Ursprung bei Franz Paul Einmayr

Krippe mit über 100-jähriger Tradition - Familie Einmayr setzt das fort, was 1899 begann

Dieser Teil der Einmayrkrippe steht aktuell in der St. Josephskapelle im Josefsheim.Einmayr/Jaensch
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Dieser Teil der Einmayrkrippe steht aktuell in der St. Josephskapelle im Josefsheim.Einmayr/Jaensch

Die Krippe der Neumarkt-St. Veiter Familie Einmayr ist etwas ganz besonders: Sie ist die Fortsetzung einer Tradition, die 1899 begann. Seit dieser Zeit pflegen und erweitert die Familien die Krippe, ein generationenübergreifendes Langzeitprojekt.

Neumarkt-St. Veit – 2019 feierte der Altöttinger Krippenverein sein 100-jähriges Bestehen. Ein Schmuckstück der Krippenausstellung war die Weihnachtskrippe der Neumarkt-St. Veiter Familie Einmayr. Die große Aufmerksamkeit, die diese Krippenlandschaft erhielt, ist in einer noch älteren Tradition begründet. Der Anfang dieser Weihnachtskrippe liegt nämlich schon über 120 Jahre zurück.

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Angefangen hat der Neumarkter Kirchen- und Kunstmaler Franz Paul Einmayr. Er schuf 1899 das Deckengemälde in der frisch errichteten St. Josefs Kapelle, die an das seit 1883 bestehende Krankenhaus angebaut worden war. Seit den Renovierungsarbeiten bei der Umwandlung in ein Seniorenheim ist nur mehr der Mittelteil, das Osterlamm in der Mitte des Himmels zu sehen.

Künstler Einmayr schuf auch Figuren

Franz Paul Einmayr malte auch für das zur Krippe gehörende Hintergrundgemälde: die Landschaft, entsprechend der Gegend Palästinas um Bethlehem und Nazareth. Die meisten Figuren, ebenso das Stallgebäude hat Künstler Einmayr ebenfalls selbst erstellt. Die Schnitzereien fertigte der Meister in der Winterzeit, wenn es in den ungeheizten Kirchen zum Malen zu kalt wurde.

HIrtenhöhle aus Baumrinde

Sein Sohn Max Einmayr ergänzte die Krippe in den 1920er Jahren durch Hirten und Schafe. 1965 erstellte wiederum dessen Sohn, der Zahnarzt Herbert Einmayr senior, eine Hirtenhöhle aus Baumrinde und aus bemalten Glasscherben ein wärmendes Hirtenfeuer. So hatte die Krippe eine anheimelnde zeitgemäße Ausstrahlung erhalten.

Eine besondere Ehrerbietung: Sieglinde Einmayr durfte 2019 ihre über 100 Jahre alte Familienkrippe bei der Krippenausstellung in Altötting präsentieren.

1993 schuf dann Herbert Einmayr junior ein zusätzliches Gebäude für die Darstellung der Verkündigungsszene. Dieses im Stil der bestehenden „Gebäude“ ließ sich um 180 Grad drehen, sodass auf der Rückseite auch die Herbergssuche präsentiert werden konnte.

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Zur selben Zeit wurde ein Verkündigungsengel und ein Herbergswirt aus der Werkstatt des Holzbildhauers Karl Hein in Altmühldorf in Auftrag gegeben. Er schuf im Stil der bestehenden Figuren einen charakteristischen Herbergswirt und einen filigranen Verkündigungsengel. „Von nun an konnten alle traditionellen Krippenszenen von der Verkündigung bis zur Flucht nach Ägypten in den verschiedenen Darstellungen nachgestellt werden“, berichtet Sieglinde Einmayr.

Die auch in der Öffentlichkeit recht bekannte Krippe sollte weiterhin zu besichtigen sein. Welcher Ort konnte da besser geeignet sein als die Krankenhauskapelle, die Franz Paul Einmayr mitgestaltet hatte? So wurde ein Teil der Krippe als Dauerleihgabe dem damaligen Krankenhaus überlassen und fand in der Kapelle einen großzügigen Standort auf dem linken Seitenaltar.

eder HIrte hatte einen Namen

Dort wurde die Krippe an jedem Weihnachtsfest bis 1991 von der Familie Einmayr und der „Krankenhaus Fanny“ (Franziska Eppeneder) aufgestellt. „Jeder Hirte hatte bei ihr einen Namen und sie wusste genau, wo er zu platzieren war“, erinnern sich die Einmayrs.

Nach dem Tod von Herbert Einmayr senior im Jahr 1992 übernahmen Herbert und Sieglinde Einmayr den jährlichen Aufbau bis zum Verkauf des Krankenhauses im Jahre 2005.

Neues Gebäude von Krippenbaumeisterin

Nach der Umwandlung in das Pflegeheim St. Josef im Jahr 2006 wurde als künftige Lösung eine Neugestaltung der Krippe erforderlich. Aus rechtlichen Gründen hätte die Krippe verglast werden müssen. So fertigte die Krippenbaumeisterin Marianne Hobmaier aus Unterweinbach/Schönberg ein neues Gebäude und es wurde eine den Bewohnern gerechte Krippe „zum Anfassen“ gebaut.

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Der Gang zum „Kripperl“ wird seitdem gerne von den Bewohnern und Besuchern, aber auch vom Personal als kleine Auszeit des stressigen Alltags im Pflegeberuf wahrgenommen. „Ein paar Minuten der inneren Einkehr und Ruhe ist in den recht unruhigen Zeiten, vor allem in diesem Jahr durch Corona, besonders wichtig“, findet Sieglinde Einmayr.

Ein Stück Weihnachten in Coronazzeiten

Leider kann in diesem Jahr wegen Corona die Krippe im Josefsheim nicht besichtigt werden. Die Hygienebestimmungen lassen auch keine Gottesdienste zu. „Umso größer ist die Freude in diesem Jahr bei den Bewohnern. Ein Stück Weihnachten in der Kapelle in ihrer Nähe zu haben und auch betrachten zu können!“

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