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Sieben Lagen Straße

Knochen ja - Baustopp nein: Archäologische Entdeckungen auf dem Stadtplatz Neumarkt-St.Veit

Sieben Lagen eines Plankenweges, der wahrscheinlich die beiden Stadttore verband, hat die Archäologin Ramona Baumgartner bei der Sanierung des Stadtplatzes freigelegt.
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Sieben Lagen eines Plankenweges, der wahrscheinlich die beiden Stadttore verband, hat die Archäologin Ramona Baumgartner bei der Sanierung des Stadtplatzes freigelegt.

Für Gerüchte sorgten in den vergangenen Tagen Funde von Knochen in der Baustelle zur Sanierung des Stadtplatzes von Neumarkt-St. Veit. Von einem längeren Baustopp wegen archäologischer Untersuchungen war die Rede. Alles halb so wild, wiegelt die Stadtverwaltung ab.

Neumarkt-St. Veit – Auf Anfrage teilte die Stadt jetzt mit, dass es zwar Knochenfunde gegeben habe, von einem Baustopp aber könne keine Rede sein.

Archäologische Arbeiten gibt es, wie Natascha Engelmann vom Bauamt der Stadt erklärte fast seit Beginn der Arbeiten. Der Neumarkter Stadtplatz ist ein eingetragenes Bodendenkmal und deshalb ist die archäologische Begleitung obligatorisch, ergänzt die Archäologin Ramona Baumgartner. Derzeit finden Ausgrabungen auf der alten Bundesstraße statt, auf Höhe des Hauses Stadtplatz 8 in Richtung Johannesplatz. „Es wurde mittlerweile die siebte Lage eines Plankenweges aufgenommen, gesichert und entfernt.“

Danach könne der Entlastungskanal von der Westseite in Richtung Johannesstraße erstellt werden. „Die sieben Lagen des Plankenweges sprechen dafür, dass immer wieder nach Überschwemmungen immer wieder eine neue Lage von Holzstämmen aufgebracht wurde“, erklärt Engelmann. „Zwischen den Lagen sind Schwemmschichten, zum Teil mit Reisigmaterial – kleine Nadelholzäste– vorhanden.“

Immer wieder neue Holzstämme kamen zum Vorschein

Ramona Baumgartner ergänzt, dass zudem gut zu sehen ist, dass offensichtlich der Weg immer wieder so ausgefahren war, dass die Spurrinnen, die die alten Gefährte hinterlassen haben, ausgebessert werden mussten.

Bei den Grabungen wurden auch Hörner und Hufeisen sowie Knochenreste von Tieren gefunden.

Wie schon in den vergangenen Monaten tauchen dabei auch immer wieder Überreste von Lebewesen auf. „Bei den Arbeiten wurden, wie schon bei den vorherigen Funden neben dem alten Holzplankenweg, auch Kulturschichten aus dem Spätmittelalter gefunden.“ Sie stammen aus dem 13. bis 15. Jahrhundert, es handelt sich laut Engelmann um „Speisereste wie Tierknochen von Schwein, Rind und Wild sowie Keramikscherben und Hufeisen.“

Der ganze Stadtplatz war mit Holz ausgelegt

Bei der jetzt folgenden dendrochronologischen Untersuchungen der Baumstämme werde das genaue Jahr bestimmt, in dem die Bäume geschlagen wurden. Das ist auf ein halbes Jahr genau möglich, weiß die Archäologin Ramona Baumgartner. Damit sei dann auch klar, aus welcher Zeit die Funde in der Baugrube stammten. Klar sei bereits jetzt, dass es sich um Nadelhölzer handelt. „Bisher haben wir nichts anderes entdeckt“, so Ramona Baumgartner. Aus ihrer Sicht sind die sieben Lagen des Plankenweges überraschend. Mit so vielen Lagen sei nicht zu rechnen gewesen. Die Archäologin und ihr Team haben sich mittlerweile rund zwei Meter tief in den Stadtplatz hineingegraben. Weiter in die Tiefe geht es aber jetzt nicht mehr.

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Neben dem rund vier Meter breiten Plankenweg, der wahrscheinlich von Stadttor zu Stadttor geführt hat, hat die Archäologin auch festgestellt, dass der gesamte Stadtplatz mit Holz belegt war. Um ihn zu stabilisieren, vermutet Ramona Baumgartner.

Grabungsstelle wird wieder verfüllt

Ihre Arbeit ist an dieser Stelle jetzt abgeschlossen, die Grabungsstelle wird jetzt wieder verfüllt und die Arbeiten zur Sanierung des Stadtplatzes können weitergehen. „Wir sind im zeitlichen Rahmen“, versichert Natascha Engelmann.

Zugleich sagen Baumgartner und Engelmann übereinstimmend, dass die alten Holzlagen die Tragfähigkeit des Stadtplatzes nicht beeinträchtigen. Im Gegenteil, das Holz trage zur Stabilität bei.

Unteres Tor ist ab Dienstag wieder offen

Für die Verkehrsteilnehmer ändert sich nächste Woche wieder etwas. Wie die Stadt Neumarkt-St. Veit mitteilte, wird am Dienstagabend das Untere Tor wieder für den Verkehr freigegeben. Dahinter bleibt allerdings eine halbseitige Sperrung, da dort im Gehwegbereich vor den Häusern am Stadtplatz 41 und 42 noch ein Kanal ausgetauscht werden muss. Fußgänger werden in diesem Bereich umgeleitet.

Bereits ab Montag wird auch der Belag des Gehwegs der westlichen Stadtplatzhälfte weiter ausgebaut, betroffen sind die Häuser mit den Nummern Stadtplatz 19 bis 26. Zudem würden Telekomschächte angepasst. Ab dem 6. September sollen die vorhandenen Kabel durch die Telekom und Vodafone in diesem Bereich tiefergelegt werden. Dann kann die Stadt weiter Wasserleitungen verlegen.

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