Kommunalwahl 2020

Die Grünen: Einzige Liste in Neumarkt-St. Veit mit einem türkischen Bewerber

Die ersten fünf Kandidaten auf der Liste der Grünen (von links): Thomas Döring, Michael Ecker, Joana Rose, Florian Berger und Armin Hoffmann. Jaensch
  • Karlheinz Jaensch
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Acht Frauen und Männer schicken die Grünen heuer in die Wahl für den Stadtrat in Neumarkt-St. Veit. Mit Tugay Simseker hat die Partei als einzige in der Rottstadt einen türkischen Bewerber auf der Liste.

Neumarkt-St. Veit – Nach CSU, UWG und SPD hat jetzt mit den Grünen eine vierte Gruppierung ihre Kandidaten für den Stadtrat aufgestellt. Thomas Döring, der ursprünglich bei der CSU auf dem 17. Platz stand, dann aber zurückzog, hatte die grüne Liste initiiert.

Rund zwei Dutzend Teilnehmer waren gekommen, die Kreissprecherin Judith Bogner leitete die Aufstellungsversammlung, die einen überraschenden Verlauf nahm. Eine Kandidatin, Gabriele Liesenhoff, fiel in allen Wahlgängen durch, obwohl die Liste weit hinter den Vorgaben der Parteistatuten bleibt. Von acht Kandidierenden ist nur eine weiblich.

Einzige Liste in der Stadt mit türkischen Bewerber

Zunächst hatte Thomas Döring die Besonderheiten der Bewerber herausgestellt, dabei vor allem das Engagement des erst 18-jährigen Paul Sänger hevorgehoben. Mit Tugay Simseker habe die Grünen-Liste einen türkischstämmigen Bewerber auf der Liste – im Neumarkter Wahlkampf ebenfalls eine Ausnahme, so Döring.

Nach kurzer Diskussion beschlossen die neun anwesenden Stimmberechtigten, die ersten fünf Plätze in Einzelabstimmung zu wählen. Wahlleiterin Cathrin Henke, die Landratskandidatin der Partei, erklärte aus den Statuten der Grünen, dass bei Aufstellungsversammlungen die ungeraden Plätze für weibliche Bewerber vorgesehen sind, auf den geraden Plätzen sowohl Männer als auch Frauen stehen dürften. Auf der Vorschlagsliste hätten also die Plätze 1, 3 und 5 von Frauen besetzt werden müssen.

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Gabriele Liesenhoff bewarb sich als einzige Dame um den Listenplatz eins, wurde aber mit acht Gegenstimmen abgelehnt. Da von den anwesenden Frauen nur eine ein Veto einlegte, war der Listenplatz frei für Männer. Als einziger Bewerber meldete sich Thomas Döring, der mit 8:1 Stimmen gewählt wurde. Für den Listenplatz 2 bewarb sich Michael Ecker, der die Stichwahl gegen Liesenhoff mit 8:1 Stimmen gewann.

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Die unterlegene Liesenhoff, 61 Jahre alt, bewarb sich dann als Einzige um den für Frauen vorgesehenen Platz 3, wurde aber erneut mit 8:1 Stimmen abgelehnt. Stattdessen wurde Florian Berger mit 8:1 Stimmen auf diesen Listenplatz gewählt. Die zweite anwesende stimmberechtigte Versammlungsteilnehmerin, Joana Rose, erhielt mit 8:1 Stimmen in der Stichwahl gegen Liesenhoff den 5. Listenplatz.

Versammlungsteilnehmer spricht von „Farce“

Bei allen Wahlgängen saßen sechs Stimmberechtigte rund um einen Tisch, der bei den schriftlichen Abstimmungen keine Abdeckungsmöglichkeiten bot und das wohl auch nicht brauchte. An einem zweiten Tisch saß an einer Stirnseite die unterlegene Kandidatin und gegenüber liegend ein männlicher Bewerber.

Und auch beim letzten Durchgang scheiterte Liesenhoff

Zuletzt wurde das „grüne Urgestein“ Reinhard Schmid auf Platz 8 gewählt, wieder mit 8:1 Stimmen. Er war nicht anwesend, ließ sich aber mit den Worten vorstellen: Er freue sich, wenn er auf die Liste käme. Auch wenn er nicht damit rechne, tatsächlich gewählt zu werden.

Eine weitere Dame, die als Kandidatin vorgeschlagen wurde, war nicht erschienen und ließ wissen, dass sie die Kandidatur zurückziehe. So stand Gabriele Liesenhoff als einzige Kandidatin für Platz 9 zur Verfügung. Doch auch dafür reichte es nicht: Mit 4 gegen 5 Stimmen wurde sie erneut abgelehnt.

Die Liste der Grünen in Neumarkt-St. Veit für die Stadtratswahl

1. Thomas Döring, 48 Jahre, selbstständiger Kaufmann; 2. Michael Ecker, 41, Schreinermeister; 3. Florian Berger, 50, selbstständiger Geschäftsführer; 4. Armin Hoffmann, 56, Hausmann; 5. Joana Rose, 40, Krankenschwester und Studentin; 6. Tugay Simseker, 25, Fachkraft im Gastgewerbe; 7. Paul Sänger, 18, Azubi im Elektrohandwerk; 8. Reinhard Schmid, 80, Landwirt i. R.

In einer früheren Version des Artikels hieß es, dass Alexander Liesenhoff die Nominierungsversammlung als „Farce“ bezeichnet und vorzeitig verlassen hat. Das ist falsch. Wir bitten den Fehler zu entschuldigen.

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