinde jedoch einen Selbstausbau forcieren, könne der Ausbau auf 24 Monate reduziert werden.

Streaming-Dienste, Homeschooling und Homeoffice: Der Breitband-Bedarf wird weiter ansteigen

Fest steht eines: Der Ausbau der digitalen Infrastruktur dulde keinen Aufschub. „Das hat Corona gezeigt, als viele ins Homeoffice mussten und auch die Kinder von zu Hause aus via Homeschooling beschult wurden.“ Der Bedarf sei vorhanden, weil man darüber hinaus zu bedenken habe, dass auch die Streaming-Dienste oder etwa digitale TV-Programme immer mehr genutzt werden.

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